Das Coronavirus-Video im Faktencheck

Das Coronavirus-Video im Faktencheck

Von | 26. Januar 2020, 19:54

In einem 10 Minuten langen Video werden einige Behauptungen über das neue Coronavirus aufgestellt.

Das Youtube-Video, hochgeladen von einem „Odysseus“, wird damit eingeleitet, dass es sich um „eine Eilmeldung handele“ und ihm die Informationen über den Coronavirus „zugespielt wurden“, die Presse verschweige diese Informationen.

Update 28.1., weiter unten im Artikel: Der Kanal „Odysseus“ – Gestohlenes Logo verärgert Restaurantbesitzer

Im Folgenden möchten wir auf die wichtigsten Behauptungen in dem Video eingehen und auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen.

Behauptung: „Flüssigkeiten verlängern und verstärken die Lebenskraft des Virus“

Viren sind keine Lebewesen, weswegen sie auch keine Lebenskraft haben. Sie können auch nicht stärker im Wasser werden, indem sie beispielsweise ihre Struktur verändern.
Viren vermehren sich, indem sie sich an eine Wirtszelle andocken, das Erbgut des Virus in die Zelle freigesetzt wird und dort von von der Zelle vervielfältigt wird.

Diese Behauptung ist falsch. Durch Flüssigkeiten alleine können sich keine Viren vermehren, geschweige denn stärker werden.

Behauptung: „Der Coronavirus ist eine mutierte Art der SARS-Krankheit von 2003 und ist weitaus gefährlicher“

2019-nCoV und SARS haben nur eines gemeinsam: Es sind beides Coronaviren, benannt nach der mit Spitzen besetzten Oberfläche, die wie eine Krone wirkt. Bei Coronaviren geht es weniger um die Genetik, sondern mehr um das Aussehen unter dem Mikroskop.

So ähnelt 2019-nCoV dem SARS-Virus zwar, aber viele seiner Proteine ​​weisen wichtige Unterschiede auf. Jene Unterschiede können sich auf die Infektiosität der Viren auswirken und darauf, wie gut die zur Bekämpfung anderer Coronaviren entwickelten Medikamente gegen die neuen Viren wirken.

Dr. Sebastian Maurer-Stroh, stellvertretender geschäftsführender Direktor der Forschung am Institut in Singapur, welches der Agentur für Wissenschaft, Technologie und Forschung untersteht, sagt es noch deutlicher:

Der Unterschied zwischen 2019-nCoV und SARS ist so groß wie zwischen Hund und Katze.“

Der ehemalige FDA-Kommisar Scott Gottlieb äußerte gegenüber CNBC, dass 2019-nCoV zwar weniger stark ist als SARS, aber ansteckender sein könnte, da sich das Virus viel schneller ausbreitet.

Eric Toner, ein leitender Wissenschaftler der John Hopkins Universität, gab eine ähnliche Einschätzung ab: „Ein erster erster Eindruck ist, dass dies deutlich milder als SARS ist„, sagte er gegenüber Business Insider. „Das ist beruhigend. Andererseits ist es möglicherweise übertragbarer als SARS, zumindest in der Städten„.

Sowohl SARS als auch 2019-nCoV befallen die Lungen, was tödlich sein kann. An SARS starben 2003 und 2004 rund 10 Prozent der erkrankten 8.096 Menschen in 29 Ländern, laut WHO exakt 774 Menschen. Bei 2019-nCoV liegt die derzeitige Sterblichkeitsrate bei etwa 4 Prozent. Diese Zahl kann aber noch nach oben gehen.

Diese Behauptung ist falsch. SARS und 2019-nCoV gehören beide zur Familie der Coronaviren und weisen dementsprechend Gemeinsamkeiten auf, die Unterschiede sind aber sehr signifikant. Zum jetzigen Zeitpunt ist 2019-nCoV auch weniger gefährlich als SARS.

Behauptung: „Es gibt kein Medikament und die Krankheit ist nicht heilbar“

Tatsächlich gibt es noch keine Impfung, so dass nur die Symptome bekämpft werden können. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es nie heilbar sein wird, wie es in dem Video suggeriert wird. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es nur noch keine Heilung, allerdings ist das Virus ja erst seit sehr kurzer Zeit bekannt.

Diese Behauptung ist halbwahr. Das Virus ist aber auch noch viel zu neu, als das es jetzt schon Heilmethoden geben könnte.
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Behauptung: „Bereits am 12. Januar haben Ärzte empfohlen, die Stadt abzuriegeln, weil die Situation völlig außer Kontrolle geraten ist“

Am 12. Januar gab es nur 41 Fälle in Wuhan, davon 1 Todesopfer. Die WHO riet von der Anwendung jeglicher Reise- oder Handelsbeschränkungen auf China aufgrund der zu dieser Zeit verfügbaren Informationen ab.

Diese Behauptung ist falsch. Zum damaligen Zeitpunkt ging man von einer schweren Infektionskrankheit aus, die jedoch zu lokal beschränkt war, um eine Abriegelung und eine Reise- und Handelsbeschränkung mit China zu rechtfertigen.

Behauptung: „Was Medien nicht berichten: Der Virus verbreitet sich exponentiell“

Exponentiell bedeutet: In einer steiler werdenden Kurve. In jedem Medium wird allerdings berichtet, dass die Zahl der Infizierten und der Toten steigend ist.

Diese Behauptung ist falsch. Wir konnten kein seriöses Medium finden, in dem behauptet wird, dass die Anzahl der Infizierten nur geradlinig steigt, stetig ist oder sinkt.

Behauptung: Am 23.1. ist Wuhan (…) abgeriegelt worden. (…) Militär hat die Stadt komplett abgeriegelt.

Tatsächlich wurde am 23. Januar 2020 um 10 Uhr morgens der Quarantänezustand über Wuhan verhängt. Alle Stadtbusse, Züge und Fähren wurden angehalten, keine Busse oder Züge dürfen die Stadt verlassen, der Betrieb des Flughafens wurde ausgesetzt.

Auch die Städte Huanggang, Chibi, Enshi, Ezhou, Huangshi, Suizhou, Qianjjiang, Xianning, Xiantao, Yichang und Zhijiang unterliegen jeweils eigenen Reisebeschränkungen.

Dies wird zum größten Teil durch die Polizei geregelt, aber auch Militär ist anwesend, so sieht man beispielsweise auf einem der vielen Bilder Soldaten vor dem Bahnhof Wuhan stehen. Man darf sich nun aber nicht vorstellen, dass alles voller bewaffneter Soldaten sei, denn China sandte auch einige Hundert militärische Mediziner nach Wuhan, um das Krankenhauspersonal zu unterstützen, ein breiterer Einsatz der Volksbefreiungsarmee sei jedoch nicht geplant.

Die Behauptung ist sinngemäß richtig. Da die Polizei und die Ärzte diese logistische Aktion nicht alleine bewältigen kann, wurden sowohl Militär zur Abriegelung der Bahnhöfe und Kontrolle der Straßen als auch militärische Mediziner für die Krankenhäuser entsandt.
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Der Kanal „Odysseus“ – Gestohlenes Logo verärgert Restaurantbesitzer

Die Seriosität des Youtubekanals „Odysseus“ bröckelt noch mehr:
Anargyros Zosis, Besitzer des Lokals „Odysseus“ in Breitenfurt bei Wien meldete sich bei uns, da ihn Stammgäste darauf ansprachen, warum er auf Youtube einen solchen Kanal betreiben würde.

Die Mail des Restaurants "Odysseus"

Die Mail des Restaurants „Odysseus“

Tatsächlich handelt es sich um das gleiche Logo:

Die Logos des Kanals und des Restaurants im Vergleich

Die Logos des Kanals und des Restaurants im Vergleich

Das Logo des Restaurants „Odysseus“ wurde von der Freundin des Besitzers, die Grafikerin ist, vor über 10 Jahren bereits erstellt, wie uns Anargyros Zosis telefonisch mitteilte. Sogar der Schriftzug wurde dreist kopiert, so dass wir es hier mit einem eindeutigen Verstoß gegen das Urheberrecht zu tun haben, was wohl ein weiterer Grund ist, warum sich der Betreiber des Youtube-Kanals weitgehenst anonymisiert hat.

Fazit

Auch wenn in dem Video behauptet wird, es sei keine Panikmache, sondern man wolle nur informieren: Es ist Panikmache!
Auf die Bilder und die Videos sind wir in diesem Artikel nicht weiter eingegangen, doch ist beispielsweise gleich das erste Bild in dem Video von einer Quarantäneübung am Flughafen aus dem Jahr 2019, andere Bilder sind wiederrum wahrscheinlich echt oder nicht verifizierbar.

Zudem sei noch erwähnt, dass der Youtube-Kanal „Odysseus“ tendentiell Videos veröffentlicht, die mit mageren Behauptungen und teilweise sogar blanken Erfindungen Verschwörungstheorien hauptsächlich über 5G verbreitete, dann zum Klimawandel schwankte und sich nun den Coronavirus als neues Steckenpferd nahm.

Der neue Coronavirus ist eine ernste Angelegenheit, keine Frage. Aber Panik zu verbreiten und unseriösen Quellen zu glauben, ist in diesem Moment der falsche Weg! Klar ist es, dass man die Verbreitung im Auge behalten muss, aber das muss man bei allen Virenerkrankungen.

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