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Zur Zeit kursiert auf facebook eine Fotostrecke einer asiatischen jungen Frau mit einem Blumentattoo auf dem Dekolleté und uns erreichten Anfragen was es mit den Bildern auf sich hat.

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Wir haben recherchiert und herausgefunden: Das Profil auf dem die Bilder geteilt werden, gehört nicht zu der auf den Fotos abgebildeten Frau. Die teilende Person ist Besitzerin bzw. Mitarbeiterin eines Tattoostudios in Vietnam und regt sich über dieses misslungene Tattoo auf und sagt (sinngemäß übersetzt), dass die Frau nicht mehr glücklich werden wird und so etwas nicht sein muss weil so eine Leidensgeschichte das ganze Leben ruiniert.

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Doch klären wir zuerst wieso die junge Frau jetzt so aussieht. Dazu gibt es folgende drei Thesen:

These 1: Eine absichtliche sogenannte Scarification (Vernarbung)

Bei einer Scarification wird die Haut entsprechend eines vorgezeichneten Musters eingeritzt und immer wieder aufgeritzt, damit sich dort ein Narbengewebe entwickelt. Die Wundpflege und Abheilung ist dabei eine wichtige Aufgabe, damit es sich nicht wie hier im Bild zu sehen, entzündet. Dem sonst gesunden Körper wird eine künstliche Verletzung zugefügt, die das Immunsystem bearbeiten muss. Dies funktioniert solange gut, wie der Körper dazu in der Lage ist. Gibt es jedoch eine Wundheilungsstörung (bspw. durch Diabetes), kann es zu Komplikationen im Heilungsprozess kommen. Für gewöhnlich wird so eine große Scarification aber Stück für Stück durchgeführt und nicht in einem Zug, damit der Körper nicht überfordert wird.

Wahrscheinlichkeit: 5%

These 2: Eine allergische Reaktion auf die Farbpigmente / mangelhafte Farbqualität:

Weiterhin ist es möglich, dass die junge Frau allergisch auf die Pigmente reagiert hat und sich das Tattoo aufgrund der Entzündungssituation von selbst aus der Haut herausgelöst hat. Erste Tattoo-Gruppen auf facebook weisen mit dem Beitrag auch auf die Gefahr von minderwertiger und unkontrollierter Farbe hin – vor allem wenn man sich in unsterilen Umgebungen am Wohnzimmertisch stechen lässt. In Studios dürfen nur zertifizierte und geprüfte Farben verwendet werden. Solltet ihr euch tätowieren lassen wollen, lasst euch bitte immer die Zertifikate für die Farben zeigen, auch wenn ihr spießig wirkt. Wenn ein Tattoo in einem anderen Studio deutlich billiger ist, fragt kritisch nach. Wenn ihr nicht wisst ob ihr eine Unverträglichkeit habt, lasst es bitte vorher beim Dermatologen testen, damit es bei euch nicht zu dem selben Ergebnis kommt.

Wahrscheinlichkeit: 30%

These 3: Der Versuch das Tattoo zu entfernen:

Sieht man sich das „Vorher“-Bild an und vergleich das Front-Tattoo mit den beiden kleineren auf den Schulterblättern, kann man erhebliche Qualitätsunterschiede feststellen. Eine schlechte Arbeit kann auch bei einem teuren Tattoo abgeliefert werden, die Gefahr ist jedoch geringer. Vorstellbar ist es, dass sie das Tattoo wieder entfernen lassen wollte, weil ein Cover in der Größe sehr kostspielig ist. Eine Laserentfernung kostet jedoch auch einen hohen Betrag und ist mit vielen Sitzungen und auch Schmerzen verbunden. Eine vermeintlich kostengünstige Alternative wäre da das „Abtragen der Hautschichten“. Dafür sprechen die Wundränder die sich an den Konturen in geraden Linien abzeichnen. Jedoch scheint sich die Wunde entzündet zu haben und mindestens eine Schicht zuviel abgetragen zu haben. Beim stechen des Tattoos kann man schlecht bestimmen wie weit die Pigmente in die Haut eingebracht werden, so dass sie in verschiedenen Hautebenen sind. Eventuell wollte der „Operateur“ auf Nummer sicher gehen und so tief wie möglich schneiden um alle Pigmente zu erreichen. Bei unsachgemäßer Abtragung und mangelhafter Wundkontrolle (Bewegung des Areals damit die Vernarbungen nicht so extrem werden) kann es dann ebenfalls zu Entzündungen kommen.

Wahrscheinlichkeit: 90%

Abschließend bleibt uns Folgendes zu sagen:

  • holt euch im Vorfeld Informationen zu den Studios ein
  • sucht nach Erfahrungsberichten
  • lasst nicht den Geldbetrag entscheiden wo ihr euch stechen lasst
  • informiert euch z.B. beim http://www.bundesverband-tattoo.de/
  • folgt den Pflegehinweisen eures Künstlers. Wenn ihr ihm/ihr schon zutraut euch für alle Zeit Farbe in die Haut zu stechen, dann vertraut auch wenn es um die Anschlusspflege geht
  • klärt vorher ab ob ihr eine Unverträglichkeit und/oder Wundheilungsstörung habt

wenn ihr das Tattoo nicht mehr möchtet, sprecht mit dem Studio und eurem Dermatologen und sucht nicht die günstigste Methode zur Entfernung, sondern die sicherste