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Doch woher kommt diese Meldung – und wie wird sie aufgefasst?

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Ersteres ist leicht zu sagen: bei dem Aufruf zum Boykott von Nutella handelt es sich um eine Aussage der französischen Umweltministerin Ségolène Royal.

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(Screenshot: FAZ)

Inhaltlich geht es darum, dass Nutella Palmöl enthalte, für dessen Gewinnung Waldflächen gerodet werden. Die Umweltministerin möchte mit ihrem Boykottaufruf den Ferrerokonzern dahin bewegen, auf Palmöl zu verzichten und stattdessen andere Rohstoffe zu nutzen.

Nutella enthält Palmöl

An der Aussage, Nutella enthalte Palmöl, ist so weit alles richtig. nach eigenen Angaben ist das ein deutlich deklarierter Inhatsstoff:

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(Screenshot: Nutella)

Zu diesem Inhaltsstoff informiert Ferrero auf der eigenen Seite:

Da Ferrero großen Wert auf die Rückverfolgbarkeit dieses Rohstoffes legt, ist das Unternehmen seit 2005 aktives Mitglied des „Round Table on Sustainable Palm Oil“ (RSPO). Der RSPO wurde 2004 zur Förderung der Produktion und Verwendung von nachhaltigem Palmöl gegründet. Seit Ende 2013 wird nutella® weltweit zu 100 Prozent mit als nachhaltig zertifiziertem, segregiertem RSPO-Palmöl produziert. Segregiert heißt, dass das Palmöl komplett zurückverfolgt werden kann, von der Plantage bis zu der Verwendung in der Produktionsstätte. Das Palmöl, das zum Einsatz kommt, stammt dabei aus Malaysia (vor allem von der malaiischen Halbinsel), Papua-Neuguinea und Brasilien. Im November 2013 hat der World Wide Fund for Nature (WWF) in seiner Palm Oil Buyers‘ Scorecard 2013 die Höchstpunktzahl von 12 an Ferrero vergeben.

Dabei nennt Ferrero den WWF als Quelle, welcher 2013 ein Ranking erstellt hat, in dem die Palmölerzeuger eingestuft wurden. Hierbei erlangte Ferrero die Höchstpunktzahl. Das gesamte Ranking ist hier einzusehen:
Manufacturers and processors/traders

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(Screenshot: WWF Ranking)

Was auf den ersten Blick auffällt: die absolute Verbrauchsmenge an Palmöl war 2013 bei Unilever mehr als 10 mal so hoch als bei Ferrero. An dieser Stelle ein einzelnes Produkt zu kritisieren und in den Vordergrund zu stellen, beleuchtet bei Weitem nicht die gesamte Bandbreite der Palmölgewinnung.

So reagiert die Netzgemeinde

Auf Twitter ist der der Begriff “Nutella” in den Trends ganz nach oben gerutscht. Unter dem Aufruf #nutella erkennt man recht deutlich, dass dieser Boykottaufruf eher stark belächelt wird:

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Aussage: kein Fake, aber …

Um den Kreis zu schließen: die Aussage der Ministerin ist echt, auch der “Vorwurf”, dass Palmöl in Nutella enthalten sei. Warum nun ausgerechnet Nutella angeprangert wird, ist jedoch schwer verständlich und wie bei jedem Aufruf zu einem Produktboykott muss der Konsument am Ende entscheiden, welches Produkt er wählt – und welches nicht.

Wer sich nach Alternativen umschauen möchte, findet unter Anderem auf der Seite Utopia eine Auflistung dazu.

Meinung geändert (Update vom 20.06.2015)

Mittlerweile ist die Umweltministerin stark zurückgerudert:

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(Screenshot: Zeit)

Nachdem international sich viele Menschen über die Aussage empörten, bzw. sich darüber lustig gemacht haben und sogar Greenpeace deutlich machte, dass ein Boykott von Nutella nichts an der Palmölproblematik ändere, änderte zumindest Frau Royal ihre offizielle Aussage.