Profilviewer gibt es nicht

Angebliche Facebook-Profilviewer und die Fallen dahinter

Von | 9. Oktober 2019, 11:04

Wenn sich Kriminelle auf eines verlassen können, dann ist es die Neugier der Nutzer!

Und da zieht eine Lockmethode schon, seit es Facebook gibt: Wer hat sich wohl mein Profil angeschaut? Die Möglichkeit, dies zu sehen, gab es tatsächlich in anderen sozialen Netzwerken, doch Facebook klammerte dies bewusst aus. Trotzdem hoffen viele Nutzer, durch sogenannte „Profilviewer“ diese Facebook-Einschränkung umgehen zu können.

Doch woher bekommt man die Möglichkeit, sich die Besucher des eigenen Profils anzuschauen? Aus dem Darknet? Auf Ebay? Nein, denn sie werden ganz offen auf Facebook beworben, sogar zumeist von den eigenen Freunden! Na, dann muss es ja seriös sein, oder?

Hier eine kleine Auswahl, wie solche Beiträge auf Facebook aussehen:

Keiner dieser Profilviewer funktioniert, hat jemals funktioniert und wird jemals funktionieren, technisch ist es absolut nicht möglich, die Besucher des eigenen Profils zu sehen!

In welche Fallen kann man tappen?

1. Die Login-Falle

Was gerade in jüngster Zeit immer wieder zu sehen ist: nach einem Klick auf den Link soll man sich nochmals auf Facebook einloggen.
Allerdings befindet man sich nicht auf der echten Facebook-Seite, sondern auf einer nachgebauten Seite, die professionell in großer Zahl im Internet erstellt werden!

Hier sehen wir beispielsweise einen Blogger, der zahlreiche Blogs zu haben scheint:

Ein Blog, der hinter den Profilviewer Versionen steckt

Screenshot: mimikama.at

Anhand der Namen der „Blogs“ kann man schon erkennen, dass da was nicht koscher ist. Tatsächlich nämlich führt jeder „Blog“ mittels Weiterleitung auf eine gefälschte Facebook-Loginseite!

Der angebliche Profilviewer führt auf ein gefälschtes Facebook-Login

Screenshot: mimikama.at

Tipp: Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob ihr auf einer echten Login-Seite seid, gebt einfach Buchstabenchaos ein, beispielsweise E-Mail: [email protected], Passwort: detfgdrtbrx … wenn ich euch trotzdem „einloggen“ könnt, wisst ihr, dass es eine Phishing-Seite ist!

Solltet ihr dort eure echten Daten benutzen, habt ihr ein Problem: Die Kriminellen haben nämlich nun eure Facebook-Logindaten und damit auch vollen Zugriff auf euren Account. Mit diesem können sie dann beispielsweise unter eurem Namen weitere Postings über „Profilviewer“ verfassen und eure Freunde darin markieren.

Übrigens ist dies oft Nutzern passiert, die behaupten, ihr Account sei „gehackt“ worden!
Nein, sie wurden fast nie gehackt, sondern gaben den Kriminellen quasi freiwillig ihre Login-Daten.

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2. Die Gewinnspiel-Datensammler-Falle

Wer nun glaubt, nach Eingabe der Login-Daten vielleicht doch seine Profilbesucher sehen zu können, wird enttäuscht sein.
Oftmals landet man dann aber bei einem dubiosen Gewinnspiel!

Der Profilviewer führt auf ein Gewinnspiel

Screenshot: mimikama.at

Gibt man dort nun auch seine Daten ein, kann man kaum auf einen Gewinn hoffen, darf sich allerdings über jede Menge Spam per E-Mail, Post und Telefon freuen. Wie es einem dann ergehen kann, könnt ihr in diesem Erfahrungsbericht nachlesen.

3. Die Facebook-App-Falle

Glücklicherweise schiebt Facebook dieser Methode mehr und mehr den Riegel vor, doch ganz sicher ist man davor nicht:
Um die Profilbesucher zu sehen, soll man eine bestimmte App innerhalb Facebooks installieren, der man allerdings freizügigen Zugang zum eigenen Profil geben soll. Diese App kann dann unter eurem Namen willkürlich Sachen auf Facebook posten!

Tatsächlich bekommt man oftmals sogar dann eine Liste der angeblichen Profilbesucher, doch ist dies eigentlich nur eine Liste der Freunden, die beispielsweise am Meisten eure Beiträge geliked oder kommentiert haben, nicht die echten Profilbesucher!

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4. Die Bitcoin-Falle

Eine weitere Variante sind dann die augenscheinlich echten Beiträge von Medien, die man dann zu sehen bekommt. Der Prominente XYZ hat eine sensationelle neue Methode entdeckt oder entwickelt, um in kurzer Zeit viel Geld zu verdienen und möchte diese Methode nun allen Nutzern zugänglich machen:

Hier führt der Profilviewer auf eine gefälschte Nachrichtenseite

Screenshot: mimikama.at

Tatsächlich ist aber die im Screenshot gezeigte Seite nicht vom ZDF, auch sind sämtliche Interviews und Aussagen in dem Artikel frei erfunden!
Stattdessen soll man auf windige Bitcoin-Handelsplattformen gelockt werden, bei denen man natürlich erst einmal mindestens 250 € einzahlen muss, das Geld dann aber in den meisten Fällen verloren ist.

Wir haben schon sehr oft über diese Masche berichtet, hier könnt ihr euch die detaillierten Artikel dazu ansehen.

Fazit

Um es nochmal deutlich zu machen: Es gibt keine Möglichkeit, die Besucher des eigenen Profils zu sehen!
Diese Hoffnung wird aber immer wieder von Kriminellen benutzt, um Nutzer mit einem angeblichen „Profilviewer“ in diverse Fallen laufen zu lassen.

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