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Momentan sorgt ein Beitrag auf Facebook für Aufsehen, in dem zwei ausländische Frauen der versuchten Kindesentführung beschuldigt werden.

Zu diesem Beitrag erreichten uns auch schon einige Anfragen. Um diesen Beitrag geht es:

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Der Text zu dem Bild:

Diese Missgeburten haben heute in Neumuhl versucht ein kind zu entführen…
Haltet bitte die augen offen!!!!
Dreckspack!!!!

Zusätzlich wird zu dem Vorfall folgender Beitrag geteilt:

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Auch hier der Text im Wortlaut:

Bitte durchlesen!!! Passt Bitte auf eure Kinder auf Sascha und ich haben gerade in Neumühl live mit erlebt wie zwei Bulgaren weiber versucht haben einen zwei jährigen junge aus einem Auto zu klauen war echt heftig was da abging zum Glück sind so viele Passanten zur Hilfe gekommen und haben mit der Mutter des Kindes die Frauen aufgehalten bis die Polizei kam. Sie liefen beide mit leeren Kinderwagen rum. Ganz schlimm!!! Der Vater des Kindes sahs mit im Auto wurde abgelenkt und die andere Frau hat das Kind hinten raus gestohlen. Ich bin noch immer fassungslos!!!!

Folgendes Bild wurde im Zuge dieser Geschichte ebenfalls geteilt:

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Man sieht, dass die Polizei sich mit den Tatverdächtigen befasst.

Dieser Vorfall soll also anscheinend vom Ersteller selbst beobachtet worden sein. Doch das ist per se noch kein Beweis. Es stellen sich also die Fragen:

Was ist an der Geschichte dran? Darf ich den Bericht teilen?

Zur ersten Frage:

Laut unseren Recherchen bei der örtlichen Polizeidienststelle und nach Berichten aus der lokalen Presse (Radio Duisburg), stellte sich der Fall wie folgt dar:

Tatsächlich hatten sich zwei Frauen einem Auto auf einem Parkplatz an der Holtener Straße genähert. Allerdings hatten sie es nicht auf das Kind abgesehen, sondern auf die Einkäufe im Kofferraum. Der Vater sei, da er währenddessen das Kind angeschnallt hat, abgelenkt gewesen. Es gibt außerdem mehrere Hinweise darauf, dass die Frauen keine Bulgarinnen sind. Gegen die Frauen wurde Anzeige wegen versuchten Diebstahls erstattet. Es hat also weder eine versuchte Kindesentführung gegeben, noch wurden die Täter „einfach wieder laufen gelassen“, wie an mehreren Stellen behauptet wird. Sie wurden zwar nicht verhaftet, ein Strafverfahren wird es jedoch selbstverständlich trotzdem geben.

Zur zweiten Frage:

Ein ganz klares NEIN! Warum?

Erstens: Es handelt es sich, wie so oft schon, um eine private Fahndungsmeldung.

Grundsätzlich obliegt es den Behörden, eine Fahndung zu betreiben. Zudem sind, wie auch in dem Foto zu sehen, die Tatverdächtigen der Polizei bereits bekannt. Eine Fahndung ist also unnötig. Mehr Informationen zu privaten Fahndungsaufrufen.

Zweitens: Was der Aufruf allerdings stattdessen bewirkt, ist mehr als erschreckend.

Die Kommentare nehmen Ausmaße an, die nicht mehr annehmbar sind. Rufe nach „Gaskammer“, „Auschwitz“ und andere Formulierungen waren mehrfach in den Kommentaren zu finden. Um es mal salopp zu sagen: Geht gar nicht!

Es wird unverblümt zu Straftaten aufgerufen, und zwar in einem Maße, was durchaus ernst zu nehmen ist. Die Kommentare erfüllen mitunter den Tatbestand der Volksverhetzung. Wer diesen Beitrag also teilt, verbreitet volksverhetzende, rechtsradikale Propaganda, die die Menschenwürde mit Füßen tritt.

Im Laufe unserer Recherche wurde uns zugetragen, dass die Bürgerinitiative „Duisburg gegen Rechts“ bereits gegen den Ersteller des Posts Strafanzeige wegen § 130 StGB (Volksverhetzung) und § 126 StGB (Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten) gestellt hat. Der weitere Verlauf bleibt abzuwarten.

Die Tatsache, dass in Duisburg Neumühl, dem Ort des Geschehens, ein ehemaliges Hospiz als Asylbewerberheim genutzt werden soll, sorgte bereits in der letzten Zeit für negative Stimmung und beängstigend rechtsradikale Tendenzen. Auch in den Kommentaren zu dem Beitrag findet sich ein Bezug zu diesem Sachverhalt.

Hier wird ganz klar eine real stattgefundene Tat hergenommen, mit einer reißerischeren Geschichte versehen und für rechte Propaganda genutzt. Der Effekt ist, dass sich nun dort Kommentare finden, bei denen sich einem fast der Magen umdreht.

Eine Auswahl gefällig?

„Direkt draufschlagen, kele auf schneiden oder im kopf schissen“

„[…] das problem ist die sehen alle gleich aus mann müsste alle organisiert vernichten.“

„[…] Das heißt wir müssen selbst handeln und die dreckigen Ratten kaputt schlagen !“

Es ist traurig, dass man so etwas lesen muss. Und wieder sind es, wie bei der „Organmafia“ (die nicht existiert) Bulgaren oder andere ethnische Gruppen (meist Sinti oder Roma aus slawischen Regionen), die sich seit Jahrhunderten mit Vorurteilen konfrontiert sehen, die sie pauschal der Kindesentführung bezichtigen. Jedoch wurde in eben diesen Jahrhunderten kein einziger Fall wirklich bestätigt.

Wir berichteten über die Problematik im Zusammenhang mit dieser Begebenheit!

Fazit:

Die Behauptung ist unwahr, mit fatalen Folgen. So etwas sollte auf gar keinen Fall geteilt, sondern vielmehr bei Facebook gemeldet werden.

 

Update 19.09.2014 19:46 Uhr:

Auch die WAZ berichtet über diesen Fall:

http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/facebook-geruechte-um-kindesentfuehrung-duisburger-polizei-gibt-entwarnung-id9842851.html

Autor: Rüdiger vom ZDDK-Team

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