Die Zeit der Leaks und der Schritt zurück: der Mai 2016 hatte es hinter den Kulissen in sich. Nicht allein das zerbrochene Kartenhaus “Anonymous.Kollektiv” sorgte für Bewegung, sondern auch mehrere Hintergrundinformationen, die alle Zweifel beiseite legen sollten und zudem eine überraschende Information lieferten.

- Sponsorenliebe | Werbung -

”Leaks” sind ja eigentlich nicht so unsere Sache, erst recht nicht, wenn man sie intransparent halten muss. Dieses Kapitel, welches letztendlich sehr tiefe Einblicke liefert, ist gleichzeitig auch der Auslöser, warum wir uns aus der vorderen Front ausgeklinkt haben und von da an lediglich im Informationsaustausch tätig waren.

Und auf einmal lag er uns vor, dieser verheerende Screenshot. Dieser Einblick in die Rollenfiguren der Seite Anonymous.Kollektiv. Wir schreiben den 23. Mai 2016, als uns dieses Bild über einen anonymen Kanal zugesendet wurde:

image

Ok, der Name “Roensch” überrascht nicht wirklich in diesem Kontext. Wesentlich, nein überhaupt überraschend ist das Auftauchen des Namens “Kai Homilius” in diesem Zusammenhang. Homilius ist der Geschäftsführer der COMPACT-Magazin GmbH [1], Inhaber eines eigenen Verlages und kein unbeschriebenes Blatt. Ja es ist sogar exakt DAS Compact Magazin, welches massiv auf der Facebookseite von Anonymous.Kollektiv beworben wird.

Die Sache mit den Leaks…

Leaks schön und gut, das kann ja jeder behaupten. Da unsere Quelle zum Einen eh nicht genannt werden kann, zum Anderen sowieso anonym agiert, brauchten wir zumindest ein kleines Maß an Verifizierung. Sprich: kann unsere Quelle überhaupt diese Art von Informationen wissen?

Nun, sie kann/konnte. Wir haben uns das mehr als umfassend verifizieren lassen. Zunächst an unserer eigenen Facebookseite, um die eigenen Zweifel ausräumen zu können. Toll an dieser Stelle: unser Informant konnte jede Art von Frage schnell und korrekt beantworten. Schlecht an dieser Stelle: Mimikama ist einfach zu klein und zu schwach, um diese Art der Informationen ihrem Inhalt entsprechend verarbeiten zu können. Hinweis: eingeblendeter Name ist ein Pseudonym.

image

An dieser Stelle begann für uns die Suche nach Verbündeten, ja eigentlich mehr nach Paten. Neben dem ursprünglichen Screenshot erreichten uns natürlich noch weitere, welche mittlerweile einen recht hohen Bekanntheitsgrad haben. Aber wir haben zumindest hier beschlossen: das ist zu heiß!

Die Screenshots sollten einerseits an die Polizei gehen, andererseits aber auch öffentlich zur Geltung kommen.

Neue Kontakte

An dieser Stelle wurde es für uns wichtig, neue Kontakte zu bekommen. Ende Mai gab es also viele Telefonate, verschlüsselte Mails, Treffen und auch neue Kooperationen. Durch einen politischen Kontakt in Person von Tobias Huch sollten zudem die Screenshots der Justiz vorgelegt werden. Darüber hinaus haben wir auch Begleiter gefunden, mit denen wir seitdem kooperieren.

Gleichzeitig  kostete uns dieses Gesamtwissen leider auch etwas: wir haben uns zurückgezogen, zumindest was die Berichterstattung anging. Stattdessen unterhielten wir einen neuen, vertrauensvollen Kontakt zu sowohl der Süddeutschen, aber auch VICE. Eine Kooperation, die viele Früchte tragen sollte und bis in den November 2016, also über 5 Monate harte Arbeit an dieser Sache bedeutete.

Die Zukunft?

Uns sollte nun eine lange Zeit bevorstehen, in der wir viel einstecken mussten, aber auch hinter den Kulissen viel verrichten konnten. Eine Zeit voller Kontakte mit Polizei, Verfassungsschutz, zugespielten Infos und medienübergreifenden Kooperationen. Speziell Letzeres ist ein wichtiger Part dieser ganzen Geschichte, denn die Causa „Fake.Anonymous“ zeigt, dass es hier nicht um einen Kuchen gehen wird, den sich irgendein Investigativjournalist alleine einverleiben will, sondern um eine Gruppe an verschiedenen Journalisten aus unterschiedlichen Häusern, die Hand in Hand und unabhängig vom Fame gearbeitet haben.


Weiter im sechsten Teil: das Ende der Facebookseite, der Einbruch der Reichweite und die Kampagne gegen Mimikama

Übersicht

Anonymous.Kollektiv: die ganze Mimikama Geschichte

  • Teil 1: Wie alles begann …
  • Teil 2: Die COMPACT – Rönsch Connection: ein kleiner Exkurs
  • Teil 3: Fake-News & Watchgroups
  • Teil 4: Das Spin-Off Migrantenschreck
  • Teil 5: Die Zeit der Leaks und der Schritt zurück
  • Teil 6: das Ende der Facebookseite, der Einbruch der Reichweite und die Kampagne gegen Mimikama
  • Teil 7: Fronten zwischen Compact und Rönsch
  • Teil 8: Rönsch zieht auf Anonymounews.ru blank
  • Teil 9: Der Fauxpas-GAU
  • Teil 10: Zugangsdaten, Datenbanken und Kundenadressen
  • Teil 11: Das Ende von Migrantenschreck und Rönsch unter Druck
  • Teil 12: Rönsch wird in Budapest festgenommen
  • Teil 13: Überstellung und der Prozess
-Mimikama unterstützen-

Weil du diesen Bericht zu Ende gelesen hast…

Kannst du uns bitte einen kleinen Gefallen tun? Mehr Menschen denn je lesen die Artikel von mimikama.at, aber die Werbeerträge sinken rapide. Anders als andere Organisationen haben wir keine “Pay-Wall” eingerichtet, denn wir möchten unsere Inhalte für alle Interessierten so offen wie möglich halten. Der unabhängige Enthüllungsjournalismus von mimikama.at bedeutet jedoch harte Arbeit, er kostet eine Menge Zeit und auch Geld. Aber wir tun es, weil es wichtig und richtig ist, in Zeiten wie diesen Internetnutzer mit transparenten Informationen zu versorgen. Wir hoffen, dass du es schätzt, dass es keine Bezahlschranke gibt: Unserer Auffassung nach ist es demokratischer für Medien, für alle zugänglich zu sein und nicht nur für ein paar wenige, die sich dieses "Gut" leisten können. Durch deine Unterstützung bekommen auch jene einen Zugang zu diesen Informationen, die es sich sonst nicht leisten könnten. Wenn jeder, der unsere Rechercheberichte liest und mag, dabei hilft, diese zu finanzieren, wird es mimikama.at auch weiterhin geben.

Folgende Unterstützungsmöglichkeiten bieten wir an: via PayPal,via Steady