Coronavirus ein Geheimplan der Regierung? - Weit hergeholter Schwurbel!

Coronavirus ein Geheimplan der Regierung? – Weit hergeholter Schwurbel!

Von | 15. März 2020, 20:41

Keine Verschwörungstheorie klingt zu weit hergeholt, als dass sie nicht irgendjemand glauben würde.

Ein weit verbreiteter Vertreter in der Riege der unhaltbaren Theorien: Der neue Coronavirus könnte ein Masterplan oder eine Gebrauchsanweisung „für alles was gerade abläuft“ sein. So mutmaßt zumindest ein bekannter Verschwörungstheoretiker in einer Kolumne von „Wallstreet Online„.

Eine der vielen Anfragen an uns

Eine der vielen Anfragen an uns

So berichtet Schrang in seiner Kolumne, dass ihm „brisante Unterlagen zugesandt wurden“, die so brisant sind, dass sie sogar öffentlich auf den Seiten des Bundestages einsehbar sind.

„Bitte schaut speziell ab der Seite 55.
Es kann einen schon gruseln wie die das jetzige Szenario dort fast 1:1 beschrieben wird…
Ausbreitung, Ablauf, Dauer, Mortalität, usw… Besonders makaber ist, dass der Coronavirus explizit genannt wird.“

Im Anschluss nennt er noch einige Beispiele, um auf vermeintliche Gemeinsamkeiten des Dokumentes und der jetzigen Situation hinzuweisen, natürlich wird dann noch auf den eigenen Newsletter verwiesen, damit man erfahren kann, „was der Mainstream verschweigt“.

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Auf der Suche nach den Gemeinsamkeiten

Wie schon oben geschrieben, findet sich das Dokument ganz öffentlich auf den Seiten des Bundestages, netterweise hat der Kolumnist sogar darauf verlinkt. Schauen wir uns also mal das Dokument  mit dem Titel „Bericht zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz 2012“ an!

Worum geht es im Anhang 4?

Ab der Seite 55 findet sich der Anhang 4 mit dem Titel „Risikoanalyse Bevölkerungsschutz Bund – Pandemie durch Virus „Modi-SARS““.

Nun sollten wir aber nicht einfach so einen Anhang lesen, ohne uns vorher zu informieren, worum es darin überhaupt geht. Diese Informationen finden sich auf Seite 5 des Dokumentes, unter 2.3. Dort steht (auszugsweise):

Das Szenario beschreibt ein außergewöhnliches Seuchengeschehen, das auf der Verbreitung eines neuartigen Erregers basiert. Hierfür wurde der zwar hypothetische, jedoch mit realistischen Eigenschaften versehene Erreger „Modi-SARS“ zugrunde gelegt. Die Wahl eines SARS-ähnlichen Virus erfolgte u. a. vor dem Hintergrund, dass die natürliche Variante 2003 sehr unterschiedliche Gesundheitssysteme schnell an ihre Grenzen gebracht hat. Die Vergangenheit hat bereits gezeigt, dass Erreger mit neuartigen Eigenschaften, die ein schwerwiegendes Seuchenereignis auslösen, plötzlich auftreten können (z. B. SARS-Coronavirus (CoV), H5N1-Influenzavirus, Chikungunya-Virus, HIV). Unter Verwendung vereinfachter Annahmen wurde für dieses Modi-SARS-Virus der hypothetische Verlauf einer Pandemie in Deutschland modelliert, welcher sowohl bundesrelevant als auch plausibel ist.

Es handelt sich also um ein hypothetisches Szenario, beruhend auf vorangegangenen Seuchengeschehen, weswegen das fiktive Virus auch den Namen „Modi-SARS“ bekam.

Szenario: „Das hypothetische Modi-SARS-Virus ist mit dem natürlichen SARS-CoV in fast allen Eigenschaften identisch.
Realität: Der neue Coronavirus trägt den Namen SARS-CoV-2 und hat ähnliche Eigenschaften, unterschiedet sich aber auch in vielen Punkten.

Szenario: „Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Übertragung des Virus auf einen Menschen bis zu den ersten Symptomen der Erkrankung, beträgt meist drei bis fünf Tage, kann sich aber in einem Zeitraum von zwei bis 14 Tagen bewegen.
Realität: Die Inkubationszeit beträgt im Mittel fünf bis sechs Tage, Spannweite 1 bis 14 Tage.

Szenario: „Fast alle Infizierten erkranken auch.
Realität: Dazu gibt es noch keine verlässlichen Zahlen, da die tatsächliche Anzahl der Infizierten und die tatsächliche Anzahl der Fälle unbekannt sind, es wären serologische Erhebungen notwendig. Eine erste, kleine Studie aus Japan gibt einen Wert von 58 % an.

Szenario: „Die Symptome sind Fieber und trockener Husten, die Mehrzahl der Patienten hat Atemnot, in Röntgenaufnahmen sichtbare Veränderungen in der Lunge, Schüttelfrost, Übelkeit und Muskelschmerzen. Ebenfalls auftreten können Durchfall, Kopfschmerzen, Exanthem (Ausschlag),Schwindelgefühl, Krämpfe und Appetitlosigkeit.
Realität: Die Krankheitsverläufe sind unspezifisch, vielfältig und variieren stark, von symptomlosen Verläufen bis zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Daher lassen sich keine allgemeingültigen Aussagen zum „typischen“ Krankheitsverlauf machen. Häufigste Symptome sind Fieber und Husten.

Szenario: „Die Letalität ist mit 10% der Erkrankten hoch, jedoch in verschiedenen Altersgruppen unterschiedlich stark ausgeprägt. Kinder und Jugendliche haben in der Regel leichtere Krankheitsverläufe mit Letalität von rund 1%, während die Letalität bei über 65-Jährigen bei 50% liegt.
Realität: Die Letalität ist noch sehr unklar, nach einfacher Berechnung beträgt sie im Durchschnitt weltweit 3,52 %, in Deutschland 0,18 %.

Szenario: „Mit Auftreten der ersten Symptome sind die infizierten Personen ansteckend.
Realität: Auch ohne Symptome sind infizierte Personen bereits ansteckend.

Szenario: „Die Ausbreitung in Deutschland erfolgt über eine Messestadt in Norddeutschland und eine Universitätsstadt in Süddeutschland.
Realität: Die erste Infektion in Deutschland gab es im Landkreis Starnberg in Bayern. Auch die nachfolgenden Infektionen fanden weder in einer Messestadt in Norddeutschland noch in einer Universitätsstadt in Süddeutschland statt.

Szenario: „Das Ereignis beginnt im Februar in Asien, wird dort allerdings erst einige Wochen später in seiner Dimension/Bedeutung erkannt. Im April tritt der erste identifizierte Modi-SARS-Fall in Deutschland auf.
Realität: „Die ersten Infizierten gab es im Dezember 2019 in Wuhan/China, am 31. Dezember 2019 wurde das WHO-Landesbüro in China über eine Häufung von Patienten mit einer Pneumonie (Lungenentzündung) unbekannter Ursache informiert. In Deutschland trat der erste Fall Ende Januar 2020 auf.

Was kann man daraus nun schließen?

Zwischen dem Szenario und der Realität gibt es Gemeinsamkeiten, aber auch deutliche Unterschiede.
Jene Gemeinsamkeiten sind auch einfach zu erklären, da von statistischen Wahrscheinlichkeiten bestimmter Faktoren ausgegangen wurde (da sage noch mal einer, dass Statistiken lügen!).

Die entfernten Gemeinsamkeiten (z.B. Februar im Szenario, Dezember in Realität) sind beispielsweise auch statistisch am realsten: Ein Virus, das Fieber und Husten auslöst, wird in den Wintermonaten weniger schnell erkannt als in den Sommermonaten, da viele Menschen einfach nur eine Erkältung haben.

Handelt es sich also um einen „groß angelegten Masterplan“, der da durchgeführt wurde? Und dann findet sich dieser Masterplan auch noch auf den Seiten der Bundesregierung, basierend auf Berechnungen und Statistiken des Robert-Koch-Institutes?

Hat also Deutschland in China den neuen Coronavirus ausgesetzt, damit dieser dann hoffentlich auch den Weg nach Deutschland findet, damit jener „Masterplan“ umgesetzt werden kann?

Oder ist das sogar ein weltweiter Masterplan aller Regierungen, der sich halt auch zufällig öffentlich auf den Seiten der Bundesregierung zu finden ist? Glaubt das ernsthaft jemand?

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Fazit

Die Schlussfolgerung, dass es sich bei dem hypothetischen Szenario in Wirklichkeit um einen großen Plan für wasauchimmer handelt, ist in sehr vielen Punkten einfach nur unhaltbar und exakt das, wie es anfangs bereits genannt wurde: eine Verschwörungstheorie eines Mannes, der hauptsächlich auf Youtube, esoterischen Seiten und teils auch rechtsgerichteten Seiten sein Publikum findet.

Weiterführende Quellen:

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