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Immer wieder tauchen Fotos von einem explodierten Smartphone auf. Grund: Überhitzung beim Laden!

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Mimikama: Halbwahrheit

Diese Bilder gehen einher mit der Warnung, dass der Besitzer verletzt wurde, ja sogar so schwer, dass sein Herz angeblich stehen blieb und er ins Krankenhaus musste.

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(Screenshot: Facebook, öffentlicher Status)

In dieser Statusmeldung von 2013 heißt es in warnendem Ton:

Handy explodiert in der Nacht beim Telefonieren.
der junge Mann erlitt Verletzung am Gesicht und seiner Hand, sein Herz ist für kurze zeit stehen geblieben und musste ins Krankenhaus.
Also leute aufpassen, Wenn euch auffällt das euer Handy anfängt warm/heiß zu werden nehmt es aus dem Akkukabel.
Teilt das Bild und warnt eure Freunde

Insgesamt gehören zu dieser Bilderreihe zumeist 4 Bilder, welche ein zerfetztes Smartphone in einem Bett sowie die Verletzungen an einer Hand zeigen.

Herkunft der Bilder?

Während unserer Recherchen zu diesen Bildern und dem Inhalt des Warnung mussten wir bemerken, dass die Bilder schon fast älter sind als das Internet selbst (iron.). Einen Boom erlebte diese Bilderserie 2008 im brasilianischen Raum. Dort wurden in vielen Foren und auf Funbuld-Seiten diese Bilderserie gepostet und mit verschiedenen Angaben versehen. Eines von vielen dieser Beispiele stammt vom 9. Juni 2008, gepostet auf dem Blog dicascuriosidadesemais:

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(Screenshot: dicascuriosidadesemais)

In diesem Text wird von einer Begebenheit geschrieben, welche ein Dr. Luis Hidalgo Okimura aus São Paulo angeblich “ Presenciei um caso no hospital, há alguns dias.”, also selbst vor ein paar Tagen im Krankenhaus erlebt habe. Ferner erwähnt dieser Text, dass der Junge so schwere Verletzungen hatte, dass er auf der Fahrt zum Krankenhaus starb.

Nun, diese Geschichte zweifeln wir an! Die Bilder zu der Geschichte um den Herrn Doktor tragen verschiedene Wasserzeichen (Beschriftungen).

Es handelt sich bei dieser Story um ein rein erfundenes Textkonstrukt, denn die Bilder sind noch älter, und in den wesentlich älteren Versionen gibt es keinen Dr. Luis Hidalgo Okimura aus São Paulo.


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Bilder sind älter!

Und die älteren Fundorte berichten nicht von einem Herzstillstand. Wie bei den ältesten Quellen üblich zu finden, erzählen diese wesentlich kürzere und  und undramatischere Geschichten. Eine der ältesten Quellen dieser Bilderreihe spricht weder von dem Tod eines Jungen, noch überhaupt von einer Herzproblematik.

In dieser Version vom 22. November 2007 sind keine Wasserzeichen am Bild zu erkennen, sprich: die Bilder wurden nicht weiter bearbeitet und gebrandmarkt.

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(Screenshot: yesboleh)

Auf dieser Seite heißt es:

Exploding cell phones are becoming more and more common. A leading cause is believed to be counterfeit batteries.Many reports of cell phones exploding or catching fire is reported worldwide.
(Man hört immer öfter von explodierenden Handies. Die Hauptursache dafür sind wahrscheinlich gefälschte Akkus. Es gibt weltweit Berichte von Handies, die Feuer fangen und explodieren.)

Die Bilder selbst werden recht undramatisch mit Tipps untermalt:

  • Das Handy IM Bett zu laden ist sehr gefährlich.
  • Die Batterie fing aufgrund von Überhitzung Feuer
  • Schwere Verbrennungen an den Fingern.
  • ERINNERUNG: NUTZE AUF KEINEN FALL gefälschte Akkus.

Noch ältere Funde

Es gibt tatsächlich noch einige sehr wenige ältere Fundstellen, doch diese wurden bearbeitet und die Bilder eindeutig später nachgefügt. Dies wurde wahrscheinlich mit der Intention gemacht, die bestehende Geschichte zu dramatisieren und ihr mehr Glaubwürdigkeit zu geben.So gibt es zum Beispiel einen Fund aus 2004, in dem man recht deutlich den nachträglichen Einbau der Bilder erkennt.

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Hier wurden einfach die Bilder am Textanfang hinzugefügt, das kleine Bild zeigt, dass die Formatierung des ursprünglich genutzten Bildes eine ganz andere war.

Fassen wir zusammen

Bilderserie und Beschriftung des eingangs erwähnten Facebooktextes gehören nicht zusammen. Hier hat sich über 8 Jahre ein Konstrukt entwickelt, welches so nicht stattgefunden hat.

Die Bilder allein betrachtet können jedoch durchaus ein aufgrund hoher Hitze geschmolzenes Smartphone zeigen. Lag dieses Gerät während des Ladevorgangs mehrere Stunden unter einem Kissen und war mit einem gefälschten/minderwertigen Akku ausgestattet, kann dieser durchaus einen Schwelbrand verursacht haben. Die Aufnahmen des Bettes können daher durchaus als real angesehen werden, ob die verletzten Finger zu der Bilderserie gehören, lässt sich schwer nachweisen, aber auch nicht widerlegen.

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(Screenshot: yesboleh)

Daher muss man davon ausgehen, dass dieser Einzelfall stattgefunden hat, jedoch kein aktuell weltweit verbreitetes Problem darstellt. Das dargestellte Gerät muss man in das Jahr 2007 einordnen, die damalige Hardware, sowie Batterie und Ladekabel kommen so nicht mehr zum Einsatz.

Was man jedoch immer beherzigen sollte:

  • Nach Möglichkeit billige Akku-Fälschungen nicht einsetzen.
  • Der Ladevorgang sollte nicht an Orten stattfinden, an denen das Gerät überhitzen könnte (Pralle Sonne, unter den Kopfkissen, Sofaritze)