Diese „Neuigkeit“ hat in den letzten Tagen im Internet für Verstörung und Verunsicherung gesorgt.

415 Sturmgewehre – Polizei in Berlin rüstet sich für den Bürgerkrieg

-Produktempfehlung: Kaspersky lab-

lautet die reißerische Schlagzeile der Website dpr-online, die im Impressum keinen inhaltlich Verantwortlichen und als „Firmensitz“ das kanadische Vancouver angibt.

Beschäftigt man sich näher mit dem Thema, stößt man relativ schnell auf News for Friends – und dort wird erst recht nachgelegt.

So heißt es dort ebenfalls:

Polizei und Sicherheitsbehörden rüsten sich für Bürgerkrieg in Deutschland.

Müssen sich die Leute also tatsächlich auf einen Bürgerkrieg in Deutschland vorbereiten? Auf jeden Fall wird durch solche Artikel die Angst vehement geschürt.

Es wirft ein trauriges Licht auf das gesellschaftliche Klima in Deutschland, dass derartige Bedrohungsszenarien mit einem Mal in greifbare Nähe gerückt zu sein scheinen. Der „Meinungskrieg“ im Netz zwischen „Rechts“ und Links“ tobt mit einer Heftigkeit, dass man förmlich zu spüren scheint, wie der Funke überspringen könnte.

Was ist dran?

Gott sei Dank ist die Meldung frei erfunden, zumindest, was den „Bürgerkrieg“ angeht.

Wahr ist hingegen, dass Polizei und Bundeswehr aufrüsten, um die Bevölkerung im Fall eines Terroranschlags effektiver schützen zu können.

Es wurde also eine Tatsache zur gezielten Desinformation in einen frei erfundenen Kontext gestellt.

Der eigentliche Gegenstand der Meldung waren die Lieferschwierigkeiten der Produzenten für Waffen, Schutzkleidung und ein speziell ausgerüstetes Fahrzeug, den „Survivor R“.

Die Tatsache, dass derartige Vehikel bereits in Krisengebieten und Bürgerkriegsregionen eingesetzt werden, zieht „News for Friends“ unverfroren heran, um anzudeuten, dass auch in Deutschland ein Bürgerkrieg unmittelbar bevorstehe. Raffiniert wird dies suggeriert, ohne sich vordergründig der Falschaussage schuldig zu machen:

„Worauf sich die Polizei vorbereitet ist offensichtlich. Denn solche schwer gepanzerten Fahrzeuge werden für gewöhnlich nur in Kriegsgebieten eingesetzt.“

Was ist News for Friends eigentlich für eine Webseite?

Die Webseite “News for Friends”, die uns bereits von anderen Themen wie “Chemtrailregen” und “Menschenfleisch in McDonald’s Burgern?” oder “NASA Bestätigt, Dass Die Erde 15 Tage Der Dunkelheit Im November 2017 Erleben Wird (sic!)” bekannt ist, fällt vor allem durch Clickbait-Titel auf.

Wir raten allen Leserinnen und Lesern, mit den Informationen dieser Webseite vorsichtig umzugehen.

Zum einen werden hier dem Nutzer unglaubwürdige Inhalte dargeboten, häufig schlecht übersetzte Texte, die von Werbeeinblendungen dauerhaft überlagert werden.

Zum anderen entsprechen die Artikel von News for Friends definitiv den Kriterien für Fake-News:

  • pseudoredaktionell erstellte Inhalte, die keinen Wahrheitsgehalt haben;
  • Darstellung in Form einer News / Nachrichtenwebseite, die jedoch letztendlich keine ist;
  • einen Inhalt, der ein Verlangen / eine Angst (in diesem Falle nur Verlangen) anspricht;
  • einen Verfasser, dem der Inhalt egal ist. Es geht lediglich darum, Werbung anzuzeigen bzw. Werbelinks wirksam einzubauen.

image

Zudem hat die Seite zwar eine .de Adresse und es gibt auch ein Impressum, aber dieses sagt nichts über den Betreiber aus.

image

Da die Webseite (nicht zu wenig) Werbung schaltet, dürfte hier ein Impressumsverstoß vorliegen. Schaut man nach den registrierten Daten bei DENIC, finden sich zudem unglaubwürdige Daten in Bezug auf den Inhaber.

Offensichtlich ist hier, dass News for Friends nicht vor schäbigster Effekthascherei zurückschreckt, die hart an der Grenze des Erlaubten, mit Sicherheit aber jenseits jeglicher journalistischer Ethik ist.

Wir betonen also nochmals:

Vorsicht beim “Genuss” des Inhalts – auch speziell von oben erwähntem “Bürgerkrieg” – dieser Webseiten.

Ergebnis:

In Deutschland steht KEIN BÜRGERKRIEG bevor.

Das Einsatzfahrzeug sowie der angestrebte höhere Sicherheitsstandard der Ausrüstung dienen dem Schutz von Einsatzkräften und Bevölkerung im Fall eines Terroranschlags.

Den „Informationen“ der oben erwähnten Webseiten ist demnach mit Vorsicht zu begegnen.

Autor: Dagmar K. – mimikama.at

-Mimikama unterstützen-

Weil du diesen Bericht zu Ende gelesen hast…

Kannst du uns bitte einen kleinen Gefallen tun? Mehr Menschen denn je lesen die Artikel von mimikama.at, aber die Werbeerträge sinken rapide. Anders als andere Organisationen haben wir keine “Pay-Wall” eingerichtet, denn wir möchten unsere Inhalte für alle Interessierten so offen wie möglich halten. Der unabhängige Enthüllungsjournalismus von mimikama.at bedeutet jedoch harte Arbeit, er kostet eine Menge Zeit und auch Geld. Aber wir tun es, weil es wichtig und richtig ist, in Zeiten wie diesen Internetnutzer mit transparenten Informationen zu versorgen. Wir hoffen, dass du es schätzt, dass es keine Bezahlschranke gibt: Unserer Auffassung nach ist es demokratischer für Medien, für alle zugänglich zu sein und nicht nur für ein paar wenige, die sich dieses "Gut" leisten können. Durch deine Unterstützung bekommen auch jene einen Zugang zu diesen Informationen, die es sich sonst nicht leisten könnten. Wenn jeder, der unsere Rechercheberichte liest und mag, dabei hilft, diese zu finanzieren, wird es mimikama.at auch weiterhin geben.

Folgende Unterstützungsmöglichkeiten bieten wir an: via PayPal, via Patreon, via Steady