"Brustkrebs-Tumore in 11 Tagen zerstören, ohne Chemo" - ein Faktencheck

„Brustkrebs-Tumore in 11 Tagen zerstören, ohne Chemo“ – ein Faktencheck

Von | 23. Januar 2020, 10:13

Ein Artikel über eine neue Behandlungsmethode für Brustkrebs besagt, dass Tumore in 11 Tagen ohne Chemo zerstört werden können.

Neue Behandlungsmethode für Brustkrebs – das Wichtigste zu Beginn:

  1. Ein Artikel von Unsere Natur behauptet, dass es eine neue Behandlungsmethode für Brustkrebs gibt, die Tumore in 11 Tagen ohne Chemo zerstört.
  2. Die Autoren des Artikels beziehen sich auf eine Studie, die sie aber weder nennen noch verlinken. Details im Artikel sind teilweise falsch.
  3. Die Webseite kann als seriöse Quelle nicht empfohlen werden.

Wir erhielten Anfragen zu einem Artikel, mit der Behauptung, es gäbe eine neue Behandlungsmethode für Brustkrebs, die Tumore in 11 Tagen ohne Chemo zerstört. Dabei erwähnen die Autoren eine Studie, die aber nirgends verlinkt ist:

Screenshot by mimikama.at

Screenshot by mimikama.at

Wissenschaftler in Amsterdam zerstörten Brustkrebs-Tumore in 11 Tagen ohne Chemo!

Der Faktencheck

Im Herbst letzten Jahres erhielten wir sehr viele Anfragen zu Artikeln der Webseite Unsere Natur. Es gibt zwar einige Artikel auf der Webseite, die sogar seriöse Quellen aufweisen, oftmals wird dann aber ein falscher Schluss gezogen. Als seriöse Quelle kann Unsere Natur nicht empfohlen werden. (wir berichteten)

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Aktuelles Top-Thema:

Über dieses Thema haben die Kollegen von Correctiv bereits im April 2019 berichtet. Hier wurde der Artikel durch die Webseite Mutter Natur geteilt. Der Inhalt der beiden Seiten ist identisch.

Correctiv zufolge stützt sich der Artikel auf die sogenannte EPHOS-B-Studie, die in Großbritannien durchgeführt und das erste Mal bei der Europäischen Brustkrebskonferenz im März 2016 in Amsterdam vorgestellt wurde. (siehe Pressemitteilung)

„Die Studie hat gezeigt, dass Frauen mit HER2-positiven Tumoren präoperativ unter Lapatinib und Trastuzumab eine schnellere und umfangreichere Remission haben als mit Trastuzumab alleine“,

so Katrin Mugele, Pressesprecherin der Deutschen Krebsgesellschaft auf Nachfrage von Correctiv. Die Autoren des angefragten Artikels nennen weder den Namen der Studie noch verlinken sie darauf.

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Studie bedarf weiterer Bestätigung
Forscher weisen in der Pressemitteilung der European Cancer Organisation daraufhin, dass die Ergebnisse der Studie weiterer Bestätigung bedarf:

„Diese Ergebnisse zeigen, dass wir einen frühen Hinweis auf eine pathologische Reaktion innerhalb von elf Tagen, in Abwesenheit einer Chemotherapie, bei diesen Patienten auf Kombinationsbehandlung erhalten können. Die meisten bisherigen Studien haben sich erst nach mehrmonatiger Behandlung mit dem pathologischen Ansprechen beschäftigt.

„Diese Ergebnisse bedürfen eindeutig weiterer Bestätigung, aber ich vermute, die Begeisterung darüber, wie schnell die Tumore verschwinden, wird dazu führen, dass mehrere Studien versuchen werden, diese Ergebnisse zu bestätigen.”

Auch hier Nebenwirkungen möglich
Hingegen der Behauptung von Unsere Natur, können auch bei dieser Methode Nebenwirkungen auftreten, wie zum Beispiel Schäden am Herzen, toxische Wirkung im Magen-Darm-Trakt und in der Leber, Hautausschlag und Polyneuropathie. Zudem gilt diese Behandlungsmethode nur für HER2-positiven Brustkrebs – also nicht für alle Frauen mit Brustkrebs.

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Aktuelles Top-Thema:

Die Behandlung wird laut Eva-Maria Grischke, Leiterin des Brustzentrums an der Universitätsklinik Tübingen, in Deutschland bereits in der Praxis eingesetzt.

Die Methode wird bei bereits vorbehandelten Patienten angewandt, wenn Trastuzumab +/- Pertuzumab als doppelte Antikörper-Blockade nicht mehr wirksam ist oder Kadcyla nicht ausreicht.

Kombination zugelassen
Die Aussage von Unserer Natur, dass die Herceptin-Lizenzierung nur für den Einsatz neben der Chemotherapie erlaubt sei und nicht zur Verwendung alleine, ist falsch.

„Herceptin ist auch in Kombination mit einem Aromatasehemmer zugelassen“,

so Grischke, Leiterin des Brustzentrums an der Universitätsklinik Tübingen. Die Europäische Kommission erteilte 2007 die Zulassung für diese Kombination und blockieren die Produktion von Östrogen.

Fazit:

Der Artikel stammt aus dem Jahr 2018.

Einige Teile des Artikels von Unsere Natur über eine neue Behandlungsmethode für Brustkrebs sind falsch. Die Studie, auf die sich der Artikel bezieht, wurde weder erwähnt, noch verlinkt. Zudem bedarf die Studie noch weiterer Bestätigungen und wird in Deutschland unter bestimmten Umständen bereits eingesetzt.

Die Webseite kennen wir bereits aus der Vergangenheit und erhält keine Empfehlung als seriöse Quelle.

Weitere Quellen: Abstract Search – EBCC10
Artikelbild: Shutterstock / Von BigmanKn
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