Ein Video zeigt eine Gruppe Männer, die auf einem Friedhof Grabsteine umtreten sie zerstören und sich auch mit schweren Hämmern an einem großen Steinkreuz zu schaffen machen. Ein verstörendes Szenario, dessen Videoaufnahme nun erneut auf Facebook zu finden ist.

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Dieses Video ist aktuell mit folgender Beschreibung stark verbreitet: “Wie widerlich ist das den? Islamisten zerstören Christliche Kriegsgräber”. Es handelt sich an dieser Stelle erneut um einen Fall, welcher nicht allein in zwei Sätzen dargestellt werden kann. Beginnen wir jedoch mit dem ersten Ansatz: ja, das Video ist echt! (Youtube-Version hier)

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Es handelt sich weder um Filmaufnahmen, noch um eine gestellte Szene.

Herkunft und Alter

Auch wenn bei der neuerlichen Verbreitung “Bundeskanzleramt (Berlin)” als Ort markiert ist, so ist das natürlich Unsinn und dient lediglich einer geografischen Verschlagwortung. Das Video stammt aus Libyen, genauer gesagt Bengasi und zeigt Gräber des Commonwealth.

Es handelt sich dabei um zwei Friedhöfe in Bengasi, die angegriffen wurden und an Commonwealth-Staatsbürger erinnern, die während oder nach dem Zweiten Weltkrieg starben. Hier wurden mehr als 200 Grabsteine beschädigt. Das Video selbst wurde Ende Februar 2012 aufgenommen (24. oder 26.) und Anfang März 2012 bekannt. Es wurde vorwiegend in der britischen Presse seinerzeit thematisiert. Die BBC berichtete am 4. März 2012 unter dem Titel “ Fury over attack on British war graves in Benghazi” [1]:

Attacks on the graves of British servicemen in Benghazi, Libya, have been described as „horrific“ by Foreign Office Minister Alistair Burt.
(Die Übergriffe auf die Gräber britischer Soldaten in Benghazi, Libyen, wurden vom Außenminister Alistair Burt als „schrecklich“ beschrieben.)

Bereits im Jahr 2012 lösten diese zerstörerischen Übergriffe große Empörung aus. Dem BBC Artikel ist ebenso zu entnehmen, dass auch muslimische Gräber zerstört wurden.

The Foreign Office said it now believed the attack was carried out by militant islamists, known as Salafists, after Muslim shrines were also targeted.
(Das Auswärtige Amt sagte, dass nun der Ansicht sei, dass der Angriff von militanten Islamisten durchgeführt wurde,welche als Salafisten bekannt sind, nachdem muslimische Schreine auch ein Ziel waren.)

Offizielle Reaktionen

Die libyschen Behörden haben ebenfalls mit Entsetzen reagiert und distanzierten sich deutlich von den Übergriffen:

These are not actions carried out by the government of Libya, this is an extremist mob that has done this and we all share the same revulsion for it.
(Dies sind keine Aktionen der Regierung Libyens, es handelt sich um einen extremistischen Mob, der dies getan hat und wir alle teilen die gleiche Abscheu demgegenüber.)

Es ging hier augenscheinlich nicht um gezielte Angriffe auf eine Nation (auch ein italienischer Soldatenfriedhof in Bengasi wurde angegriffen) oder einer Konfession, da auch muslimische Grabstätten in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die Nachrichten-Webseite “thedailybeast” schreibt hierzu:

Salafis, who follow literalist and strict approaches to Islam, abhor the „heretical“ trappings and less austere practices of Sufi Muslims. They claim worshipping at graves and shrines is un-Islamic and idolatrous and abhor the Sufi use of music and dance.
Salafisten, die wortgenau und streng den Islamansätzen folgen, verabscheuen die “ketzerischen”Fallen und weniger strengen Praktiken der sufistischen Muslime. Sie behaupten, die Anbetung an Gräbern und Schreinen ist unislamisch und ein Götzendienst, sowie sie auch die Verwendung von Musik und Tanz der Sufi ablehnen.

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