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Wenn das Produkt allein nicht überzeugt! Angebliches Wundermittel gegen Gelenkschmerzen, das die Apotheken mangels Rentabilität nicht verkaufen.

-Produktempfehlung: Kaspersky lab-

Was erlauben sich eigentlich unsere Apotheker? Aus reiner Geldgier enthalten sie uns wertvolle und hilfreiche sowie absolut sichere und tausendfach bewährte Naturpräparate vor. Unter anderem sollen sie ein billiges Mittel gegen Gelenkschmerzen verstecken. Folgt man dem Link, der unter anderem auch als “Gesponserter Beitrag” veröffentlicht wurde, kommt man auf eine Seite, auf der eine Art Bundesadler prangt. Daneben steht Bundesgesundheitsministerium, es erweckt den Anschein einer Ministeriumsseite, ist es aber nicht. Das Ministerium wird als „Bundesministerium für Gesundheit“ geführt.

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Außerdem verfügt das Original Ministerium auch über die entsprechende Webseite, die dann allerdings www.bundesgesundheitsministerium.de lautet und uns dann zum Bundesministerium für Gesundheit führt. Verwirrend, ja, aber nicht verwirrender als eine „BBC-Health.info“ Seite, die uns vormacht, uns zum Bundesgesundheitsministerium zu geleiten.

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BBC-Health – englisch…

Die BBC ist in Langform die British Broadcasting Company. Ob die davon wissen, wofür hier ihr Name missbraucht wird? Aber interessant ist, dass eine Webseite mit englischer Bezeichnung uns in Deutschland auf die Seite des deutschen Ministeriums führt. Wer soll das denn bitteschön glauben?

In Österreich führt die Seite übrigens auf das österreichische Pendant das „Bundesministerium für Gesundheit und Frauen“, ansonsten sieht die Seite völlig gleich aus.

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Es sind also länderspezifische Seiten hinterlegt.

Auffällig ist auch, dass lediglich die Überschrift auf Facebook auf Deutsch ist. Darunter geht es in kyrillisch weiter. Also: englischer Webseitenname, kyrillischer Facebook Anzeigetext, deutsche Webseite und entsprechendes Ministerium. Das ist wie eine bunte Tüte Kaubonbons: für jeden was dabei.

Weiter geht es auf der Seite. Es werden zwei Produkte miteinander verglichen. Scheinbar sind beides Schmerzgels. Zumindest das eine dürfte den meisten Lesern durchaus bekannt sein, die Creme in der Dose hingegen weniger, aber das versuchen die Verfasser der Seite ja gerade zu ändern. Müssen sie ja; schließlich klären sie nur auf und retten uns vor den Apothekern, dieser schurkischen Bande.

Nach der Vergleichstabelle wird das beworbene Produkt etwas genauer vorgestellt, es basiert auf Bienenprodukten, dazu später mehr. Es sei das meistverkaufte Medikament zur Gelenkbehandlung. Es sei, je nach Länderseite, entweder an der Universität Innsbruck oder der Universitätsklinik Aachen klinischen Tests unterzogen worden – eine Suche nach dem Produkt im Zusammenhang mit den beiden Universitäten bleibt allerdings erfolglos.

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Anschließend wird die Frage aufgeworfen, was in Deutschland geschehe. (Oder in Österreich auf der für Österreich gebastelten Seite).

Uns wird an dieser Stelle Herr Walter Brandstädter vorgestellt, seines Zeichens der Besitzer einer großen Apothekenkette der Stadt. Um welche Stadt es sich handelt, ist in der österreichischen Variante recht einfach zu ergründen – Wien. In der deutschen hingegen wird es schwer: Die Stadt ist город. Wurde hier kodiert, damit man die Stadt nicht erkennt? Nein, da steht Gorod, russisch für „Stadt“, also vermutlich ein Platzhalter, dem in der deutschen Fassung keine Stadt zugewiesen wurde, oder bei der Zuweisung ist etwas schiefgelaufen.

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Herr Walter Brandstädter ist also der Besitzer einer großen Apothekenkette sowohl in Wien als auch in ..ähh… Stadt. Da gibt es allerdings ein kleines Problem, wirklich nur ein winziges: Es gibt keinen Walter Brandstädter, der eine Apotheke besitzt. Aber davon lassen wir uns ja nicht abschrecken, schließlich wird uns ja ein Bild eines wirklich seriös aussehenden Mannes geboten, das ist bestimmt dieser Brandstädter.

Och Menno, nein ist er nicht, das ist Artis Kampars, seines Zeichens lettischer Politiker und Geschäftsmann.  (Quelle1, Quelle2 )

HA! Geschäftsmann, dann hat er den Brandstädter gesucht, gefunden und befragt und der Kreis schließt sich doch noch!

Leider nein, eine Suche nach Artis Kampars in Verbindung mit dem Produktnamen läuft total ins Leere. Absoluter Fehlschlag *seufz*

Ach egal, irgendwas finden wir, das stimmt.

Hier – da steht:

„Wir haben geben einen wohlverdienten Rheumatologen – Hasso Böcker uns ein Kommentar darüber zu geben.“

Das ist doch wieder etwas, was man verifizieren kann, damit kann man doch arbeiten. Hasso Böcker, herrlich – ein Name, der bestimmt in der Fachwelt für Aufsehen gesorgt hat, eine Koryphäe seines Gebietes, an ihm führt gewiss kein Weg vorbei.

Aber auch hier scheitern wir in den Suchmaschinen – kein Professor Hasso Böcker, kein Rheumatologe Hasso Böcker. Was soll das? Wie kann er etwas über dieses Produkt gesagt haben? Aber wir haben ja sein Bild. Suchen wir das Bild im Internet, haben wir den Hasso – oder eben auch nicht – bereits. 2012 fand eben jenes Bild Anwendung auf der Webseite des „Institut Coeur Paris Centre“ bei dem Eintrag für Dr. Meddane Mohamed. (Quelle)

Es besteht also durchaus die Berechtigung zur Annahme, dass es sich bei dem Herren im weißen Kittel um eben jenen Dr. Mohamed handelt. Mithin kann er schwerlich der herangeführte und ausführlich zitierte Professor Böcker sein. Sollte es sich bei dem Bild auch nicht um Dr. Mohamed handeln, dann handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach dennoch nicht um Prof. Böcker, da das Bild auch auf weiteren Seiten zu finden ist (auf der von Dr. Mohamed eben als erstes). Natürlich kann es sich dabei ebenso um einen Platzhalter handeln, aber im Gegensatz zu dem angeblichen Prof. Böker, den wir nirgends finden können, finden wir den Kardiologen Dr. Meddane Mohamed im Pariser Telefonbuch. (Quelle)

Verfolgt man jetzt die zugrunde liegende Seite, kommt man auf eine Seite, auf der auf Russisch die Entwicklung des Produktes beschrieben wird und wie toll es doch sei. Die Seite selber stellt sich als Teil des „Goltsman Therapy Medical Centre“ aus Tallin dar. (Quelle)

Allerdings kommt man auf die Seite dahinter nur mit einem Kniff: Jeglicher angeklickte Link, der auf der regulären Goltsman Therapy Seite zum Beispiel zu einem weiteren Mitarbeiter führen würde, bringt uns von der vorliegenden „BBC-Health“ Seite nur auf die Bestellseite des Herstellers. Ob es sich bei den Goltsman Therapy Betreibern wirklich um die Betreiber dieser seltsamen Seite handelt, darf zumindest bezweifelt werden.

Jetzt zum Produkt selber: Es ist wie es ausschaut wirklich nicht in deutschen oder österreichischen Apotheken erhältlich, vielleicht kann es aber dort dennoch bezogen werden. Wir haben es nur zunächst nicht in den angesteuerten Online–Apotheken gefunden, aber die Apotheken vor Ort sind ja durchaus flexibel.

Bei dem Produkt handelt es sich um ein Propolis Produkt – Propolis ist ein Bienenharz und hat antioxidative, antimikrobielle, virostatische und die Wundheilung fördernde Wirkung. Es fand im alten Ägypten bereits Anwendung unter anderem auch bei der Einbalsamierung von Mumien, zur Haltbarmachung. In der „Medizin“ – oder besser: in der gesundheitsbezogenen Anwendung – ist Propolis vielseitig einsetzbar, aber das ergibt sich ja irgendwie aus den vorgenannten Eigenschaften. Dass Honig, der ebenfalls einen Teil Propolis enthält, gesund ist, wusste auch der alte Herr Kneipp, der, obwohl strikter Antialkoholiker, dennoch den Met als gesundheitsfördernd empfahl, in Maßen natürlich.

Warum also gibt es keine Propolis Produkte in den österreichischen oder deutschen Apotheken?

Gibt es doch. Nur eben nicht die auf der Webseite bevorzugte Creme. Warum nicht? Vielleicht hat sie in Deutschland und Österreich einfach noch keine Zulassung oder man will mit der Empörung der Gesundheitsbewussten arbeiten und diese mit einer kleinen feinen Verschwörungstheorie zum Kauf der kleinen Dosen bewegen. Dummerweise ist die Bestellseite auf Russisch… Meine Bestellung würde spätestens da scheitern, da ich mir ja gerne durchlesen möchte, was ich wie zu welchen Konditionen bestelle.

Alles in allem eine Seite, die mit erfunden Personen und Zitaten ein Produkt an die Kaufinteressierten bringen möchte. Ob das Produkt letztendlich das hält, was es verspricht, können wir nicht abschließend beurteilen, denn wer sagt denn, dass die angeführten positiven Beurteilungen alle von realen Personen gemacht wurden und nicht aus der gleichen Feder stammen wie die Zitate von Walter Brandstädter und Hasso Böcker?

Ergebnis:

Ein Produkt wird auf Facebook mittels “gesponserten Beiträgen” beworben. Damit dieses Produkt glaubhafter wird, wurden verschiedene Landingpages erstellt. Je nach Land (Deutschland, Österreich,…) wird dem Nutzer eine andere Webseite angezeigt und zwar immer jene des jeweiligen Bundesministeriums. Diese Webseiten wurden jedoch gefälscht und stammen NICHT von den jeweiligen Ministerien. Des weiteren wurden auch Experten genannt, die gar keine sind und bewusst falsch zitiert wurden. Wir sagen nicht direkt „Finger weg“, aber wir sagen: Seid vorsichtig und immer „zuerst denken – dann klicken“.