„Piep piep, kleiner Satellit…“, so beginnt ein Lied aus den 90ern.

-Produktempfehlung: Kaspersky lab-

Und auch im Internet piept es seit Jahren gewaltig, wenn über den geheimnisvollen „Black Knight“ Satellit diskutiert wird. Schwebt da wirklich seit 13.000 Jahren ein außerirdischer Beobachtungssatellit über uns? Wir positionieren unsere Teleskope…

„Black Knight“, zu Deutsch: „Schwarzer Ritter“, so wird jenes Objekt in Kreisen der UFO-Anhänger genannt. Er soll außerirdischen Ursprungs sein und sich bereits seit 13.000 Jahren über unserem Planeten befinden. Natürlich sollte es dann von diesem Objekt auch Fotos geben, oder?
Gibt es auch, hier beispielsweise eines der verbreitetsten Bilder:

clip_image002

Hier noch eines:

clip_image004

Oder hier:

clip_image006

Hier findet sich auch ein kurzes Video dazu:

Wer jetzt aber kein Video sehen mag oder kann, für den haben wir die wichtigsten Sätze aus dem Video hier:

„Februar 1960: Ein unbekanntes Objekt wird in der polaren Erdumlaufbahn gesichtet. Dieser Bereich eignet sich hervorragend, um unseren Planeten zu beobachten. Die zwei Supermächte USA und Sowjetunion haben zu der Zeit noch keine Satelliten in der polaren Erdumlaufbahn. Das Objekt wird bekannt als Black Knight Satellit. Funkstationen empfangen merkwürdige Signale von dem Objekt, die sie nicht übersetzen können. (…) Der Black Knight befindet sich heute immer noch über unseren Köpfen. Was er ist, hängt davon ab, woran du glaubst. Und wie immer bleibt uns die Wahrheit verborgen“.

Die ganze Geschichte

Seit die Sowjetunion 1957 ihren ersten Satelliten in eine Erdumlaufbahn schoss, fragen sich die Menschen, ob nun dadurch der erste große Schritt begangen wurde, um außerirdische Zivilisationen zu entdecken. Doch die Vermutung, dass es Außerirdische gäbe, entstand natürlich schon viel früher. Allerdings haben wir erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts auch die technischen Möglichkeiten dazu, ein wenig genauer zu forschen.

Allerdings gibt es da auch eine Menge Stolpersteine, auf die wir ein wenig eingehen werden. Keine Sorge, wir versuchen es, so einfach wie möglich zu halten, damit man kein Studium der Astrophysik zum Verständnis benötigt, für Interessierte finden sich allerdings hinter den Links einige Zusatzinformationen.

In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts behaupteten einige Amateur-Astronomen, seltsame Signale aus dem Weltall empfangen zu haben. Zwar stellte sich schnell heraus, dass die Signale irdischen Ursprungs waren, doch war eines daran seltsam: Die Signale wiederholten sich nach einigen Sekunden immer wieder. Dies waren aber ebenfalls keine Außerirdischen, die „zurückfunken“, sondern sogenannte „Long Delayed Echoes“ (LDE), quasi Radiowellen, die durch die Erdatmosphäre wieder zurückgeworfen wurden, wie sich Jahrzehnte später herausstellte.

1973 beschloss der Schotte Duncan Lunan, der Sache noch einmal auf den Grund zu gehen, da er hinter den Signalen eine Art Botschaft vermutete. Er maß die Abstände zwischen den Echo-Signalen und fertigte daraufhin eine Art Sternenkarte an. Lunan behauptete, dass er entschlüsselt habe, woher die geheimnisvollen Signale kommen: Von einer Sonde in der Nähe des Mondes, welche seit 13.000 Jahren sich dort befinden solle, geschickt sei sie vom Stern Epsilon Boötis (Izar). Nun ist Lunan kein professioneller Astronom, allerdings ein Science-Fiction Autor. Auch sei nicht unerwähnt, dass bereits drei Jahre später, 1976, Lunan seine Aussagen diesbezüglich widerrufen hat, er selbst die Geschichten über „Black Knight“ für Unsinn hält.

1960 berichteten amerikanische Zeitungen, dass ein ungewöhnliches Objekt in der polaren Erdumlaufbahn entdeckt wurde. Tatsächlich, wie das obige Video richtig beschreibt, hatte keiner der „Supermächte“ damals einen Satelliten in jener Umlaufbahn, so wurde sich erst einmal gegenseitig beschuldigt, mittels dieses Satelliten die andere Nation auszuspionieren.

Und tatsächlich: Wie mittlerweile freigegebene Akten bezeugen, handelte es sich bei dem damals entdeckten Objekt um ein Teil des Spionagesatelliten „Discoverer 8“, von dem sich bereits Teile lösten und der dann im Ganzen im März 1960 endgültig in der Erdatmosphäre verglühte.


Doch was hat es nun genau mit diesen obigen Bildern auf sich? Wurde Lunan vielleicht dazu gezwungen, seine Geschichte zu widerrufen, und ist er der eigentliche Entdecker des „Black Knight“? Sieht man dort alte Fotos der Reste eines Spionagesatelliten oder schwebt jenes ominöse Objekt noch immer dort?

Es schwebt so einiges…

…allerdings nichts, was wir nicht genau erklären können. Sehr prominent ist in diesem Zusammenhang die Shuttle-Mission STS-88. Dieses war die erste Mission zur Internationalen Raumstation ISS, welche am 4. Dezember 1998 vom Launch Complex 39A des Kennedy Space Centers in Florida startete.

Angeblich wurde dort der „Black Knight“ Satellit ebenfalls gesichtet, es existieren auch eine Menge Aufnahmen von „etwas“.

Sieht man sich die weiter oben im Artikel gezeigten Bilder einmal an, so erkennt man ein seltsames Objekt, was in der Erdumlaufbahn, nahe des Orbiters und der neuen und damals noch sehr kleinen ISS schwebt.

Der Amerikanische Weltraumjournalist und Historiker James Oberg, ein Experte für sowohl angebliche Verschwörung, als auch für das russische Weltraumprogramm, hat nach Analyse der Bilder jedoch eine Erklärung: Es handelt sich um eine Isolierverkleidung (Thermal Blanket), welches an der Außenhaut der ISS angebracht werden sollte. Astronaut Jerry Ross ist nämlich ein solches Blanket bei dem Außeneinsatz entglitten, was auch im Mission Transscript Report nachgelesen werden kann.

James Oberg hat zu diesem ganzen Thema eine ausführliche Powerpoint-Präsentation erstellt, welche im PDF-Format hier aufrufbar ist.

Sehr eindeutig ist hierbei der Frame-by-Frame Vergleich der Aufnahmen aus diversen YouTube-Videos mit einer anderen, baugleichen Isolationsdecke:

Courtesy Jim Oberg / Ectoplasm8

 

Man weiß also genau, was da schwebt, und es ist definitiv kein mysteriöser Satellit, sondern ein ziemlich teures Stück Isolation, was eigentlich an der ISS befestigt sein sollte, und welches jetzt offiziell abgeschrieben werden kann.

Nur ein einziger schwarzer Ritter?

Es existieren eine ganze Reihe von Sichtungen, die mit diesem angeblichen Satelliten in Verbindung gebracht werden. Um Martina Redpath vom Armagh Planetarium Nordirland zu zitieren:

Der „Black Knight“ ist ein Wirrwarr von völlig unabhängigen Geschichten; Berichte über ungewöhnliche wissenschaftliche Beobachtungen, Autoren, die grenzwissenschaftliche Ideen propagieren, geheime Spionagesatelliten und Menschen, die Fotos überinterpretieren. Diese Zutaten wurden zerkleinert, zusammengerührt und im Internet zu einem weitläufigen und widersprüchlichen Klecks Mythos gedünstet.

Natürlich darf in diesem Mysterien-Wirrwarr auch Tesla nicht fehlen. Diesem zweifelsohne begabten Physiker und auch genialem Ingenieur wird generell viel mehr zugedichtet, als er wirklich getan, geforscht und entwickelt hat. So soll auch Tesla periodische Signale empfangen haben, die im Nachhinein dann dem „Black Knight“ Satelliten zugeschrieben wurden. Was genau Tesla im Jahre 1899 wirklich empfangen hat, kann man jetzt nicht mehr nachvollziehen, es dürfte aber aller Wahrscheinlichkeit nach ein Pulsar gewesen sein, welche man erst seit 1968 kennt.

Weltraumbilder haben immer Potenzial für Mystisches

Fast alles was „aus dem Weltraum kommt“ und nicht klar erkennbar ist, wurde schon für irgendwelche absurden Theorien verwendet. So erzählte mir erst kürzlich der Schweizer Astronaut Claude Nicollier im Rahmen eines Gesprächs bei einem Vortrag, welcher unter anderem bei zwei Wartungsmissionen zum Hubble-Weltraumteleskop mit dabei war und mit insgesamt 4 Raumflügen den europäischen Rekord an Shuttle-Missionen hält, dass einige von ihm geschossenen Bilder des sogenannten TSS-Experiments im Rahmen von STS-73 ebenfalls in Verschwörungstheoretiker-Kreisen unterwegs seien. Hätte er gewusst, dass dieses Bild solche Wellen schlägt, hätte er es nicht veröffentlicht – er fand das Bild jedoch einfach cool, auch wenn es unscharf war.

Auch durch das Bestreben des menschlichen Gehirns, in unbekannten Formen immer bekannte Formen entdecken zu wollen (Pareidolie) führt dazu, dass es wohl immer solche Vermutungen geben wird. Auch wenn diese minutiös erklärt und aufgeklärt und eindeutigen natürlichen oder technischen Phänomenen zugeordnet werden können, der Mythos wird wohl nie sterben.

Autoren: Ralf und Rüdiger, mimikama.at

Quellen

-Mimikama unterstützen-