"Coronavirus gefährdet Hund und Katze" (Faktencheck)

„Coronavirus gefährdet Hund und Katze“ (Faktencheck)

Von | 26. Februar 2020, 13:44

Coronavirus ist nicht gleich Coronavirus, sie sind wirtsspezifisch. Das heißt, viele Varianten „springen“ nicht so einfach zwischen Mensch und Tier „hin- und her.“

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Das Coronavirus soll Hund und Katze mehr gefährden, als den Menschen

Seit Jahren grassiert der Coronavirus in unseren Tierbeständen.
Es handelt sich dabei aber um andere Varianten als dem SARS-CoV-2.

Aktuell erhalten wir immer wieder Anfragen zu Medienberichten, die missverständlich aufgenommen werden könnten und reißerische Überschriften nutzen. Es geht dabei um das Thema, der Coronavirus sei für Hund und Katze gefährlicher, als für uns Menschen oder Haustiere wären generell ein Wirt für den Coronavirus.

Der Faktencheck

Haustierbesitzer sollten sich aktuell von reißerischen Titeln oder Beiträgen nicht verunsichern lassen. Infektionen mit Coronaviren sind häufige Erkrankungen bei Hunden und Katzen – und das nicht erst seit dem Ausbruch von SARS-CoV-2 (vormals 2019-nCoV) in Wuhan. Aber auch hier muss man unterscheiden, um welchen Stamm es genau geht.

Natürlich sind auch Coronaviren bei Haustieren nicht lustig oder zu verharmlosen, dennoch muss der Tierhalter laut Dr. Tina Hölscher, Tierärztin von aktion tier e.V., keine Angst haben, sich über sein Tier mit dem SARS-CoV-2 anzustecken.

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In einer Pressemitteilung erklärt sie, dass die Coronaviren hierzulande bereits seit Jahren in unseren Tierbeständen grassieren, wirtsspezifisch und damit nicht auf den Menschen übertragbar sind. Zudem handelt es sich um eine ganz andere Virusvariante als die, die derzeit in China Angst und Schrecken verbreitet.

Sie lösen zumeist beim Tier Durchfälle aus und befallen nicht, wie bei SARS-CoV-2, die Lunge, sondern eben den Darm. Zumeist verläuft eine Infektion mild, in vielen Fällen werden die Coronaviren erst gar nicht bemerkt.

„Schmuseeinheiten mit dem Haustier sind also trotz Coronavirus-Welle erwünscht und erlaubt“,

erklärt die Tierärztin. Trotzdem rät sie, allgemeine Regeln der Hygiene einzuhalten und echte Küsschen mit dem Vierbeiner zu unterlassen. Denn auch wenn kein asiatischer Coronavirus-Befall von Seiten unserer Haustiere droht, auch Würmer oder Bakterien könnten durch die geliebten Fellnasen auf Frauchen und Herrchen übertragen werden.

Auch die World Health Organization räumt mit dem Verdacht auf, dass Hunde und Katzen SARS-CoV-2 auf den Menschen übertragen:

In der Tat heißt es auch hier: Hände mit Wasser und Seife waschen!

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Coronaviren beim Hund (CCoV, CCV)

Die Webseite laboklin.com beschreibt Coronaviren beim Hund wie folgt:

Eine Infektion mit caninen Coronaviren (CCoV, CCV) verläuft meist asymptomatisch oder führt allenfalls zu milden, nicht-hämorrhagischen Durchfällen. Bei Welpen sind auch schwere Krankheitsverläufe mit hämorrhagischer Gastroenteritis möglich. Es kommt zu einem Verlust der Darmvilli, einer Abflachung der Epithelzellen des Dünndarms und einer Ablösung der Becherzellen. Die auffälligsten Symptome sind Erbrechen und wässriger bis blutiger Durchfall, damit einhergehend hochgradige Dehydratation. Das Virus wird über den Kot ausgeschieden, die Dauer der Ausscheidung liegt in der Regel bei unter 2 Wochen.

CCV ist auch für andere Caniden sowie für die Katze und das Schwein infektiös, allerdings ist die Pathogenität bei diesen Tierarten ungeklärt.

Coronaviren bei der Katze (FCoV: FIPV, FECV)

Bei der Katze ist das Ganze schon etwas komplexer:

Feline Coronaviren (FCoV) lassen sich in zwei Pathotypen einteilen, dem schwach bis nicht virulenten Felinen Enteralen Coronavirus (FECV), das die intestinalen Epithelzellen befällt und als reiner „Durchfallerreger“ zu bewerten ist, und dem in der Katze mutierenden tödlichen felinen infektiösen Peritonitisvirus (FIPV), welches massiv in Makrophagen replizieren kann.

Kommt es zur Ausbildung einer FIP, zeigen sich klinisch zwei verschiedene Ausprägungs­formen: Die feuchte exsudative Form und die trockene granulomatöse Form. Bei der feuchten Form kommt es zur Ausbildung einer hochgradigen Polyserositis mit Bildung einer stark viskösen, gelblichen, fibrinhaltigen Ascitesflüssigkeit. Bei der trockenen Form der FIP bilden sich pyogranulomatöse Verdickungen auf den Serosen und in den Organen. Dabei sind hauptsächlich Leber und Lunge sowie die Nieren betroffen. Auf der Milz und den Lymphknoten bilden sich entzündliche Knötchen. Die Katzen entwickeln häufig Anämien mit Ikterus, Abmagerung und hohes Fieber. Es können auch ZNS-Symptome und durch Ablagerung von Präzipitaten eine Uveitis auftreten.

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Ein positiver Titer besagt, dass die Katze Kontakt zu Coronaviren hatte. Das ist bei dem größten Teil aller adulten Tiere der Fall. In einem klinisch gesunden Tier und vor allem, wenn diese Tiere aus Zuchten oder Tierheimen stammen, sind auch hohe Titer meist nicht von Bedeutung. Sie lassen nicht darauf schließen, dass diese Katze an FIP erkranken wird. Ab einem Titer von 1:400 geht man allerdings davon aus, dass diese Katzen auch Coronavirus mit dem Kot ausscheiden. Bei an FIP erkrankten Tieren finden sich häufig auch nur niedrige bis negative Antikörpertiter. Hier ist es zu einer Bindung der Antikörper in Immunkomplexen gekommen; somit sind Antikörper nicht mehr nachweisbar. Zur weiteren Abklärung kann eine Serum-Eiweiß-Elektrophorese und eine Bestimmung des Albumin-Globulin-Quotienten hinzugezogen werden. Diagnostische Hinweise liefert eine Erhöhung der Gamma-Globulin-Fraktion und ein Albumin-Globulin-Quotient unter 0,6. Ein Albumin-Globulin-Quotient ist zu 92% spezifisch. Differentialdiagnostisch sollten aber auch Lebererkrankungen wie die Cholangiohepatitis in Betracht gezogen werden.

Das heißt, dass weltweit Katzen und Hunde mit Coronaviren infiziert sind und meist einen harmlosen Verlauf zeigen. Lediglich bei der Katze kann es vorkommen, dass der Virus mutiert und daraus eine tödliche FIP-Erkrankung resultiert. Leider gibt es gegen FIP noch kein zugelassenes Medikament. Ein Ausbruch durch Stress oder ähnliche Faktoren führt in nur wenigen Tagen zum Tod der Katze.

Fazit:

Es gibt aktuell keinen Beweis dafür, dass sich der SARS-CoV-2 Virus, welcher die Lunge des Menschen befällt, von Haustieren auf dessen Besitzer überträgt. Natürlich gefährdet der Coronavirus auch Hunde und Katzen, doch dabei handelt es sich um ganz andere Varianten als den SARS-CoV-2 und verläuft bis auf die FIP-Variante in den meisten Fällen mild.

Dennoch gilt immer (und nicht nur bei Kontakt mit Haustieren): Hände waschen nicht vergessen!

Die SARS-CoV-2-Welle ist also noch lange keine Ausrede dafür sein Haustier zu vernachlässigen oder auszusetzen. Zumal sich Tiere auch nicht erst „seit gestern“ mit dem Coronavirus infizieren.

Passend zum Thema: Schrieb Dean Koontz über den neuen Coronavirus? (Faktencheck)

Weitere Quellen: Fassisi – Gesellschaft für Veterinärdiagnostik und Umweltanalysen mbH, bollerkopp
Artikelbild: Shutterstock / Von Monika Wisniewska
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