Artikelbild: Coronavirus Verschwörungsmythen Shutterstock / JosepPerianes

Coronavirus: Rechtsextreme und antisemitische Verschwörungsmythen

Von | 27. März 2020, 15:46

Das Coronavirus SARS-CoV-2. Ein Virus, das nicht nur eine Gefahr für die Gesundheit darstellt, sondern in dessen Fahrwasser zunehmend gefährliche Falschmeldungen und Verschwörungsmythen auftauchen.

Es geht dabei nicht immer nur um Falschmeldungen oder Trollereien, die hier und da die Interaktionen fördern oder gar amüsieren, sondern im Schatten des Coronavirus tauchen durch Verschwörungsmythen und damit verwandten Falschmeldungen auch Bedrohungen für demokratische Systeme auf.

Daneben werden auch Feindbilder erschaffen. Es geht dabei nicht um neue Feindbilder, sondern um alte Narrative, die man unbewusst bereits kennt und die dadurch auch plausibel erscheinen.

Das ist übrigens der Sinn solcher Narrative. Es handelt sich dabei um Erzählstrukturen, die immer wieder auftauchen und aufgrund der stetigen Wiederholung, aber auch des vermeintlichen immer schon Vorhandenseins glaubwürdig klingen.

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Diese Narrative und Verschwörungsmythen verbinden sich nun mit dem Coronavirus. Natürlich nicht biologisch, sondern auf erzählerischer Ebene. Diese Verbindungen haben wir speziell in den letzten Tagen häufiger beobachten können.

Die Gefahr dieser Mythen und Narrative wollen wir an dieser Stelle genauer betrachten, denn es handelt sich teils um rechtsextreme Nadelstiche auf vorhandene demokratische Strukturen, aber gleichzeitig auch um ein erneutes Aufkeimen antisemitischer Narrative und den Aufbau neuer (alter) Feindbilder.

Coronavirus dauert an!

Grundsätzlich haben wir in der Vergangenheit beobachten können, dass Falschmeldungen sich gut ausbreiten konnten, wenn sie sich im Fahrwasser realer Meldungen befanden. Häufig war das der Fall bei Amokläufen, Terroranschlägen oder Phänomenen von globalem Interesse.

Das ist beim Coronavirus ebenfalls der Fall, nur dass wir in dieser Situation ein besonders intensives Auftreten von Falschmeldungen und Verschwörungsmythen vorliegen haben. Das zusätzlich mittlerweile in einem für Social Media untypisch langen Zeitraum, denn bei den bisherigen Falschmeldungswellen zu anderen Themen trat ab einem bestimmten Zeitpunkt ein Sättigungsgrad an Informationen und kurz daraufhin eine Übersättigung ein, so dass das Interesse an einem Thema schnell endete und durch ein anderes abgelöst wurde.

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Dieser Punkt ist derzeit nicht abzusehen, was an der Vielschichtigkeit der aktuellen Situation liegen dürfte. Einerseits sind im Gegensatz zu bisherigen Themen, bei denen Falschmeldungen eine Rolle spielten, dieses Mal wirklich alle Teilnehmenden betroffen, andererseits hat das Thema selbst weiterhin eine nicht absehbare Dynamik.

Das ist ein idealer Nährboden für Verschwörungsmythen, die an dieser Stelle Informationslücken vermeintlich schließen und leichte Antworten auf komplexe Fragen bieten. Darin liegt gleichzeitig auch die Gefahr, denn durch dieses vermeintliche Wissen werden die Lücken falsch geschlossen. Die komplexe Situation kann nicht mit einfachen Antworten oder Feindbildern erklärt werden. Yoda würde an dieser Stelle Verschwörungsmythen ganz klar als Pfad zur Dunklen Seite definieren.

Irritationen erschaffen!

Hier liegt eines der Ziele von Falschmeldungen. Es geht um Irritationen, es geht darum, vorhandenes Vertrauen zu demokratischen Strukturen zu stören und Unsicherheit zu streuen. Das wird auch beim Coronavirus mithilfe von üblichen Mechanismen in Angriff genommen.

Man kann beobachten: Es gibt verschiedene Falschmeldungen und Mythen, die sich durchaus auch widersprechen. Mal ist eine Regierung angeblich nicht in der Lage, die Situation in den Griff zu bekommen, an anderer Stelle wird dann gleichzeitig behauptet, die Regierung sei Teil des Plans, um mithilfe des Virus und Kontaktsperren (gerne dann auch Ausgangssperren genannt) die Bevölkerung zu kontrollieren und zu täuschen.

Gemein haben diese Mythen jedoch, dass die politische Führung das Ziel der vielen kleinen Angriffe ist. Es ist dieses klassische Sägen am Stuhlbein, langsam und stetig.

Parallel dazu ist auch die Berichterstattung seriöser Medien das Ziel von Verschwörungsmythen. Ein Element, das auch derzeit bei den Fakes um das Coronavirus angewendet wird. Der klassische Satz „und die Medien dürfen wieder nicht darüber berichten“ ist so ein Vorwurf.

Dieser Vorwurf impliziert, dass Medien bewusst ein Thema verschweigen würden, dass sie der Bevölkerung etwas vorenthalten wollen oder gar lügen, um eine Situation falsch darzustellen. Dieser Vorwurf hat ein Ziel, denn wer den Vorwurf gestaltet, hat selbst immer Alternativmedien im Gepäck, die eine sog. Gegenöffentlichkeit darstellen.

Gegenöffentlichkeit beim Coronavirus

Diese Gegenöffentlichkeit und ihre Alternativmedien bestehen zumeist aus tendenziösen Plattformen und Blogs, die meist weniger mit Fakten, sondern eher mit Meinungen, Emotionen und auch starkem Framing arbeiten.

Framing bedeutet in diesem Falle, dass Begriffe genutzt werden, welche direkt eine tendenziöse Gefühlslage bei den Leserinnen und Lesern aufbauen. Dadurch entlarven sich häufig auch Meinungswebseiten aus dem Bereich der Alternativmedien, da sie sehr stark mit Kampfbegriffen und Narrativen arbeiten oder sich auf Gerüchte beziehen, die jemand irgendwo getätigt hat.

Letzteres kann übrigens ein ganzes Redaktionsmodell sein, bei dem man am Ende es sogar umgeht, Falschmeldungen zu veröffentlichen: Man veröffentlicht einfach die Themen und Spekulationen, die unter den Menschen auf Social Media verbreitet werden. Diese Inhalte, obschon falsch, werden thematisiert, indem man sie infrage stellt, ohne sie jedoch richtigstellen zu wollen.

Damit erreicht man nämlich ein bestimmtes Ziel inmitten der Irritationen: Verschwörungsmythen und Falschmeldungen rücken auf einmal über diese Alternativmedien in die Mitte der Gesellschaft.

Verschwörungsmythen rücken in Mitte der Gesellschaft

Es gibt viele Verschwörungsmythen, die zwar schon lange existieren, aber lange nur wenigen Menschen bekannt waren. Eines dieser Narrative ist der sog. Bevölkerungsaustausch, also dieser vermeintlich geheime Plan der Regierung, die eingeborene Bevölkerung durch Menschen aus einem anderen Land ersetzen zu wollen. Darin schwingt auch ein wenig eine globale Verschwörung mit, denn es stellt sich ja immer die Frage, wer am Ende ein Interesse daran hätte, beispielsweise die Menschen in Deutschland durch Flüchtende aus der ganzen Welt auszutauschen.

Anlass und Zweck eines solchen Bevölkerungsaustausches liegen da jeweils in Mythen basiert, jedoch sind die Ziele klar: Der Staat, das demokratische System, wird als schwach dargestellt. Wehrlos oder gar ein Instrument, welches sich gegen das eigene Volk wendet.

Es handelt sich hierbei um rechtsextreme Verschwörungsnarrative, die Angst erzeugen. Diese Angst ist ein Mittel, mit der Politik betrieben werden kann, indem von jenen, die die Angst aufbauen, gleichzeitig auch vermeintliche Lösungen geboten werden. Diese Lösungen bestehen dann aus autokratischen Strukturen, Feindbildern, sowie inneren und äußeren Ausgrenzungen.

Diese Mythen sind durch die stetigen Wiederholungen und dynamischen Veränderungen mittlerweile in der Mitte der Gesellschafft angekommen. Social Media und seine partizipativen Kulturen sind dabei ein gutes Trägermedium, auf dem man durch geschickte Manipulationen zum einen eine Scheinmehrheit errichten kann, gleichzeitig aber auch eine Dauerpräsenz und vermeintliche Wichtigkeit eines Themas aufbauen kann.

Social Media als Verteiler für Verschwörungsmythen

Social Media besitzt hierbei eine ganz zentrale Rolle: Es vernetzt Menschen auf einfache und kostengünstige Weise, die sonst kaum miteinander zu tun hätten. Social Media ist ein Informationsträger, der im Grunde für alle zugänglich ist, die eine entsprechende Hardware (ein Smartphone reicht schon) und einen Internetzugang haben. Das alles ist heutzutage keine Hürde mehr.

Gleichzeitig bietet Social Media ein besonderes, eigentlich sehr demokratisches Mittel: Es macht uns alle zu Sendern! Das ist in erster Instanz etwas großartiges, sofern man diese Sendefunktion mit Vernunft und Sorgfalt betreibt. Das Problem ist jedoch, dass diese Funktion, sowie auch die Kommentarfunktion, manipulativ genutzt werden kann.

In zweiter Instanz zeigt sich dadurch auch die verschobene Gatekeeperfunktion. Während bei Sendern im traditionellen Rahmen (TV, Hörfunk, Presse) Journalisten diese Gatekeeperfunktion innehatten (zu prüfen, ob ein Inhalt relevant und auch korrekt ist, um ihn zu senden), ist diese Funktion nun unfreiwillig auf alle Teilnehmer von Social Media übergegangen.

Jeder entscheidet für sich selbst, ob ein Inhalt überhaupt eine Senderelevanz hat. Gleichzeitig müssen alle Empfänger selbst in der Lage sein, eine Prüfung des vorliegenden Inhalts vorzunehmen. Dass dies an vielen Stellen nicht funktioniert, sehen wir nicht allein bei den Fakes rund um das Coronavirus.

Offene und geschlossene Formate

Gleichzeitig macht es auch einen Unterschied, auf welcher Social Media Plattform Inhalte verteilt werden. Es gibt nicht nur Unterschiede in der Nutzung der Formate (Bilder/Videos/Messages/etc.), sondern auch einen Unterschied in der Vertraulichkeit.

Auf offeneren Plattformen wie Twitter oder Facebook werden Verschwörungsmythen im Gießkannenprinzip vergossen. Sie können überall auftauchen, aber gleichzeitig auch sehr schnell diskutiert und widerlegt werden. Es findet eine Gegenrede mit Argumenten statt, im Zweifel greift der Plattformbetreiber sogar ein und löscht Falschmeldungen, bzw. blendet einen Beitrag eines Faktenprüfers dagegen ein.

Auf Messengern wie WhatsApp läuft ein ganz anderes Spiel, was man derzeit verstärkt zu den Verschwörungsmythen in Bezug auf das Coronavirus erkennen kann. Informationen, die über einen Messenger empfangen werden, besitzen einen Vertrauensvorschuss!

Dieser Vorschuss resultiert unter anderem darauf, dass man den Absender kennt. Die Rufnummer ist gespeichert, man hat ein Bild vor den Augen, beim Lesen einer Message hat man vielleicht sogar die Stimme des Absenders im Kopf. Handelt es sich nun um einen Verschwörungsmythos oder eine Falschmeldung, die man gesendet bekommt, kann dieser Vertrauensvorschuss bewirken, dass man diese Mitteilung unreflektiert weiterleitet.

Gleichzeitig kann die 1:1 Kommunikation und das bestehende Vertrauensverhältnis auch hinderlich sein, wenn man ein Feedback geben will, sofern man eine Falschmeldung erkannt hat. Doch keine falsche Scham an dieser Stelle: Der freundliche(!) Hinweis an den Absender, dass es sich um eine Falschmeldung handelt, ist absolut wichtig, da WhatsApp ansonsten keine Werkzeuge bietet, um Falschmeldungen zu erkennen.

Denn genau diese Kanäle sind es, über die rechtsextreme und antisemitische Verschwörungsmythen gezielt verbreitet werden, auch indem eine aufgesetzte Vertraulichkeit verwendet wird.

Verschwörungsmythen mutieren!

Es geht bei diesen Mythen auch nicht direkt darum, dass auf einmal alle an eine Verschwörung glauben. So wie im Falle des bereits angesprochenen Bevölkerungsaustausches oder einem ähnlich plumpen Ursprungsnarrativ. Es geht eher um die dynamischen Entwicklungen und Mutationen solcher Verschwörungsmythen. Im Falle des Coronavirus gibt es diese Dynamik, und es liegen konkrete Mutationen der Theorie vor: in dem Moment, wo in Sprachnachrichten oder Kettenbriefen behauptet wird, die Kontaktreduktionen seien ein Mittel der Regierung, um alle Menschen einzusperren, damit sie nicht bemerken, wie heimlich Flüchtlinge in das Land geführt werden.

Genau in diesem Moment werden die Verschwörungsmythen mit realen Bildern von der griechischen Grenze oder Personen mit südländischem Aussehen vermischt, um einen Scheinbeweis aufzubauen. Grundsätzlich: Ja, diese Bilder an sich sind echt. Nur haben sie meist nichts mit dem Verschwörungsmythos an sich zu tun oder stammen sogar aus einem anderen Kontext, bzw. wird durch bewusste Auslassung nicht erklärt, wie diese Bilder zustande gekommen sind.

Es geht sogar noch weiter. Mithilfe von Kettenbriefen und Sprachnachrichten werden Scheinvertrauensverhälnisse errichtet, mit denen sich diese Kettenbriefe selbst legitimieren. Speziell die Sprachnachrichten haben es in sich und befördern auf den ersten Blick unbemerkt destabilisierende Elemente.

Sprachnachrichten und Verschwörungsmythen

In den letzten Wochen sind häufig Sprachnachrichten aufgetaucht, in denen sich Menschen über mehrere Minuten zum Coronavirus und vermeintlich verschwiegenen Informationen äußern. Diese Sprachnachrichten beinhalten bei genauerem Blick ein paar spannende Elemente.

Häufig handelt es sich bei den Erzählstimmen um Frauenstimmen, die in selbstherrlichem, ja teils arrogantem Tonfall in einigen Fällen über 10 Minuten ohne jegliche Verhaspler wilde Verschwörungsmythen von sich geben. Was ebenso anfangs in vielen Fällen identisch ist, ist die Einleitung.

Diese Sprachnachrichten beginnen mit einer Adressierung einer Person, die man weder kennt, noch weiter identifizieren kann. Eine Stimme sagt etwas wie „Hallo XY! Du weißt doch, ich habe diese Bekannte / diesen Bekannten, die / der im Krankenhaus / im Ministerium / sonst einer sensiblen Stelle arbeitet.“

Bei dieser Einleitung handelt es sich um ein ganz wichtiges Element, selbst wenn die Empfänger dieser Sprachnachrichten weder die verfassende Person, noch den genannten Adressaten kennt, baut diese Einleitung ein Vertrauensverhältnis auf, da man davon ausgeht, dass sich zumindest die genannten Personen kennen und diese sich ja nicht belügen würden.

Doch kennen sich diese Personen wirklich, ja existieren die überhaupt? Sprachstil, Ablauf und auch inhaltliche Beschreibungen lassen durchaus darauf schließen, dass es sich bei diesen Sprachnachrichten um inszenierte Inhalte handelt, die bewusst ein Scheinvertrauen errichten und dazu animieren sollen, sich über die Messenger zu verbreiten.

Basis dieser Kettenbriefe sind Narrative, die entsprechend auch aus rechtsextremen Quellen stammen. In den Sprachnachrichten finden sich genau die destabilisierenden Komponenten wieder, wie man sie auch aus anderen Verschwörungsmythen kennt: Aufbau eines Staates, der entweder schwach ist oder gegen das Volk arbeitet. Eine Presse, die nicht darüber berichten dürfe oder bewusst lüge. Und am Ende eine Bevölkerung, die sich zwingend auflehnen soll.

Weltverschwörungen

Neben den lokal begrenzten Inhalten zielen Verschwörungsmythen in einer weiteren Instanz auf globale Verschwörungen. Diese sind in manchen Fällen lediglich angedeutet, in anderen Fällen plump und deutlich. Dabei werden Narrative verwendet, die teilweise wesentlich älter als das Internet sind.

Doch die Verwendung genau dieser Narrative machen die Verschwörungsmythen umso gefährlicher, da die Erzählstrukturen vertraut klingen. Es geht um die Geschichten von den mächtigen geheimen Strippenziehern, die hinter der ganzen Sache stecken. Diese Erzählweise findet man natürlich aktuell auch beim Coronavirus wieder.

Sei es ein Bill Gates, der ein Patent auf das Virus habe (weitere Erklärung hier), oder der Vorwurf, dass es sich um eine Biowaffe handle, die je nach Erzählweise mal von den Chinesen, den Amerikanern oder den „Juden“ in die Welt gebracht wurde.

Speziell hier ist die Schwelle zu antisemitischen Verschwörungsmythen und den neuen-alten Feindbildern erreicht. Auf einmal kommen Begriffe wie Rothschild oder Soros ins Spiel, denen seit jeher geheime weltumfassende Machtgelüste nachgesagt werden. Speziell Soros, der Geld in Demokratieprojekte oder Projekte gegen Rassismus investiert, wird dadurch immer wieder zum Ziel von antisemitischen Verschwörungsmythen.

Genau in diesem Moment ist der Verschwörungsmythos des Weltjudentums sehr nahe, der natürlich bereits viele Jahrhunderte alt ist, aber auch während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland stark verbreitet war.

Dieses vermeintliche Weltjudentum manipuliere Regierungen, wolle die Macht mithilfe des Virus an sich reißen und könne nur aufgehalten werden, indem man sich gegen die Maßnahmen zum Coronavirus zur Wehr setze. Und darin liegt das große Ziel in den vielen verschiedenen Mythen: Der Aufstand!

Dieser Aufstand muss nicht direkt durch Mythen über ein Weltjudentum oder Biowaffen angetrieben werden, sondern findet, wie beschrieben, seine Zündfunken bereits in den kleinen Mutationen wie Kettenbriefe oder Sprachnachrichten, die ebenfalls dazu auffordern, sich gegen Maßnahmen aufzulehnen.

Alternative Medizinermeinungen

An dieser Stelle müssen wir auch einen Blick auf alternative Medizin und alternative Medizineraussagen werfen, welche als Begleiterscheinungen zu den Verschwörungsmythen auftreten und diese teilweise sogar beinhalten.

In dem mittlerweile recht bekannt gewordenen Video mit Wolfgang Wodarg spricht der Mediziner davon, dass hinter dem Virus eine reine Panikmache stecke und Forscher lediglich damit Aufmerksamkeit bekommen und Geld verdienen wollen.

In diesen Aussagen finden sich deutlich die Anleihen zur Weltverschwörung wieder. Was die Aussagen jedoch nicht berücksichtigen, sind die Verlierer der aktuellen Situation, die ebenfalls großes finanzielles Interesse haben. Wir sprechen hier von Industrien, die durchaus einflussreich sind, derzeit aber große Verluste hinnehmen (vergleiche). Steht nicht genau das im Widerspruch zu der Geldmaschine, die angeblich hinter dem Virus stehen sollte?

Dennoch ist dieses Video, sowie ein Video mit dem Biologieprofessor Sucharit Bhakdi auf den sogenannten Alternativmedien hoch im Kurs, denn sie begleiten die Verschwörungsmythen zum Coronavirus hervorragend und stellen eine vermeintlichen medizinischen Gegenpol dar, welcher so stark promotet wird, dass er als gleichwertig gegenüber dem allgemeinen Konsens der Medizin und Forschung wirkt.

Ein anderer, jedoch ebenso wichtiger Punkt in der alternativmedizinischen Darstellung ist der allumfassende Verschwörungsmythos, dass es gegen das Virus bereits einfache Heilmethoden und Mittelchen gäbe. Hier greift nun das Big-Pharma-Narrativ: Konzerne würden die Lösung unterdrücken, um am Ende viel Geld mit ihrem Produkt machen zu wollen.

Der politische Umsturz

Welcher Mythos oder welches Narrativ auch immer angewendet wird, egal ob diese sich widersprechen oder mit einer Zunge reden: Durch all diese Verschwörungsmythen, die derzeit auch beim Coronavirus im Umlauf sind, ist auf lange Sicht der politische Umsturz im Blick.

Social Media ist dabei das ideale Trägermedium, da viele Menschen auf einfache Weise dort erreicht werden. Sie werden vor allem nicht irgendwie und irgendwo erreicht, sondern lesen die Mythen im privaten Raum, in ihrer persönlichen Komfortzone. Sie empfangen die Inhalte von Menschen, die sie kennen und auch vertrauen.

Die mutierten Narrative blenden mit gefälschten Vertrauensverhältnissen und treffen auf Informationslücken, die sie manipulativ ausnutzen und tendenziös formen. Das passiert derzeit verstärkt.

Der Grund liegt auch darin, dass Netze näher zusammenrücken. Es wird verstärkt kommuniziert, auch innerhalb rechtsextremer Kreise, die unterschwellig Verschwörungsmythen teilen. Gleichzeitig streuen populistische selbsternannte Alternativmedien Irritationen, über die Menschen den Eindruck gewinnen sollen, dass sie derzeit betrogen werden.

Es bleibt am Ende an den Nutzerinnen und Nutzern von Social Media hängen, diese Mechanismen zu erkennen und sich dagegen abzusichern.

Artikelbild Coronavirus Verschwörungsmythen: Shutterstock / JosepPerianes
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