Ich bin zum Oberdaumen gegangen und habe mal so richtig Dampf abgelassen.

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Jetzt kann ich es ja machen, denn meine Zukunft ist quasi gesichert. Arbeiten? In Zukunft nicht mehr notwendig. Warum auch, denn dank Simon Gill sind meine Finanzen endlich gesichert. Ach, du kennst Simon Gill nicht?

Der Simon hat mich am letzten Wochenende mehrfach angeschrieben. Er ist so ’ne Art höherer Bankmitarbeiter bei der NatWest Bank in London. Jeder weiß: Jetzt, wo die Briten die EU verlassen werden, dürfte sich vieles ändern und ich glaube schon, dass Simon Gill ein paar echte Probleme hat, seine Millionen, die er zufällig auf einem verwaisten Konto gefunden hat, an die richtigen Menschen zu bringen.

Deswegen hat Simon mir geschrieben und ich habe beschlossen, Simon zu helfen und einfach mal reich zu werden:

Von Simon Gill,

Mobil: +447452389189

Mein guter Freund, ich bitte Sie dringend um Ihre Aufmerksamkeit für das Ziel meiner E-Mail heute. Ich bin Simon Gill, Senior Relationship Manager bei NatWest Bank. Als Top-Bankmanager entdeckte ich einen Account von PHILLIP HALLMARK (ein Opfer von Ruth Tornado) mit einem Guthaben von GBP 16,9 Millionen Britischen Pfund Sterling. Ich habe relevante Daten für jeden Ausländer, der diesen Fonds ohne weiteres in Anspruch nimmt, weil mein Status als Bankangestellter es mir oder meinen Verwandten nicht erlaubt, diesen Anspruch geltend zu machen. Bitte akzeptieren Sie mein Angebot, den „ausländischen Begünstigten“ zu tragen, und seien Sie versichert, dass die perfekten legalen Überweisungsstrategien in Ihrem Namen auf jedes von Ihnen benannte Bankkonto ohne Verdachtsmomente übertragen werden.

In der Zwischenzeit haben Sie Anspruch auf 40% des Fonds für Ihre Teilnahme und Unterstützung, um diesen großen finanziellen Deal zu verwirklichen. Nach Ihrer Überlegung ersuche ich (Ihren vollständigen Namen, Ihre Kontaktadresse und Ihre direkte Telefonnummer), damit ich den Fonds in Ihrem Namen als Begünstigten neu profilieren kann, um die Zahlungsgenehmigungen für die Überweisungen auf Ihr Bankkonto zu erheben. Bitte senden Sie Ihre Antwort an meine private E-Mail: sgill.02@hotmail.com, für die Privatsphäre aufgrund der sensiblen Details.

Ich danke Ihnen im Vorgriff auf Ihre sofortige Antwort.

Mit freundlichen Grüßen,

Herr Simon Gill
Senior Beziehungsmanager
NatWest Bank London

Natürlich nicht

Nein, Herrn Gill gibt es so nicht. Die ganze Geschichte ist natürlich Unsinn, es handelt sich hierbei um einen lupenreinen Scam, also einen Vorschussbetrug. Dabei treten Kriminelle mit Internet-Nutzer/innen in Kontakt und fordern von ihnen für in Aussicht gestellte Leistungen Vorschusszahlungen. Bei den versprochenen Leistungen kann es sich beispielsweise um ein hohes Erbe, eine Traumwohnung oder eine Gewinnauszahlung handeln. Die Täter/innen nennen zahlreiche Gründe, weshalb weitere Geldzahlungen erforderlich sind. Die in Aussicht gestellte Gegenleistung gibt es dafür nicht.

Am Anfang des Scammings schreiben Kriminelle Internet-Nutzer/innen über soziale Netzwerke oder per E-Mail an. Ebenso ist es möglich, dass sie günstige Produkte oder Wohnungen auf Kleinanzeigenplattformen inserieren. Ihr Ziel ist die Rückmeldung von möglichen Opfern. Damit es zu dieser kommt, stellen sie beispielsweise ein hohes Erbe oder preislich sehr günstige Warenangebote in Aussicht. Eine andere Möglichkeit ist der Beginn einer vermeintlichen Internet-Romanze.

Das Opfer reagiert

Sobald die angeschriebenen Personen eine Reaktion zeigen, haben die Kriminellen ihr erstes Ziel erreicht: Sie wissen, dass es ihr Gegenüber tatsächlich gibt. Damit kein Verdacht aufkommt, erzählen sie etwas über sich und bitten die Adressat/innen, es ihnen gleich zu tun. Es folgt die Bitte nach Übermittlung persönlicher Daten, wie zum Beispiel der eigenen Anschrift, der Bankverbindung oder der Telefonnummer.

Sobald die Täter/innen mehr über ihr mögliches Opfer wissen, verlangen sie eine Geldzahlung ins Ausland. Diese soll meist mittels Bargeldtransferdienstleistern, wie zum Beispiel Western Union oder Moneygram, erfolgen. Der Grund dafür ist einfach: Diese Art der Überweisung ermöglicht es den Kriminellen, das Geld unmittelbar nach dem Transfer entgegenzunehmen. Dazu verlangen sie die Kopie eines Zahlungsbeleges, der sämtliche, für die Geldentgegennahme erforderlichen Informationen beinhaltet.

Gründe für die Geldforderung

Die Täter/innen können – je nach Spielart des Vorschussbetrugs – die erste Geldzahlung damit begründen, dass für die Überweisung des Erbes juristischer Beistand zu bezahlen ist, Interessent/innen eine Kaution für die Wohnungsbesichtigung zahlen müssen oder sie finanzielle Unterstützung für ein Flugticket brauchen, damit sie ihre amouröse Bekanntschaft besuchen können.

Wenn das Opfer die erste Geldzahlung leistet, haben sich die Verbrecher/inenn bereits finanziell bereichert: Die in Aussicht gestellten Gegenleistungen gibt es dafür nicht. Die Kriminellen nennen weitere Gründe, weshalb die Adressat/innen erneut Geld ins Ausland überweisen sollen. Dabei kann es sich beispielsweise um Vertragserichtungsgebühren, Probleme mit dem Zoll oder finanzielle Unterstützung handeln.

Kein Ende in Sicht

Die Kriminellen fordern solange Geldzahlungen, bis ihr Gegenüber erkennt, dass es dafür keine Gegenleistung gibt. Ab diesem Moment tauchen sie unter und sind nicht mehr für ihr Opfer erreichbar. Was bleibt ist verlorenes Geld. Erschwerend kommt hinzu, dass die Täter/innen über persönliche Informationen ihres Opfers verfügen. Sie können diese für Verbrechen unter fremdem Namen nützen.

Scamming grafisch erklärt


Woran Sie Scamming erkennen können.

Was tun Sie im Schadensfall?

Sollten Sie an Scammer/innen geraten sein, brechen Sie umgehend jeden Kontakt mit den Täter/innen ab. Erstatten Sie Strafanzeige bei der Polizei und besprechen mit ihr das Vorgehen, das notwendig ist, damit Sie keinen weiteren Schaden erleiden. Überprüfen Sie in regelmäßigen Abständen – zum Beispiel mithilfe einer Suchmaschine – ob Ihre Daten im Internet veröffentlicht wurden. Ist das der Fall, schreiben Sie die Websitenbetreiber/innen an und ersuchen um Löschung der Einträge.

Das Scamming oder den Vorschussbetrug erkennen Sie daran, dass sich Unbekannte bei Ihnen melden, von Ihnen die Bekanntgabe persönlicher Daten fordern und unter Vorspielung falscher Tatsachen Geldüberweisungen ins Ausland verlangen.

Weiterführende Links:

via Watchlist Internet

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