Kritiker fordern „verantwortungsvolleren Umgang mit sozialen Medien“

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In den USA tobt derzeit eine heftige Diskussion um den Einsatz von Social-Media-Portalen durch Polizei- und Strafverfolgungsbehörden. Ausgelöst wurde diese vom Douglas County Sheriffs Department in Colorado, das im Januar das Original-Video einer Body-Kamera auf Facebook gepostet hatte. Betrachter konnten hautnah miterleben, wie ein 29-jähriger Polizist während eines Einsatzes bei einem Schusswechsel getötet wird. Kritiker fordern nun einen „verantwortungsvolleren Umgang mit sozialen Medien“ und bemängeln, dass durch das direkte Online-Stellen auch die Kontrollfunktion traditioneller Medien umgangen wird.

Reichweite versus Glaubwürdigkeit

„Die enorme Reichweite von sozialen Medien stellt für Strafverfolgungsbehörden natürlich eine große Verlockung dar. Wenn die Polizei auf solche Kommunikationskanäle zurückgreift, muss sie sich allerdings auch ihrer Verantwortung bewusst sein“,

zitiert „Phys.org“ den Rechtsexperten David Alan Sklansky, Professor an der Stanford Law School . Dabei gehe es nicht nur darum, die Angehörigen von Einsatzkräften zu schützen, sondern auch um ein Glaubwürdigkeitsproblem.

„Wenn eine Behörde will, dass man ihrem Facebook-Kanal vertraut, muss sie sich dieses Vertrauen zunächst verdienen, indem sie sich sehr genau überlegt, was sie postet“,

betont Sklansky.

„Soziale Medien bieten viel Raum für Spekulationen, Provokationen und verdrehte Interpretationen. Informationen sollten erst dann in den sozialen Netzwerken kommuniziert werden, wenn eine gesicherte Faktenlage vorliegt und einer Veröffentlichung nichts mehr entgegensteht. Dies ist für die Glaubwürdigkeit und das damit in Verbindung stehende Vertrauen der Bevölkerung in die Behörde sehr wichtig“,

erklärt Christina Stark, Fachbereichsleiterin Soziale Medien bei der Landespolizeidirektion Wien, gegenüber pressetext. Zum Fall in den USA fällt sie ein klares Urteil:

„Wir erachten es als pietätlos und respektlos gegenüber dem Opfer und der Angehörigen, derartiges Material in sozialen Medien zu veröffentlichen. Es gibt Grenzen – auch in der virtuellen, ‚anonymen‘ Welt -, die unbedingt eingehalten werden müssen“,

so Stark.

Gefälschte Notrufe in San Antonio

Dass die Behörden das Thema Glaubwürdigkeit bei ihren Aktivitäten auf Facebook und Co sehr genau nehmen sollten, hat ein Fall in San Antonio gezeigt. Dort hatte nämlich das hiesige Police Department eine Werbekampagne in sozialen Medien gestartet, bei der in einem Video angeblich echte Notrufe zu hören waren. Nach Recherchen der lokalen Tageszeitung „Express News“ stellte sich allerdings heraus, dass dies gar nicht den Tatsachen entsprach und einige der Anrufe nachträglich verändert oder sogar gänzlich gefälscht worden waren.

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