Chlorpyrifos – Wenn der Tagesbedarf an Vitamin C vergiftet ist.

Chlorpyrifos – Wenn der Tagesbedarf an Vitamin C vergiftet ist.

Von | 4. Dezember 2019, 11:47

In Europa ist die Skepsis gegenüber Pestiziden traditionell sehr hoch. Einige Länder bestehen seit Jahren auf einen Sonderstatus, so beispielsweise im Streit um das Mittel Glyphosat.

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Jetzt ist die Diskussion um das Verbot eines weiteren Insektengift, nämlich Chlorpyrifos entbrannt, dessen Anwendung angeblich zu schweren Gehirnschäden bei Kindern und Tieren führen kann.

Die häufige Anwendung von Pestiziden beim Gemüse und Obstanbau kann vor allem darauf zurückgeführt werden, dass die Konkurrenz der einzelnen Bauern untereinander zunehmend steigt, da durch die globalen Transportmöglichkeiten regionale Produkte oft in Konkurrenz mit importierten Waren geraten. Vor allem saisonales Obst, welches nicht hier angebaut ist, unterliegt in seinen Herkunftsländern oft wesentlich geringeren Standards als hier.

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In der Weihnachtszeit sind Zitrusfrüchte aus dem Süden allgemein beliebt. In das jährliche Nikolosäckchen wandern traditionell neben Schokolade vor allem Mandarinen und Orangen, an Weihnachtstagen gibt es oft Grapefruits oder verarbeitete Zitronen. Diese Früchte sind vor allem in Winter, bedingt durch Minusgrade, nicht heimisch und werden importiert.

Vor allem oben genannte Zitrusfrüchte enthalten nach den letzten Erkenntnissen oft übermäßige Rückstände des Pestizids Chlorpyrifos. Das Insektengift zählt zu den meistgenutzten Mitteln der Welt zur Schädlingsbekämpfung und ist nunmehr aufgrund seiner möglichen verheerenden Nebenwirkungen in den Fokus der europäischen Behörden geraten.

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Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass im Jahre 2017 bei jeder vierten Mandarine und jeder dritten untersuchten Grapefruit und Orange übermäßige Rückstände des Insektengifts Chlorpyrifos nachgewiesen werden konnten.

Selbst geringe Mengen können fatale Wirkungen zeigen, geraten Babys im Mutterleib in Kontakt mit dem Gift, so kann dies zu Schädigungen der Gehirnentwicklung führen, da das Gift wichtige Bereiche der Großhirnrinde angreift und schrumpfen lässt.

Vor einigen Jahren hatte die EU in Reaktion auf die Ergebnisse die Grenzwerte bereits heruntersetzen lassen und denkt jetzt über ein generelles Verbot nach. Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat im Sommer bereits ein allgemeines Verbot der Substanz gefordert und die Europäische Kommission eingeschaltet.

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Der Umgang der Europäischen Union mit Chlorpyrifos wird einen interessanten Ausblick auf künftige Vorhaben zum Verbot weiterer gefährlicher Mittel bieten.

Chlorpyrifos: Lösungen?

Es lässt sich ein Spalt in Europa feststellen: Während die südlichen Mitglieder, wie Spanien, Portugal und Italien weiter an der Verwendung des Giftes festhalten wollen, sind vor allem die nördlichen Mitglieder dagegen, wohl auch weil für diese keine wirtschaftlichen Einbußen drohen.

Derartige Verhandlungen sind spannend, da die EU einen Konsens von 65% der Mitgliedsstaaten finden muss, um ein Verbot europaweit durchzusetzen.

Die Bedenken der südlichen Länder sind natürlich aus ihrer Perspektive ernstzunehmen, da der Bedarf an Zitrusfrüchten steigt und der Ernteertrag sich vor allem durch den verstärkt spürbaren Klimawandel verschlechtert und die EU auch bei Genpflanzen sehr restriktiv waltet. Den südlichen Mitgliedern sitzt vor allem die Konkurrenz aus dem Ausland, also Südamerika und Afrika im Nacken.

Lösungsansatz? Auf der anderen Seite kann man die Europäische Union auffordern, mehr Mittel in die Erforschung von umweltfreundlichen und ungefährlichen Pflanzenschutzmitteln zu investieren und dabei auch die nördlichen Mitglieder, die für ein Verbot stimmen, in die Pflicht zu nehmen. Die Europäische Union könnte hier durch eine optimale Solidarisierung der Mitglieder und einer gemeinsamen Herangehensweise an derartige Problematiken optimal funktionieren.

Zusammengefasst geraten früher zugelassene Pestizide, in diesem Fall das 2006 zugelassene Chlorpyrifos immer stärker in das Visier von Lebensmittelbehörden, die alte Zulassungen neu aufrollen und auf den Prüfstand stellen.

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Autor: Alexander Herberstein, Artikelbild Von Roxana Bashyrova / Shutterstock.com
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