Seit gut 6 Jahren behandeln wir Hoaxes, Fakes und Fehldarstellungen im Netz. Oft konnten wir lachen, vielfach konnte man mit uns lachen, hin und wieder wurden die Inhalte auch einfach nur belächelt. Doch mittlerweile stehen wir vor einer neuen Dimension an Reaktionen auf Falschmeldungen.

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Wenn ein Hoax, also dieses niedlich kleine Kuscheltier unter den Falschmeldungen, uns alle auf nette Weise unterhält, dann ist dagegen nichts zu sagen. Wenn Falschmeldungen über weiße Lieferwagen oder angeblichen Drogen an Schulen die Menschen verunsichern, dann ist das schon kritischer und bedarf einer Klarstellung. Wenn Menschengruppe übel mittels Falschmeldungen diffamiert werden, so dass sie letztendlich verfolgt werden, dann ist es wichtig, bestimmte Inhalte zu analysieren.

Doch was kann man am Ende noch machen, wenn Falschmeldungen dazu führen können, dass nervöse Verteidigungsminister mit dem Finger über den roten Knopf streicheln? Hier sind wir am recht weit oberen Ende der Skala angekommen, an der Falschmeldungen globale Konsequenzen haben können.

Die Falschmeldung

Am 20. Dezember 2016 veröffentlichte die Websseite “awdnews” [1] folgende Schlagzeile:

Israeli Defense Minister: If Pakistan send ground troops into Syria on any pretext, we will destroy this country with a nuclear attack
(Israelischer Verteidigungsminister: Wenn Pakistan Bodentruppen in Syrien unter irgendeinem Vorwand sendet, werden wir dieses Land mit einem Atomangriff zerstören)

DAS, liebe Freunde, ist eine Falschmeldung. Diese Meldung stammt von einer Webseite, welche KEIN Impressum trägt (beachte Fake-News Rege 2: “Wer schreibt hier überhaupt? Schaue in das Impressum einer Webseite oder eines Blogs.”). Gleichzeitig bietet der Inhalt dieses dazu gehörigen Artikels keinerlei belastbare Quellen. Der ausschlaggebende Satz an dieser Stelle, welcher ohne jede Angabe seiner Herkunft geschrieben wurde:

As far as we are concerned,that is a threat,if, by misfortune, they arrive in Syria, we will know what to do,we will destroy them with a nuclear attack
(Inhaltlich: Was uns betrifft, das ist nun eine Drohung, wenn sie unglücklicherweise in Syren ankommen [gemeint: pakistanische Truppen], werden wir wissen, was wir tun sollen, wir werden sie mit einem Atomangriff zerstören)

Diese gefälschte Drohung wurde nun in die Welt gesetzt. Keine Quellenangabe, keine Nachweise. Gar nichts.

Die Reaktion

Dennoch kam diese Satz bei dem pakistanischen Verteidigungsminister an und dieser kannte augenscheinlich nicht die einfachsten Schritte zum Hinterfragen von Informationen. Der pakistanische Verteidigungsminister Khawaja Asif veröffentlichte auf Twitter, dass Israel wohl vergesse, dass Pakistan ebenfalls eine Atommacht sei. Dieser Tweet wiederum ist KEIN FAKE und ist die offizielle Reaktion des Verteidigungsministers auf die Falschmeldung:

Na danke, nicht allein, dass Fake-News mittlweile global unser aller Leben bedrohen, noch dazu verfallen Verantwortungsträger dazu, über Twitter diese Art von Androhungen eines nuklearen Vergleiches zu veröffentlichen. Medieninkompetenz lässt grüßen, und uns jagt es die Angst durch alle Knochen. Ein winziger, völlig banaler Artikel einer Webseite ohne Impressum führt zu dem Muskelspiel mit Nuklearwaffen, das muss man sich einfach mal durch den Kopf gehen lassen. Oder vielleicht nicht, denn es übersteigt mein Vernunftverständnis.

Israel hat darauf reagiert (auch auf Twitter … auch auf Twitter!) und schrieb dort, dass dieser Artikel völlig falsch sei und Jaalon diese Aussagen nie getroffen hat. Alles ist frei erfunden:

Diese Aussage sei zwar nun in Pakistan angekommen, ein Sprecher des Verteidigungsministeriums wird in diesem Zusammenhang vielfach zitiert:

„Der Minister hat auf einen gefälschten Bericht geantwortet – keine weitere Reaktion nötig“

Dennoch äußerte ssich der pakistanische Verteidigungsminister kurz darauf, auch wenn es das dumpfe Gefühl im Magen nicht wirklich behebt:

(Unser Atomprogramm ist nur eine Abschreckung, um unsere Freiheit zu schützen. Wir wollen in Frieden sowohl in unserer Region als auch darüber hinaus koexistieren)

Aha, also erst mit Atombomben virtuell werfen, dann nicht zu einem Fehler stehen können und letztendlich zumindest mit kleiner Faust die Androhung aufrechterhalten.

Was nun?

Von postfaktisch zu postapokalyptisch in nur 3-5 Klicks.

Der pakistanische Fernsehjournalist Nusrat Javeed gab ebenfalls zu bedenken, dass das pakistanische Atomprogramm ist zu ernst, um es Twitter-süchtigen Politikern zu überlassen:

Ich muss gestehen, dass diese neuen Konsequenzdimensionen der Falschmeldungen mir Angst bereiten. Es geht schon lange nicht mehr um eine “Ute Christopg” oder einen “Marcel Hohmann”vor denen gewarnt wird, sondern es geht hier um Menschen, die Verantwortung über Massenvernichtungswaffen tragen und recht leichtfertig über dubiose Falschmeldungen beeinflussbar sind und zudem furchteinflößend vorschnell auf Twitter agieren.

Wenn es um den Abschuss eine solchen Waffe, ja gar das Absenden eines solchen Tweets geht, ist “Zuerst denken – dann klicken” wichtiger denn je geworden.

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