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Das Ende von Migrantenschreck und Rönsch unter Druck. Die Justiz rückt nach und auf einmal ist der Webshop nicht mehr erreichbar.

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Es dauerte nicht lange, da gab es die nächsten irrationalen Reaktionen und Akte von Seiten Migrantenschreck: nachdem Mitte Dezember erneut ein großer Druck auf den Seitenbetreiber und auch mehrere Informationen über die Hintergründe des Webshops veröffentlicht wurden, reagierte er und änderte die Bankverbindungen des Webshops “Migrantenschreck”. Die Kunden überwiesen somit über einen gewissen Zeitraum (unseres Wissens nach in dem Zeitraum 15.- 21. Dezember 2016) ihre Rechnungen ungewollt an völlig falsche Empfänger.

Dieser Effekt war lediglich temporär und es konnte auch niemand genau wissen, was das Ziel dieser Aktion war und wem es letztendlich dienlich war. Außer dass die Kunden aus diesem Zeitraum nun zwar gezahlt, aber keine Ware bekommen konnten und letztendlich eine Rückzahlung bekamen, da Empfängername und Bankdaten nicht übereinstimmten.

Und dann kamen die Ermittlungen

Seit Anfang Januar hat sich einiges geändert, denn es wurde bekannt, dass die Behörden ermitteln. Migrantenschreck wurde in Österreich zum Offizialdelikt, der Verfassungsschutz ermittelt wegen illegalen Waffenhandels. Die Salzburger Nachrichten schrieben am 13. Januar 2017 dazu [1]:

Der Verfassungsschutz in Österreich ermittelt genauso wie die Berliner Staatsanwaltschaft wegen illegalen Waffenhandels, Verhetzung, Bedrohung und Nötigung gegen den Betreiber der Seite.

Immer häufiger gab es Informationen über Kunden und die Bestellungen und es zeigte sich, dass viele der Kunden gar keine rechtsextreme Gesinnung teilen, sondern aufgrund der propagierten Untergangsstimmung und der angeblich legalen Leichtigkeit des Erwerbs und Besitzes der Waffen dazu neigten, sich ein Migrantenschreckprodukt zu bestellen.

Angst als Motor, der von den eigenen Artikeln aus gefüttert wird. Es ist schon ein selbstlaufendes Geschäftsmodell: mittels dramatisierter und auch frei erfundener Geschichten wird ein Kriegs- und Bedrohungsszenario entworfen. Die daraus resultierende Angst der Besucher wird auch direkt mit einer Heilsbringung angesprochen: Waffen zum Schutz. Zum Schutz vor dem selbsterrichteten Bedrohungsszenario. Da schließt sich der Kreis.

Und es geht weiter!

Am 18. Januar 2017 wurde unter der Adresse “migrantenschreck.com” ein weiterer Webshop mit identischem Inhalt gehostet. Dieser ging jedoch nie richtig an den Start und verließ die Entwicklungsphase gar nicht erst. Man konnte beobachten, dass mit dem Shopsystem “Prestashop” eine weitere parallele Verkaufsplattform installiert werden sollte, die jedoch am selbigen Abend wieder verschwand. Über die Gründe kann man nur mutmaßen, beobachten konnte man jedoch, dass sowohl die Stammseite “migrantenschreck.ru”, als auch die neue .com Webseite einige Tage später so nicht mehr verfügbar waren und stattdessen eine Weiterleitung auf den Webshop des KOPP-Verlages eingebaut wurde.

Diese Weiterleitung war mit der Partner ID “partnerid=1427” ausgestattet. Das bedeutet letztendlich, dass für jeden getätigten Einkauf bei KOPP über diesen Link eine Provision an den Partner mit der Nummer 1427 gezahlt wird. Es wäre durchaus interessant zu wissen, wer bei KOPP mit welchen Daten unter der Partnernummer 1427 geführt wird.

Kurz zuvor fand auch noch bundesweit eine Razzia bei Migrantenschreck-Kunden statt. Am 24. Januar 2017 erfuhr man aus der ZEIT, dass die deutsche Polizei Kunden aus der Datenbank besuchte [1]:

Bei den 29 Verdächtigen wurden nach Aussage der Ermittler diverse der Waffen und die dazu gehörende Munition gefunden. Außerdem wurden Datenträger sichergestellt.

Gemäß den Angaben seien in 11 Bundesländern Haushalte von Verdächtigen durchsucht worden, die Artikel aus dem aus Ungarn betriebenen Webshop gekauft haben.

Wieder überschlägt sich alles!

Razzia, Webshopänderungen und eine Offenbarung auf VK. Am 29. Januar 2017 tauchte diese Konstellation auf der VK-Seite von Anonymous.Kollektiv auf , welche Mario Rönsch zeigt und behauptet, er befinde sich in Russland.

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Ob das wirklich so passt? Es ist mehr als fraglich, ob dieses Foto eine aktuelle Aufnahme darstellt, denn mit dem kurzen Hemdchen dürfte er schon arg frieren, zumindest was die Temperaturen in dem Zeitraum auf für Jalta angeht [2]

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Entfernt!

Seit dem 28, Januar 2017 war nun also der Webshop auf den beiden Migrantenschreck-Seiten nicht mehr sichtbar, seit dem 31. Januar 2017 sind sogar die Domänen nicht mehr aufrufbar, die DNS-Adresse der Servers von migrantenschreck sind nicht mehr vorhanden. Sprich: die Plattformen sind weg.

Das ist der aktuelle Stand. Hierzu noch ein Verweis zu der Ausstrahlung im MDR “Fakt/Exakt Webseite „Migrantenschreck“ offline” vom 01.02.2017.

Anmerkung

In unserem ersten Teil der Geschichte haben wir geschrieben, dass der Anlass für den ganzen Aufwand, ja der Grund, warum wir überhaupt nach den Hintergründen zu Anonymous.Kollektiv geschaut haben, ein Anruf bei uns von einer Person war, die sich im Frühjahr 2015 als ein Tim Staupendahl der Kanzlei rechTEC ausgab. Dieser Anruf war ein Fake!

Mittlerweile wissen wir: Staupendahl hat niemals bei uns angerufen. In einem freundlichen Schriftwechsel am 25. Januar 2017 mit Tim Staupendahl stellte sich recht schnell heraus, dass Staupendahl weder uns anrief, noch überhaupt Kenntnisse über einen Anruf zu uns hatte. Insofern kann man an dieser Stelle mutmaßen, wer den anonymen Anruf in Wirklichkeit getätigt hat und sich als Tim Staupendahl der Kanzlei RechTec ausgab, und je nach Ergebnis im Kopf darf man nun auch ein wenig lachen.

Insofern an dieser Stelle nochmals deutlich: der Anruf, welcher der ursprüngliche Anlass für alles hier war, stammte NICHT von Staupendahl.

Weitere Leseempfehlung:

Vice – Aufstieg und Fall von Migrantenschreck: Unterwegs im rechten Waffensumpf [4]

 


Übersicht

Anonymous.Kollektiv: die ganze Mimikama Geschichte

  • Teil 1: Wie alles begann …
  • Teil 2: Die COMPACT – Rönsch Connection: ein kleiner Exkurs
  • Teil 3: Fake-News & Watchgroups
  • Teil 4: Das Spin-Off Migrantenschreck
  • Teil 5: Die Zeit der Leaks und der Schritt zurück
  • Teil 6: das Ende der Facebookseite, der Einbruch der Reichweite und die Kampagne gegen Mimikama
  • Teil 7: Fronten zwischen Compact und Rönsch
  • Teil 8: Rönsch zieht auf Anonymounews.ru blank
  • Teil 9: Der Fauxpas-GAU
  • Teil 10: Zugangsdaten, Datenbanken und Kundenadressen
  • Teil 11: Das Ende von Migrantenschreck und Rönsch unter Druck