Zeigen Originalquellen von Behörden gezielte Wettermanipulation?

Von | 30. Juli 2019, 12:25

Wenn man sich durch die Blogs und Seiten von Verschwörungstheoretikern klickt, trifft man zumeist auf dubiose oder gar keine Quellen.

Umso erstaunlicher, dass der Blog von Dagmar Neubronner zum Thema „Wettermanipulation“ auch tatsächlich offizielle, seriöse Quellen nennt.
Doch passen die Quellen auch zu den Behauptungen?

Wahre Ursachen der Klimaprobleme Ich habe Quellen rausgesucht – UNO, EU, US-Verteidigungsministerium und US-Militär -…

Gepostet von Dagmar Neubronner am Sonntag, 28. Juli 2019

Frau Neubronner ist in der Esoterik-Szene nicht unbekannt, 2007 und 2008 hatte sie auch mehrere TV-Auftritte, in denen sich sich für „Homeschooling“ (also Schulunterricht zu Hause) einsetzte, da sie ihre Kinder nicht auf eine Bremer Schule gehen lassen, sie stattdessen daheim nach ihren eigenen Methoden unterrichten wollte.

Im Folgenden werden wir uns die einzelnen Aussagen ihres Beitrages „Gezielte Wettermanipulation“ betrachten und ihre Quellen auswerten.

Dokument 1

Hier wird auf das „Übereinkommen über das Verbot des militärischen oder feindlichen Einsatzes von Techniken zur Veränderung der Umwelt“ vom 10. Dezember 1976 verwiesen. Insbesondere wird dieser Absatz des Übereinkommens herausgestellt:

„Folgende Beispiele zeigen Möglichkeiten auf, welche durch die Benutzung von Umweltmanipulations-Techniken verursacht werden könnten: Erdbeben, Tsunamis, die Unterbrechung der ökologischen Balance einer Region, Änderung der Wettermuster (Wolken, Niederschlagsmenge, Zyklone und Tornados), Änderungen in Klima-Mustern und in Meeresströmungen, Änderungen des Zustandes der Ozonschicht und der Ionosphäre.“

Jenes Übereinkommen, welches auch ENMOD-Konvention genannt wird, ist ein völkerrechtlicher Vertrag, der 1976 von der Abrüstungskommission der Vereinten Nationen ausgearbeitet wurde. Darin verpflichten sich die Länder, in einem militärischen Konflikt keinerlei Waffen zu benutzen, welche die natürlichen Abläufe der Umwelt manipulieren und stören könnten, aber auch die Nutzung der natürlichen Umwelt als Waffe.

Hintergrund dieser Vereinbarung, welche von mittlerweile 77 Nationen unterzeichnet wurde, ist  der Vietnamkrieg mit seinen Umweltfolgen, in dem auch unter strenger Geheimhaltung US-Piloten im Auftrag der CIA und der Air Force die Wolken über Laos und Nordvietnam künstlich mittels Chemikalien abregnen ließen.

Der auf dem Blog herausgestellte Absatz bezieht sich auf mögliche zukünftige Methoden, welche technisch irgendwann möglich sein könnten. Diese werden als Beispiele genannt, um klarer herauszustellen, welche Art der Wettermanipulationen ebenfalls durch dieses Übereinkommen verboten sind.

Es handelt sich also um Beispiele von möglichen, zukünftigen Methoden, die verboten sind, aber nicht um reale, bereits existierende Methoden!
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Dokument 2

Hier wird in dem Blog behauptet, dass es sich um eine „offizielle Studie im Auftrag der US Airforce von 1996“ handele. Diese trägt den Titel „Owning the Weather in 2025„.

Der Blog bezieht sich nur auf die Quellenangaben des Forschungspapiers, ohne auf den eigentlichen Inhalt einzugehen. Jene Quellen beschreiben zumeist Bücher, Artikel und Untersuchungen, welche sich mit den Möglichkeiten der Wettermanipulation auseinander setzen.
Interessanter ist jedoch der Disclaimer der Studie, die recht eindeutig ist. Demnach handelt es sich dabei um Konzepte, Fähigkeiten und Technologien, die aus der Sicht von 1996 bis zum Jahr 2025 nötig sein müssten, also wirklich erst noch entwickelt werden müssten, damit die USA die dominierende Luft- und Raumfahrtkraft bleibt.

Wichtig ist folgender Punkt:

„Die in diesem Bericht geäußerten Ansichten sind die der Autoren und spiegeln nicht die offizielle Politik oder Position der United States Air Force, des Verteidigungsministeriums oder der Regierung der Vereinigten Staaten wider. Alle Ähnlichkeiten mit realen Personen oder Ereignissen, die nicht ausdrücklich zitiert werden, sind unbeabsichtigt und dienen nur der Veranschaulichung.“

Zudem wird betont, dass das Dokument im Schulumfeld des Vertedigungsministeriums eingesetzt werden solle und im Rahmen der akademischen Freiheit der Weiterentwicklung von Konzepten diene.

Es handelt sich also nicht um offizielle Untersuchungen und Konzepte der US Airforce, sondern um Denkanstösse und Ideen der Autoren des Forschungspapieres. Diese machen auch deutlich, dass dies nicht die offizielle Politik oder Position der US Airforce darstellt!

Dokument 3

Hier wird behauptet, dass der ehemalige US-Verteidigungsminister William S. Cohen 1997 in einer Konferenzrede die Anwendung von Umweltkriegstechniken bestätigt habe. Konkret wird jener Absatz herausgestellt:

„Andere sind engagiert in einer Art Ökoterrorismus, mit dem sie aus der Ferne das Klima verändern, Erdbeben erregen und Vulkane zum Ausbruch bringen können durch die Benutzung von elektromagnetischen Wellen.“

Bei dieser Keynote, bei der es um Terrorismus und Massenvernichtungswaffen ging, stellte Senator Dunn dem damaligen Verteidungsminister Cohen einige Fragen, welche in dem Blog auch verlinkt wurden. Um den Zusammenhang des obigen Absatzes zu kennen, sollten wir uns die Frage und die komplette Antwort anschauen.

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Dunn fragte, wie man mit den „Schrecken der letzten Woche in Washington“ (er meint das vermeintliche Giftpaket, welches an den Hauptsitz der jüdischen Serviceorganisation B’nai B’rith geliefert wurde) umgeht und welche Vorbereitungen man treffen könne.
Cohen spezifiziert sich in seiner Antwort auf falsche Bedrohungen, welche nur dazu gedacht sind, Angst in der Bevölkerung auszulösen, aber nicht wirklich vorhanden sind. Der wichtige Teil der Antwort:

„Es gibt beispielsweise einige Berichte, wonach einige Länder versucht haben, so etwas wie ein Ebola-Virus zu konstruieren, und das wäre, gelinde gesagt, ein sehr gefährliches Phänomen. Alvin Toffler hat darüber geschrieben, indem einige Wissenschaftler in ihren Labors versuchten, bestimmte Arten von Krankheitserregern zu entwickeln, die ethnisch spezifisch sind, so dass sie bestimmte ethnische Gruppen und Rassen einfach eliminieren konnten; und andere entwerfen eine Art Technik, eine Art Insekten, die bestimmte Kulturen zerstören können. Andere engagieren sich sogar in einer Art Öko-Terrorismus, bei dem sie das Klima verändern, Erdbeben auslösen und Vulkane durch den Einsatz elektromagnetischer Wellen fernbedienen können.“

Bei dem erwähnten Alvin Toffler handelte es sich um einen Futurologen und Regierungsberater, der 2016 verstarb. Bekannt wurde er durch sein Buch „Der Zukunftsschock – Strategien für die Welt von morgen“ von 1970. Das oben beschriebene Szenario ist also ein futuristisches Beispiel, was vielleicht möglich ist, Cohen verwendet in seiner Antwort die Schriften Tofflers, um zu verdeutlichen, auf was man vorbereitet sein muss.

Cohen beschreibt also keine realen Anwendungen von Umweltkriegstechniken, sondern die Möglichkeiten des Terrorismus, die von einem Futurologen beschrieben wurden!

Dokument 4

Hier bezieht sich der Blog auf Artikel 26 – 30 einer EU-Entschließung von 1999, die das HAARP-Projekt namentlich benennen.
Die Artikel besagen folgendes:

Rechtliche Aspekte militärischer Tätigkeiten

26. fordert die Europäische Union auf, sich dafür einzusetzen, daß auch die neuen sogenannten nichttödlichen Waffensysteme und die Entwicklung neuer Waffenstrategien durch internationale Übereinkommen erfaßt und geregelt werden;

27. hält HAARP (High Frequency Active Auroral Research Project) wegen der weitreichenden Umweltauswirkungen für eine globale Angelegenheit und fordert, die rechtlichen, ökologischen und ethischen Auswirkungen von einem unabhängigen internationalen Organ untersuchen zu lassen, bevor weitere Forschungsarbeiten und Versuche stattfinden; bedauert die wiederholte Weigerung der Regierung der Vereinigten Staaten, einen Vertreter zu der öffentlichen Anhörung oder den folgenden Sitzungen seines zuständigen Ausschusses über die Auswirkungen des Forschungsprogramms über hochfrequente Strahlen (High Frequency Active Auroral Research Project – HAARP), das gegenwärtig in Alaska durchgeführt wird, zu entsenden;

28. fordert die STOA-Lenkungsgruppe (Scientific and Technological Options Assessment) auf, ihre Zustimmung zu geben, daß die wissenschaftlichen und technischen Beweise, die in allen vorliegenden Forschungsergebnissen über HAARP vorliegen, untersucht werden, um die genaue Art und das Gefährdungspotential, das HAARP sowohl für die lokale als auch für die globale Umwelt sowie für die Gesundheit der Menschen generell darstellt, zu ermitteln;

29. fordert die Kommission auf, in Zusammenarbeit mit den Regierungen von Schweden, Finnland, Norwegen und der Russischen Föderation die Auswirkungen des HAARPProgramms auf die arktischen Gebiete Europas unter den Aspekten Umwelt und Gesundheit der Bevölkerung zu untersuchen und dem Parlament über die Ergebnisse zu berichten;

30. fordert vor allem ein internationales Übereinkommen über ein generelles Verbot von Forschungs- und Entwicklungsprojekten – ob militärisch oder zivil -, die die Anwendung der Erkenntnisse auf dem Gebiet chemischer und elektrischer Vorgänge oder von Schallwellen oder anderen Funktionen des menschlichen Gehirns zur Entwicklung von Waffen beinhalten, die jeder beliebigen Form der Manipulation des Menschen Tür und Tor öffnen könnten; dieses Übereinkommen sollte auch ein Verbot aller derzeit bekannten sowie aller erdenklichen Anwendungsmöglichkeiten solcher Systeme umfassen;

Das wirkt nun so, als ob die EU diese Methoden und die Möglichkeiten von HAARP als real ansieht, aber eines hat der Blog nicht beachtet:
Es handelt sich dabei um einen Antrag, der im obigen Wortlaut von einer Frau Rehn Rouva eingereicht wurde! Über Frau Rouva lässt sich, außer ihrer Erwähnung in dem Antrag, nichts im Internet finden, auch nicht, ob dem Antrag in einzelnen Punkten oder im Ganzen zugestimmt wurde. Einzig ihr Antrag wurde angenommen, doch über einen weiteren Verlauf ist nichts bekannt.
Der Antrag sowie „Rehn Rouva“ findet sich nur noch, außer auf den Seiten der EU, auf zahlreichen Seiten, die sich der HAARP-Verschwörungstheorie widmen. Der Blog sieht die HAARP-Technik als reale Bedrohung an, welche bei der Wettermanipulation eine große Rolle spiele.

Wir widersprechen dieser Ansicht:

Es handelt sich dabei nur um einen bei der EU eingereichten Antrag, welcher von der Antragsstellerin so im Wortlaut formuliert wurde, nicht etwa um einen offiziellen EU-Beschluss!

Fazit

Die verlinkten Quellen sind zwar allesamt seriöser Natur, die Beschreibungen des Blogs über den Inhalt und die Aussagen der Artikel hinter den Links sind aber insgesamt irreführend, verkürzend oder falsch.

Artikelbild: Shutterstock / Von Edmund O’Connor
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