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Alternativer Titel: die Freikarte des Sozialamts Chemnitz ist ein Fake!

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Die veränderte Version einer alten Honeypot-Aktion sorgt immer mehr für Irritationen, da sie mittlerweile nicht mehr in ihrem alten Kontext steht und das Originalbild um ein paar wichtige Details beschnitten wurde. Diese Beschneidung macht es für die Betrachter natürlich sehr schwer, den Fake zu erkennen. Dementsprechend  provoziert dieses Bild natürlich auch Kommentare wie „Warum gehen wir eigentlich noch arbeiten?”.

Es handelt sich bei diesem Bild um eine erneute Veröffentlichung des Sozialamt Chemnitz Fakes, einer Abschnittskarte, die angeblich Flüchtlingen ein Smartphone im Wert bis zu 200 € gewährleistet. Diese Fake-Aktion wurde im Februar 2016 erstmals großflächig verteilt, was seinerzeit gezielt gewollt war.

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Der Account, der diese Bilder veröffentlichte, hatte seinerzeit einen Plan: dieses Bild sollte von so vielen Menschen wie möglich geteilt werden. Nicht weil er die Aussage für richtig hielt, sondern weil er alle Verteiler dieses Bildes bloßstellen wollte, bzw. auch tatsächlich im Abgang bloßgestellt hat! Das Problem heute jedoch: ein Teil seiner Aktion geistert immer noch als Screenshot durch Facebook und kann nicht mehr so einfach als Fake enttarnt werden.

Das Originalbild sah vor Jahren einmal so aus:

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Auf diesem Screenshot erkennt man noch das vollständige Ausmaß dieses Fakes. Mittlerweile wurde dieses Bild zugeschnitten und verkleinert, so dass die Elemente, welche deutlich auf den Fake hinweisen, nicht mehr zu sehen sind.

Was alles entfernt wurde:

Bevor wir erneut auf diese Details eingehen muss man deutlich sagen: Abschnittskarten dieser Art existieren nicht! Schon gar nicht mit der Bezeichnung “Freikarte”!

Würde man wirklich von offizieller Stelle irgendetwas dieser Art bewilligt bekommen, würden sie wohl auch eher “Bewilligungsbescheid” heißen und als Brief in A4-Form inkl. persönlicher Anrede und allem Pipapo kommen.

Solche “Freikarten” kennt man dann doch eher vom Zirkus, einem Konzert oder auch von Gesellschaftsspielen …

1. “!!!1!”

Durch diesen kleinen Hinweis wird subtil darauf hingewiesen, dass der Verfasser in einem vorangeschriebenen Satz bewusst und mit voller Absicht falsche Angaben gemacht hat und sich über diese lustig macht – quasi eine ironische Übertreibung.

Ergo wird EinsElf von Internettrollen benutzt, die auch Ausdrücke wie “Drölf” oder “Drölfzig” verwenden, die als fiktive Bezeichnungen irreführen sollen.

Wer diesen “Fachjargon” im Internet noch nicht kennengelernt hat, der läuft natürlich Gefahr, diese Aussagen ernst zu nehmen und genauso so zu reagieren, wie der Verfasser es sich wünscht.

2. Der Datumsstempel der Post

Der Stempel der Post mit dem Datum 17.2.2016 wird hier besonders vorgehoben, indem die vermeintlichen “Freikarten” alles, was wichtig gewesen wäre zu sehen, verdecken.

So wirkt alles sehr arrangiert. Das damals aktuelle Datum zu zeigen, als Beweis, dass es sich hier um eine echte Briefzusendung handeln soll… nun ja.

3. Der Stempelaufdruck “Das Problem heißt Rassismus”

Woher dieser Briefumschlag auch immer stammt: Mit Sicherheit waren in diesem nicht die abgebildeten Karten. Ferner wird hier ein versteckter Hinweis auf das Ziel dieser Aktion gegeben.

4. Das “Begleitschreiben”

Das “Begleitschreiben” soll hier wohl den Anschein erwecken, dass es sich um etwas “Hochoffizielles” handeln würde. Schaut man jedoch genauer hin, kann man auf dem Originalbild noch ein paar Zeilen lesen.

Natürlich wurde diese Information in der neuen Version einfach weggeschnitten, da diese Zeilen verraten würden, dass es sich nicht um ein zu den Karten gehöriges Schriftstück handelt.

Zu lesen ist:

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“…werden die Leistungen an einen Zahlungsempfänger überwiesen, auf Antrag…- Mitglied der Bedarfsgemeinschaft seine eigene Leistungen überwiesen…”

Im unteren Teil erkennt man eine abgeschnitten Zeile. Vervollständigt man diese, dann kann man lesen:

“…in der Regel für sechs Monate bewilligt und”

Diese Zeilen haben wir im Netz gesucht und wir wurden fündig!

Man findet sie auf einem Musterberechnungsbogen der Bundesagentur für Arbeit vor:

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5. Der Strichcode/Barcode

Oh mein Gott, dieser Strichcode, der übrigens in den Versionen, welche mittlerweile im Netz geteilt werden nicht mehr zu sehen ist, lieferte seinerzeit den deutlichsten Hinweis, warum man dieses Bild nicht teilen sollte. Zur Info: So einen Strichcode kann jeder erstellen, der den richtigen Font/die richte Schriftart auf seinem Rechner installiert hat, bzw. gibt es online diverse Dienste, die aus einem Klartext einen Strichcode erstellen.

So dürfte es der Ersteller dieses Bildes damals auch gemacht haben. In der hochauflösenden Originalversion war es kein Problem, diesen vorhandenen Strichcode zu scannen, das Ergebnis: Hinter diesem Strichcode verbirgt sich der Satz: “IHR SEI DUMM” Was eigentlich alles aussagt!

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Aus diesem Grund dürfte genau dieser Code auch entfernt worden sein, er war letztendlich ein erdrückendes Indiz für den Fake.

Honeypot

Und was ist jetzt genau eine anonyme Honeypot-Aktion? Honeypot ist ein englischer Begriff und heißt übersetzt „Honigtopf“. Dieses Bild sollte, wie der Honig die Bienen, viele Menschen ansprechen, die in ihrer Wut und Empörung OHNE zu prüfen dieses Bild teilen.

Und genau das war im Februar 2016 auch der Plan: der Ersteller des Bildes mit dem Profil „Micha Gerlach” hat sich eines kleinen Tricks bedient, welchen Privatprofile auf Facebook auf ihrer eigenen Pinnwand ausführen können. Er hat das Bild ausgetauscht! Er hat seinerzeit gewartet, bis dieses Bild von vielen tausend Menschen und auch Seiten geteilt wurde. Nach gut 18 Stunden hat dieses Bild so viele Verteilungen gehabt, dass er es durch ein anderes Bild ersetzt hat, welchen nun bei all den vielen tausend Menschen und auch Facebookseiten stattdessen zu sehen war:

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Ebenso hat er den Statustext verändert und anstatt der Empörung konnte man folgenden Text lesen, den übrigens ebenfalls alle Verteiler automatisch verteilten:

Was ist den nun los?

IHR WURDET GRAD GANZ GEWALTIG VERARSCHT!

Warum? Besucht einfach dieses Profil!
(Auf den Namen klicken!  Falls es einer
von euch Deppen noch nicht gerafft hat.)

Hoffentlich ist es euch eine Lehre..
Schwachköpfe und Rassisten !!!!einself!

Ob wir Linke sind? Nein!

We are Anonymous.
We are Legion.
We do not forgive.
We do not forget.
Expect us.

‪#‎anonymous‬ ‪#‎chemnitz‬ ‪#‎claußnitz‬ ‪#‎pegida‬ ‪#‎expectus‬
‪#‎nonazis‬ ‪#‎nopegida‬

Der Bearbeitungsverlauf dieses Beitrages offenbart: es handelte sich in der Tat um eine Täuschungsaktion.

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Übrigens …

Da in den Kommentaren zu den aktuellen Verteilungen ja immer wieder ein Beweis gefordert wird, dass diese Karten ein Fake sind: den lieferte der Ersteller direkt mit. Er hat ein zweites Foto mit demselben Motiv, jedoch einer zusätzlichen Botschaft gemacht.

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Ergebnis:

Bei diesen gefälschten “Freikarten” handelt es sich um einen Fake! Hier waren wohl Internettrolle am Werk, die mit einer anonymen Honeypot-Aktion andere Nutzer in die Irre führen wollen und damit auch Hass und Neid säen.

Und diese Freikarten für Mobiltelefone sind nicht die ersten Fakes dieser Art.

Wir berichteten bereits über solche Abrisse, die angeblich vom Sozialamt der Stadt Aachen kommen sollen.

Oder auch die Freikarten für einen Bordellbesuch.

Lasst euch nicht hinters Licht führen! Diese Freikarten sind frei erfunden.

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