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Am 7. November erblickte ein Video das Licht auf Facebook, welches ein Re-Upload eines Sendebetrages des WDR darstellt.

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Mimikama: Information

Es handelt sich dabei einen Beitrag aus der “Aktuelle Stunde” des WDR, anmoderiert von Thomas Bug.

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(Screenshot: Facebook)

Der Beitrag berichtet von einem Mitarbeiter des Sozialamts Bocholt, der bei einem Hausbesuch bei einer Flüchtlingsfamilie durch einen Prügelangriff verletzt wurde. Dabei ist ein Familienmitglied gegenüber dem Sozialarbeiter aggressiv geworden, weil er mit seiner Familie aus der Wohnung in dem Asylheim in eine andere Unterkunft ziehen sollte. In diesem Umfang kam es zu dem schweren Angriff.

Der Untertitel zu diesem Re-Upload einer Privatperson lautet:

“Flüchtling schlägt Bocholter jobcenter Mitarbeiter Krankenhausreif”

Bei dem Inhalt des Videos gibt es keine Zweifel. Der WDR ist primär eine vertrauenswürdige Quelle und somit auch nicht anzuzweifeln. Das Video ist in der Mediathek des WDR nicht mehr abrufbar und somit für uns an dieser Stelle nicht möglich, es hier einzubetten. Es handelt sich daher bei Facebook um einen Re-Upload eines Videos aus der der Sendung “Aktuelle Stunde”, das Video ist kein Fake ist.

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So weit, so richtig

Stimmt. Ein wichtiger Fakt ist jedoch bei dem Re-Upload auf Facebook unterschlagen worden: es handelt sich um eine Ausstrahlung vom 26. September 2012. Über diesen Vorfall wurde in ganz Deutschland berichtet, so liest man zum Beispiel auch in der Walsroder Zeitung:

Bocholt (dpa) – Bei einem Hausbesuch ist ein Mitarbeiter des Sozialamts im münsterländischen Bocholt krankenhausreif geprügelt worden. […] Die Familie sei vorher nicht auffällig gewesen, der Vater aus dem Nichts ausgerastet. Der Sozialarbeiter sei so übel zugerichtet gewesen, dass Frau und Bruder ihn erst nicht wiedererkannt hätten.

Warum wurde damals berichtet?

Die Berichterstattung zu dem Übergriff stand im Herbst 2012 in einem wichtigen Kontext: zu dieser Zeit ereigneten sich mehrere brutale Überfälle auf Mitarbeiter  der Jobcenter, von denen sogar am Tag davor einer tödlich endete. Eine 32-jähriger Mitarbeiterin des Jobcenters in Neuss wurde am 25. September 2012 mit einem Messer angegriffen. An den folgenden Tagen wurden immer mehr Angriffe bekannt, einer dieser Angriffe ist jener aus Bocholt. Zur Debatte zu dieser Zeit standen dementsprechend Schutzmaßnahmen für die Mitarbeiter.

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(Screenshot: RP-Online)

In einem Artikel in der RP-Online wir nochmal ausgedrückt, dass viele Mitarbeiter sich Sorgen machen und ebenfalls negative Erfahrungen mit Jobcenter-Kunden gemacht haben.

Das soll nun auch anderen Mitarbeitern angeboten werden, kündigte Hahn an. „Viele Mitarbeiter haben negative Erfahrungen mit Kunden gemacht“, hörte er aus vielen Gesprächen. Sie würden sich Sorgen machen, dass sie Ähnliches erleben könnten wie die tot Kollegin im Jobcenter. „Diese Sorgen und Bedürfnisse nehmen wir ernst.“

In selbigem Artikel wird auch deutlich, dass man Pläne durchsetzen will, um die Mitarbeiter vor weiteren Zugriffen zu schützen.

Falscher zeitlicher Kontext

Das Video, welches nun am 07. November erneut auf Facebook hochgeladen wurde, wird aktuell in einen zeitlich falschen Kontext gesetzt und somit auch in diesem falschen Kontext aufgegriffen. Es hat eine recht hohe Verteilrate und wie man anhand der Kommentare erkennt, sind sich viele der Leser nicht ganz bewusst, dass dieser Vorfall vor über 3 Jahren stattfand.

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(Screenshot: Verteilerangaben zu dem Video)

Man kann nun spekulieren, warum dieses Video nun einen erneuten Upload durch eine Privatperson erhalten hat, jedoch kann man davon ausgehen, dass dieser nicht aufgrund eines “News-Charakters” geschehen ist.

Update:

Das Video ist vom ursprünglichen Uploader entfernt worden.

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