Ja, wir treten die Neulanddebatte wieder los. Wir machen es einfach, denn wer sich immer noch nicht richtig mit diesem “Internet” auskennt, jedoch groß rumfordert, dem sollte eine Neulanddebatte beschert werden.

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Neuland, so betitelte 2013 die Kanzlerin das Internet. Dieser Titel ist jedoch auch immer eine Frage der Perspektive. So mag für manch einen “Küche” Neuland sein, für den anderen ist “Swingerclub” Neuland und für hier und da Politiker ist eben “Internet” Neuland. Das ist in Ordnung.

Problematisch wird es, wenn an jener Stelle gegenüber dem “Neuland” Forderungen gestellt werden, die so nicht funktionieren. Worum es geht? Es geht um ein Papier mit dem Titel „Terrorismus wirksam bekämpfen“, dass bei der Klausurtagung der CSU-Landesgruppe in Wildbad Kreuth verabschiedet werden soll und das schon im Vorfeld für Schmunzeleien gesorgt hat. So kann man der WELT entnehmen, dass die CSU folgende Idee hat:

„Volksverhetzende und beleidigende Begriffe müssen bereits zuvor herausgefiltert werden. Automatisch generierte Propaganda-Inhalte sind durch wirksame Plausibilitätsprüfungen auszuschließen.“


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Aha, wirksame Plausibilitätsprüfung. Was ist es also, was die CSU damit meint? Wollen sie den 7 Facebooknutzern in Deutschland beim Schreiben persönlich auf die Finger schauen? Schwierig, ein paar mehr sind es ja schon.

Dann kann es ja scheinbar nur ein Inhaltsfilter sein, den sie mit “Plausibilitätsprüfung” meinen. Also wenn bestimmte Worte genutzt werden, dann wird ein Kommentar gar nicht erst erscheinen. Super, so etwas ist bei Facebook bereits als Funktion für Seitenbetreiber eingebaut und funktioniert so … na sagen wir mal semi. Denn Schlagwörter kann man zwar auf einen Index setzen, man kann mit dem Wissen um Schlagwörter jedoch so einen Filter einfach umgehen und am Ende werden womöglich die Falschen ausgefiltert. Beispiele sind die “alten” Filtertricks: aus dem Wort Porn wurde P0rn, später Pr0n und oftmals auch XXX für Sex. Alles nur, um einen Inhaltsfilter zu umsegeln, die Aussage ist jedoch identisch geblieben.

Aber vielleicht könnte man ja auch mit ein wenig Zeitaufwand alles kontrollieren, was auf Facebook so getippt wird, und dann in Ruhe freischalten. So 5 Stünden später.  .  .  .  .  .  NICHT.

Der Schmale Grat zwischen Zensur und Kontrolle

Natürlich ist es grundsätzlich zu begrüßen, wenn strafrechtlich relevante Inhalte aus den Netzwerken verschwinden. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese politisch oder oder nicht-politischer Natur sind: das Internet ist kein gesetzesfreier Raum und speziell Persönlichkeitsrechte müssen einem Schutz unterliegen.

Ebenso ist es zu begrüßen, wenn die großen Plattformen wie zum Beispiel Facebook schneller reagieren würde und auch besser Inhalte verstehen würde (Unterschied Satire <-> ernste Inhalte; Schutz der Persönlichkeitsrechte), denn oftmals hat man den Eindruck, dass bestimmte Worte oder Aussagen schlichtweg nicht verstanden werden.

Jedoch proaktiv gar nicht erst veröffentlichen, so wie es in dem CSU-Papier aufgeführt wird, das ist schon eine Herausforderung, die an mehreren Stellen aneckt. Wie bereits erwähnt, ist es technisch zwar irgendwie in Ansätzen zu realisieren, zum anderen muss man sich auch vor Augen halten, dass die Forderung schon wie ein Zensurvorhaben klingt. Wo liegt die Grenze? Wer setzt diese fest? Wie variabel ist diese? Und vor allem WER entscheidet?

Das bisherige System

Die bisherige Meldefunktion ist im Grunde ja der richtige Weg, nur hapert es deutlich in der Ausführung und in der Bewertung der gemeldeten Inhalte. Zu langsam, viele unverständliche Entscheidungen, angesetzte Maßstäbe, die wir in Mitteleuropa so nicht nachvollziehen können. An diesen Punkten sollte unserer Meinung nach gearbeitet werden.

Neuland

Damit wären wir wieder beim neuland. Das Internaet ist kein Fernsehsender, bei dem man anruft und im Zweifel Inhalte einfach nicht senden lässt. Das Netz ist komplexer und wird von den Nutzern bestimmt.

Abschließend eine kleine Perle in den Kommentarzeilen als Leseempfehlung: Die Kommentarspalte bei Golem zu dem entsprechenden Thema unter dem Kommentar “Technische Lösungen für soziale Probleme

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Artikel Vorschaubild: Jirsak / Shutterstock.com

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