Es klingt nach einem Hoax, ist aber keiner: Tatsächlich trieb ein 10 Monate altes Baby mit einem Schwimmreifen einen Kilometer aufs Meer hinaus.

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Entspannten sich die Eltern am Strand? Oder wurde das Kind der Mutter durch die Strömung aus den Armen gerissen, wie andere behaupten?

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So schreibt die Seite „Frauenzimmer“ in einem kurzen Artikel:

Während ihre Eltern am Strand lagen, trieb die zehn Monate alte Melda Ilgın Çanakkale mit einem Schwimmring alleine im Meer! Glücklicherweise wurden Badegäste auf das Kind aufmerksam. Sie versuchten sofort, das Baby zu retten, aber die Strömung an der türkischen Küste war zu stark. Die Küstenwache rettete schließlich Melda, als sie bereits einen Kilometer weit in Richtung der griechischen Insel Lesbos hinausgeströmt worden war.

Sommerloch oder Wahrheit? Ist das so passiert?

Während ihres Strandurlaubs in der türkischen Stadt Küçükkuyu beschlossen die Eltern der kleinen Melda, sie in einen Babyschwimmreifen ins Wasser zu setzen. Während die Eltern abgelenkt waren, trieb ein starker Nordwind das Baby recht schnell aufs Meer. Andere Badebesucher machten die Eltern sofort darauf aufmerksam, jedoch schaffte es keiner der Anwesenden, das Baby zu erreichen, zu schnell trieb es aufs offene Meer hinaus.

Die türkische Küstenwache wurde sofort alarmiert und schaffte es, die kleine Melda einen Kilometer vom Strand entfernt aus dem Wasser zu ziehen. Kurz darauf konnte die erleichterten Eltern ihr Kind wieder in die Arme schließen.

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Bildquelle: BGNNews

Hausgemachte Empörung

Vielleicht habt ihr ja den kleinen Unterschied in der Berichterstattung gemerkt:
Während türkische Nachrichtenagenturen sowie türkische und griechische Medien nur davon schreiben, dass die Eltern kurz abgelenkt waren, schrieb Frauenzimmer, dass die Eltern am Strand lagen. So ein kleiner Unterschied hat eine große Wirkung, wie man in den Kommentaren sehen kann:

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So macht man also aus einer dramatischen Geschichte mit glücklichem Ausgang eine Diskussion über die Unfähigkeit der Eltern.
Man darf den Schwarzen Peter aber nicht alleine Frauenzimmer zuschieben, denn offensichtlich übernahmen sie ihre Meldung von der englischen Boulevardseite „Daily Mail“, welche ebenfalls, abweichend von den Meldungen der Presseagenturen, berichteten, dass die Eltern sich am Strand erholten und das Kind alleine im Wasser ließen. Und dort geht es in den Kommentaren noch schlimmer zu, von Hass auf die Eltern über Lästereien über die Mutter wie „So wie die aussieht, war die bestimmt mit essen beschäftigt“ bis zu „Naja, Türken sind ja eh rückständig, da vergisst man schon mal das Kind“.

Fazit:

Eltern unaufmerksam (es wurde nie gemeldet, dass sie das Kind alleine ließen), Kind treibt aufs Meer hinaus, Kind gerettet.
So etwas liest man normalerweise und vergisst es wenig später wieder. Aber Boulevard-Presse braucht nicht nur interessante Stories, sondern immer auch ein Maß Empörung. Damit die Leser auf Facebook und der Homepage interagieren, sich aufregen und somit den Traffic steigern. Also wird dafür gesorgt, dass die werte Leserschaft sich aufregt. Den vollen Namen nicht vergessen, damit man sich nötigenfalls mit ein wenig Nachforscherei auch direkt bei den Eltern beschweren kann.

Die eigentliche Geschichte war dramatisch genug. Die Hinzudichtung, dass die Eltern sich am Strand erholten, war absolut unnötig. Aber Traffic und Likes sind alles, auch auf Kosten jener Eltern. Traurig.

Autor: Ralf, mimikama.at

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