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“Wahr oder Lüge?” So beginnt eine Anfrage auf unserer Facebook-Seite. Es handelt sich um den Beitrag mit dem Titel: Wahnsinn: Diese Beeren töten Krebs. Und das schon nach Minuten! Endlich Hoffnung für Millionen!”

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Dieses Thema haben wir bereits schon einmal behandelt. Wir in Lauffeuer verbreitet sich immer wieder die Meldung. dass es angeblich eine Beere gibt, die Krebs innerhalb weniger Minuten abtötet.

So richtig HEFTIG los gegangen ist es, da auch die Seite “HEFTIG” darüber berichtet hat, die ja für ihre “Ich mache dich neugierig” Überschriften und Inhalte bereits bekannt ist.

Man kann es auch “Clickbaiting” oder wie wir es nennen “Überschriftenscheißerei” dazu sagen.

Diese Nachricht schlägt ein wie eine Bombe und sorgt für Hoffnung bei Millionen von Menschen: Wissenschaftler haben offenbar ein natürliches und vor allem hochwirksames Mittel gegen Krebs gefunden.

Sieht man sich geteilte Statusbeiträge auf Facebook an, könnte man meinen, dass hier ein Wundermittel gegen Krebs für den Menschen gefunden wurde. Aber dem ist nicht so.

Es gibt zwar diese Beere, aber diese wurde gemäß den vorliegenden Quellen nicht an erkrankten Menschen getestet, sondern an TIEREN!

Würden Seiten wie HEFTIG zumindest gleich vorweg schreiben: “Wahnsinn: Diese Beeren töten Krebs bei Tieren. Und das schon nach Minuten!” dann haben sie noch immer Ihre reißerische Überschrift, aber sagen gleich aus um was es geht. Aber so was wird ja bei “Clickbaiting*” nicht gewollt.

Wir haben recherchiert. Unsere Ergebnis.


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Brisbane (Australien) Dem QIMR Berghofer Medical Research Institute http://qimrberghofer.edu.au ist es gelungen, Tumore mit dem Wirkstoff EBC-46 zu zerstören.

Ein Wirkstoff aus den Früchten des Blushwood Tree hat Krebszellen langfristig bei 70 Prozent der Versuchstiere abgetötet. Die Pflanze kommt nur in bestimmten Regionen der Atherton Tablelands im tropischen Norden von Queensland vor. Dem QIMR Berghofer Medical Research Institute ist es gelungen, Tumore mit dem Wirkstoff EBC-46 zu zerstören.

Immunreaktion wird ausgelöst

Laut dem leitenden Forscher Glen Boyle führte eine einzelne Injektion direkt in Melanome, so wie in Krebserkrankungen im Kopf, Nacken und Darm bei Tieren in mehr als 70 Prozent der Fälle zu einer langfristigen Zerstörung. Fünf Minuten nach der Injektion kommt es zu einer dunkelroten Verfärbung, die wie eine Quetschung aussieht.

„Rund 24 Stunden später wird der Turmorbereich schwarz. Einige Tage später wird eine Kruste sichtbar. Nach rund eineinhalb Wochen fällt sie ab. Die Haut ist rein und kein Tumor mehr sichtbar“, zeigt sich Boyle von den Erfolgen des Einsatzes der Pflanze überzeugt.

Den Wissenschaftler hat vor allem die Geschwindigkeit dieses Vorgangs überrascht.

Die Experten gehen davon aus, dass das Medikament eine Zellreaktion auslöst, die die Blutversorgung zum Tumor durch ein Öffnen unterbricht. Daher bildet sich am Tumor auch so etwas wie eine Quetschung. Das scheint zu einer Immunreaktion des Körpers zu führen, der dann für eine Reinigung sorgt.

Keine Wirkung bei Metastasen

Boyle zufolge gibt es jedoch keine Hinweise darauf, dass EBC-46 auch für die Behandlung von Krebserkrankungen, die sich bereits in andere Körperteile ausgebreitet haben, geeignet ist. Der Wirkstoff wird von QBiotics zur Behandlung von Tieren und Menschen entwickelt. Das Unternehmen untersucht derzeit, ob diese Pflanzen auch in einer Plantage angebaut werden können.

Also gibt es jetzt Krebsheilung für alle oder nicht?

Jein: Mit diesem Wirkstoff ist zwar unter Umständen ein interessantes und auch sehr wirksames Molekül gefunden worden, bei dem man sich vorstellen kann, diesen nach Marktreife auch gezielt zur Therapie mancher Krebsarten einzusetzen…

…Aber: Zum einen ist da der Punkt der „Marktreife“. Es wäre zu schön um wahr zu sein, wenn es so einfach wäre, dass man einen Wirkstoff entdeckt und kurz danach ein Medikament damit auf den Markt bringen könnte. Zwischen der Entdeckung eines Wirkstoffs und dem fertigen Medikament liegen häufig 10 Jahre und mehr. Es müssen Studien durchgeführt werden um sicherzugehen, dass das Medikament keine oder nur noch geringe Nebenwirkungen hat. Der Wirkstoff muss komplett erforscht und verstanden werden. Warum die Tumore genau bei EBC-46 zerstört werden, ist nämlich auch noch nicht zu 100% geklärt, auch wenn es bereits verschiedene Erklärungsmodelle gibt. Ein Medikament zu früh auf den Markt zu geben und damit eventuell Menschenleben zu gefährden, wäre ein Risiko, dass niemand eingehen will.

…Und: Zum anderen ist dieser Stoff, um den es geht, ist ein sogenannter „Protein Kinase C Aktivator“ (PKC Aktivator). Es setzt einen Vorgang (nämlich besagte PKC) in Gang, der zu dem beobachteten Ergebnis führt. Das Problem ist, dass PKC an sehr vielen wichtigen Vorgängen in unseren Zellen beteiligt ist. Man muss also – vereinfacht gesagt – sehr genau „zielen“, um auch wirklich nur den Tumor zu „treffen“, ansonsten würde es eventuell zu sehr massiven Nebenwirkungen kommen.

Es bleibt also noch sehr viel zu tun. Momentan sind allerdings bereits mehrere große Pharma-Firmen an der Finanzierung der Forschung beteiligt, was durchaus hoffen lässt. Dennoch ist in den nächsten 10 Jahren wohl nicht mit einem fertigen Medikament zu rechnen. Die Ergebnisse der Studie sehen aber durchaus vielversprechend aus.

Was man aber auf keinen Fall tun sollte: Nach Australien fahren, sich einen solchen Baum suchen und die Kerne essen. (Kein Witz: Entsprechende Kommentare und Nachfragen gab es an anderer Stelle dazu schon!). Denn zum einen kam der Wirkstoff bei der Studie in einer sehr reinen Form (ca. 97% Reinheit) zum Einsatz und zum anderen wurde er direkt in den Tumor gespritzt. Versuche, ihn nicht direkt dorthin, sondern einfach subkutan (unter die Haut) zu spritzen, brachten keine Reaktion. Die Kerne zu essen, ist daher erst recht keine Alternative.


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Das würde überhaupt nicht wirken, da durch die Magensäure der Wirkstoff zersetzt würde, bevor er aufgenommen werden könnte. Hinzu kommt, dass der Wirkstoff eventuell selbst Krebs erzeugen kann – ein Grund mehr, sehr gründlich zu forschen, bevor er zum Einsatz kommt!

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“Heftig” schreibt zwar am Ende des Artikels:

Diese Webseite ist weder dazu gedacht noch geeignet, professionelle Beratungen, Untersuchungen, Behandlungen, Diagnosen, etc. durch Ärzte, Apotheker, Psychotherapeuten, Heilpraktiker und/oder andere medizinische Fachleute zu ersetzen, zu ergänzen oder zu widerlegen. Bitte beachten Sie unsere Nutzungsbedingungen.

Aber trotzdem können sie es nicht lassen:

Schicke diese wunderbare Nachricht um die Welt und teile sie mit allen! Es wird für ganz viele Menschen ein Silberstreif am Horizont sein.

*Erklärung Clickbaiting:

Mit Clickbaiting wird eine Praxis in Onlinemedien beschrieben, die bei Blogposts, News und Videos zum Einsatz kommt. Verschiedene Formen von Inhalten werden mit Überschriften versehen, die die Aufmerksamkeit der Nutzer erregen und sie zum Klicken und Teilen der Inhalte via Social Media animieren soll.  Die Überschriften sollen die Nutzer ködern (engl: to bait) und für Interaktion in Form von Klicks sorgen. Die Inhalte, die sich hinter den Überschriften befinden, sind jedoch oft banal, stellen mitunter keinen direkten Mehrwert für Nutzer dar und sind manipulativ, so Kritiker. Quelle: OnPageWiki

Quellen:

„Phase 1 dose-escalation study of EBC-46 given by intratumoral injection to patients with refractory cutaneous and subcutaneous tumors“, Journal of Clinical Oncology, 2015 ASCO Annual Meeting (May 29 – June 2, 2015). Vol 33, No 15_suppl (May 20 Supplement), 2015: TPS2616:
http://hwmaint.meeting.ascopubs.org/cgi/content/abstract/33/15_suppl/TPS2616

„Intra-Lesional Injection of the Novel PKC Activator EBC- 46 Rapidly Ablates Tumors in Mouse Models“, PLOS ONE, October 2014, Volume 9, Issue 10, e108887:
http://www.plosone.org/article/fetchObject.action?uri=info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0108887&representation=PDF