Faktencheck: Baufinanzierung mit Chip unter der Haut

Von | 14. Oktober 2019, 14:57

Zu diesem Werbeangebot kamen bei uns einige Anfragen rein, kann das denn sein?

Kann es sein, dass man mit einer Baufinanzierung einen Chip eingepflanzt bekommt, damit man damit dann später sein Haus aufschließen kann?

Ja, das kann sein und ja, das stimmt, auch wenn es eher ein Werbegag ist.

Die Sparda-Bank beschreibt das Implantat folgendermaßen:

„Mit einem Implantat in der Hand ganz einfach Deine Wohnungstür aufschließen? Klingt nach Zukunftsvision. NFC macht es möglich. Die Abkürzung steht für Near Field Communication (dt. Nahfeldkommunikation). Mit dieser bahnbrechenden Technologie können Daten schnell über sehr kurze Distanzen ausgetauscht werden. Schaff Deinen Haustürschlüssel einfach ab. Deine Wohnungstür öffnest Du ab jetzt mit einer einfachen Handbewegung. Neben anderen modernen Türöffnern sticht ein NFC-Implantat deutlich hervor. Es funktioniert unabhängig von einem Smartphone, muss nicht aufgeladen werden und ist sicherer als jeder Fingerabdruckscanner. Und natürlich kannst Du Dein NFC-Implantat weder verlieren noch kann es Dir gestohlen werden. Ein Stück Freiheit wartet auf Dich. Bist Du bereit? Dann nimm Deine Zukunft jetzt in die Hand.“

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Geht das wirklich?

Kurz und knapp: Ja, das geht!

NFC steht für Near-Field Communikation und bedeutet schlicht und ergreifend, dass man sehr nah an den Chip, das Handy oder ein anderes Gerät muss, um Daten auslesen zu können.

Dafür wird bei diesem Angebot ein RFID-Chip benutzt, wie man ihn bei der Kennzeichnung von Tieren benutzt.
Diese Chips sind mit Glas ummantelt und enthalten eine sehr kleine Drahtspirale aus Kupfer, wie man hier sehen kann, diese dient quasi als Antenne.

Bildquelle: Anke Möwe

Mittels eines Lesegerätes kann man den Nummerncode auf dem Chip auslesen.

Chip mit einem Lesegerät, Bildquelle: Anke Möwe

Diese Sender und Empfängerkommunikation braucht allerdings Strom, und Strom hat man in diesem kleinen Chip leider nicht. Das ist auch nicht gewollt, denn man unterscheidet bei RFID-Chips zwischen aktiven und passiven Systemen. Aktiv bedeutet, dass der Chip selber über eine Energieversorgung verfügt (was hier eindeutig nicht der Fall ist).

Wie oben bereits erwähnt, haben passive RFID-Chips keine eigene Energiequelle und müssen daher ihre Energie aus den empfangenen Funkwellen des Lesegerätes ziehen, die sie zum Senden von Daten und Informationen benötigen, daher wird Lesen und Senden bei diesem Chip in einem Schritt durchgeführt.

Und genauso funktioniert das hier mit dem Chip als Haustürschlüssel. Denn mehr ist es nicht.

An der Tür befindet sich ein Lesegerät, was den Chip kurzzeitig mit Strom versorgt und so zu einer Übertragung der Daten führt (in diesem Fall eine lange Nummer), dann kann man sich damit identifizieren.

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Ein Induktionsherd funktioniert ganz ähnlich. Solche Systeme kennt man auch von Armbändern im Schwimmbädern oder Urlauben in Clubs oder auf Kreuzfahrtschiffen. Auch die üblichen Türkarten in Hotels funktionieren so

An sich also keine dumme Sache, es pikt kurz, dann hat man das Ding in der Hand und kann immer seine Tür aufmachen, wenn man die Hand ans Schloss legt.

Aber kann man diese Chips auch orten, per GPS oder so?

Nein, denn das Lesegerät muss sehr nah an einen passiven Chip herangeführt werden, maximal 1 Zentimeter, damit man es auslesen kann, daher ist es auch sehr schwierig, diese Daten zu stehlen.

Kann man diese Chips mit dem Handy auslesen?

Ja, die meisten Smartphones haben eine NFC Schnittstelle, mit der man solche Chips auslesen kann.

Kann man diese Chips aus einer weiteren Entfernung auslesen?

Nein, denn dafür bräuchte man einen aktiven RFID-Chip mit eigener Stromversorgung oder ein so starkes Lesegerät, dass das nicht unauffällig möglich ist.

Fazit

Also hier handelt es sich einfach um eine Werbeaktion der Sparda-Bank-Berlin, die damit hippe und coole Berliner zu einem eher spiessigen Produkt, wie einem Bausparvertrag, bewegen möchten.

Ob das jetzt cool, verrückt oder Sonstiges ist, muss sich jeder selber überlegen, gefährlich und neu ist diese Technologie allerdings nicht.

Autorin: Anke Möwe
Artikelbild: Shutterstock / Anatolir / Microgen

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