Die Frage, wie schädlich elektromagnetische Wellen von Mobiltelefonen für den menschlichen Körper sind, ist wahrscheinlich genauso alt wie die Geräte selbst.

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Die Diskussionen darüber auch und die Bandbreite der Meinungen gehen dabei von „harmlose Funkwellen“ über alle Abstufungen dazwischen bis zu „krebserregende Handystrahlung“.

Zu diesem höchst strittigen Thema wird aktuell in den Sozialen Medien fleißig ein Video geteilt, auf dem zu sehen sein soll, wie wild umher rennende Ameisen auf ein Mobiltelefon reagieren, wenn es angerufen wird.

Da gibt es in der Tat eine deutliche Reaktion, kaum wird der Anruf angezeigt, ordnen sich die Tiere auf einer kreisförmigen Bahn mit deutlichem Abstand zum Gerät ein. Man kann getrost davon ausgehen, dass sich Ameisen, im Gegensatz zu uns, keinerlei tiefgründige Gedanken über die Schädlichkeit von Funkwellen machen, sondern dass sie körperlichen Beeinträchtigungen oder potentielle Gefahren mit ganz simplen Verhaltensmustern wie Ausweichen oder Weglaufen begegnen.

Kann es da also Zufall sein, dass die Tiere gerade in dem Moment auf Abstand gehen, als das Gerät einen eingehenden Anruf empfängt, also dann, wenn es besonders stark sendet? Und ist das nicht ein empirischer Beweis für die Schädlichkeit von Handystrahlung, so wie es die suggestive Frage zum Video vermitteln möchte?

Nein, ist es nicht, denn Ameisen die im Kreis krabbeln gibt es auch in der Natur und dafür brauchen sie nicht mal einen Grund. Dieses Phänomen nennt sich „Ameisenmühle„, es findet sich vor allem bei tropischen Wanderameisen und ist nichts anderes als eine in sich geschlossene Version der bekannten „Ameisenstraßen“.

Ameisen orientieren sich bei der Futtersuche an den Duftspuren ihrer Artgenossen, je intensiver die sind, desto größer die Neigung ihnen zu folgen und da bei so einer Mühle alle Tiere die selbe Strecke im Kreis laufen, wird die Spur bei jeder Umdrehung intensiver. Ein Teufelskreis, im wahrsten Sinne des Wortes, denn es gibt Berichte darüber, dass die Ameisen sich dabei schon mal zu Tode rennen.

Und dann gibt es noch das Video selbst. Man findet es in der höchsten verfügbaren Auflösung bei Youtube auf dem Profil des Users „ViralVideoLab“, der vermutlich auch der Macher des Clips ist.

Je länger man sich das Video anschaut, desto mehr Ungereimtheiten fallen einem auf. Im Vergleich zu den anderen Ameisen-Filmen sind die Tierchen sehr hektisch unterwegs und nur noch als schwarze, tropfenförmige Schemen zu erkennen. Beine haben sie auch keine, nicht mal im Vollbildmodus, aber das Seltsamste ist, dass sie sich scheinbar mühelos durch Artgenossen hindurch bewegen können und sich zum Teil auch überlagern. Besonders deutlich sieht man das in der Zeitlupe.

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Mein alter Physiklehrer pflegte beim sinnlosen Gedränge und Geschubse in den Schulfluren immer zu sagen „Wo ein Körper ist, kann kein zweiter sein.“ und das gilt auch für Ameisen.

Es gibt schon seit Mitte der 90er-Jahre Computersimulation wie „Gnat Cloud“, mit denen man das Verhalten von Schwärmen auf Umweltreize mathematisch modellieren kann. Mit so einem Programmen kann man die notwendigen Ameisen für so einen Film problemlos erzeugen, das Video dürfte also eine am Computer generierte Spielerei sein.

A Taxonomy and Metaphysics of Mind-Uploading
Quelle: “A Taxonomy and Metaphysics of Mind-Uploading” von Keith Wiley

Diesen Verdacht legen auch die übrigen Videos des Users „ViralVideoLab“ nahe, dann das Basteln von witzig gemachten Fake-Filmchen scheint sein Steckenpferd zu sein. Da sieht man dann Papierflieger, die in der Thermik von Herdplatten endlos ihre Kreise drehen, den SpaceX-Tesla auf der Erdumlaufbahn den Mond passieren, Hummeln, die mit einen Pappbecher wegfliegen und andere Kuriositäten.

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