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Als wäre die Angst vor Ebola nicht schon genug, verbreitet sich nun auch noch eine weitere Seuche angeblich in Amerika, welche auch reißerisch das „neue AIDS“ genannt wird.

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Dort heisst es:

„Mitten im Kampf gegen Ebola greift nun in den USA eine neue Krankheit um sich, die sich über Raubwanzen überträgt. Über 300.000 Amerikaner sollen sich bereits mit der potenziell tödlichen Infektion angesteckt haben, ohne zum Teil davon zu wissen.“

Zusammenfassend wird folgendes berichtet:

Eine in Mittel- und Südamerika weit verbreitete Raubwanze sticht ihre Opfer nachts in die Augen- und Lippenpartien und scheidet gleichzeitig Kot mit einem gefährlichen Erreger aus. Durch unbewusstes Reiben an der Stichwunde gelangt der Kot in die Wunde und der Erreger verbreitet sich im Körper – das Opfer hat die Krankheit „Chagas“.

Jene soll meistens unbemerkt bleiben, mit harmlosen Symptomen wie Fieber und Müdigkeit, später kommt es zu purpur gefärbten Beulen an den Stichstellen. Zu diesem Zeitpunkt soll es bereits zu spät sein, etwa 30% der Erkrankten sterben, da auch das Herz angegriffen wird.

Die WHO sagt außerdem noch, dass sich die Krankheit nicht nur durch den Wanzenbiss, sondern auch durch Bluttransfusionen, Organtransplantationen und verunreinigte Speisen verbreiten kann.

So weit, so schaurig! Aber was ist genau dran?

Zuerst ist zu sagen, dass sämtliche Artikel auf in- und ausländischen Seiten von seriösen Redaktionen kommen. Jedoch, bevor man nun in Panik verfällt, ist eines zu beachten:

Sämtliche Andeutungen, Vermutungen und Spekulationen sind im Konjunktiv, also der „Möglichkeitsform“ geschrieben!

Es „könnte“, es „sollte“, „möglicherweise“, „es wird vermutet“ … es werden viele Zahlen genannt, aber es handelt sich dabei auch um sehr viel „raten“.

Ausbreitung der sogenannten Triatoma-Wanzen

Hier sehen wir die Ausbreitung der sogenannten Triatoma-Wanzen, wovon es elf verschiedene Spezies gibt, in den USA.

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Bildquelle: cdc.gov

Das CDC (Center for Disease Control and Prevention) beschäftigt sich natürlich auch intensiv mit diesem Thema, immerhin sind Jene dann auch die Ersten, die dann Alarm schlagen müssen, sobald es sich um eine potentiell gefährliche Seuche handelt.

Und was sagt das CDC nun dazu?

Zum Einen, dass es die Wanze schwer hat, sich in modernen Häusern zu verstecken, die nur wenige geeignete Nischen haben, jedoch klammern sie sich gerne mal an Haustiere, somit sollte man Hund und Katze nach einem Spaziergang immer gut untersuchen.

Und zum Anderen, dass eine Infektion von Tier zu Mensch zwar möglich, jedoch als sehr unwahrscheinlich einzustufen ist.

Sogar wenn man von einer infizierten Wanze gestochen wird, ist die Möglichkeit einer Infektion gering. Oftmals zeigt sich auch kurz nach einem Biss eine allergische Reaktion in Form einer Beule nahe der Stichwunde, so dass ein Arzt schnell reagieren kann.

Auch redet die CDC nicht von einer Todesrate von 30%, sondern sagen im Gegenteil, dass 70% aller infizierten Menschen nicht einmal merken, dass sie infiziert sind, und 30% aller Infizierten gesundheitliche Probleme dadurch im Laufe ihres Lebens bekommen könnten.

Fazit:

Ja, es gibt eine tropische Krankheit, welche sich in den USA verbreiten könnte. Das CDC hat bereits Vorkehrungen getroffen, um Ärzte zu schulen, jene Krankheit, „Chagas“, zu erkennen und zu bekämpfen.

Eine seuchenartige Ausbreitung oder gar ein „neues AIDS“ ist von daher sicher nicht zu erwarten.

Quellen:
http://www.cdc.gov/parasites/chagas/gen_info/vectors/
http://www.snopes.com/critters/lurkers/kissingbugs.asp

Autor: Ralf, mimikama.at