Skandal! Jetzt hacken sie schon in Vietnam dein Konto! Nicht.

-Produktempfehlung: Kaspersky lab-

Da staunt man nicht schlecht: Mehrere auffällige Loginversuche in den letzten Stunden. Laut einer E-Mail, deren Absender sich als Amazon ausgibt, wurden diese Loginversuche erkannt und daher dein Account gesperrt. Macht aber nix, du kannst ihn ja angeblich ganz leicht wieder entsperren, indem du Amazon gegenüber bestätigst, dass du auch wirklich der Inhaber des Accounts bist.

Damit diese Loginversuche auch schön plausibel wirken, hat man den Standort des „bösen Hackers” mit Vietnam angegeben. Doch Vorsicht: Alles, was du hier siehst und was in der Mail genannt wird, ist Unsinn und frei erfunden! Diese Mail stammt nicht von Amazon, es hat auch keinen Zugriff aus Vietnam gegeben, auch dein Konto ist nicht deaktiviert!

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Der Inhalt dieser Mail wurde so konstruiert, dass die Empfänger dieser Mail verunsichert werden, um sie dazu zu verleiten, über eine eingebaute Klickfläche zu einer vermeintlichen Verifizierung und Kontowiederherstellung zu gehen. Diese Verifizierung ist dann die eigentliche Falle der Mail!

Nach einem Klick auf „Weiter (über den Sicherhheitsserver)” wird man auf eine Webseite geleitet, welche dem Login von Amazon gleicht. Hier werden neben den Logindaten auch Adressdaten sowie Bankdaten abgefragt. Wir warnen daher davor, an dieser Stelle wahrheitsgemäße Angaben zu machen!

Schritt für Schritt: So gehst Du vor, wenn Du Opfer einer Phishing-Attacke wurdest!

Grundsätzlich kann eine Sicherheitssoftware präventiv helfen!

Bei aller Vorsicht kann es dann und wann natürlich trotzdem vorkommen, dass man Opfer einer Phishing-Attacke wurde und seine persönlichen Daten ungewollt Dritten preisgegeben hat. Wichtig ist dann: Nicht in Panik geraten, aber unverzüglich handeln! Damit Du im Fall der Fälle tatsächlich weißt, wie im Ernstfall vorzugehen ist, folgt hier unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung:

1. Nimm unverzüglich Kontakt mit dem Unternehmen auf, für das deine persönlichen Benutzer- oder Login-Daten geklaut wurden. Bitte telefonisch beim Kundendienst um Sperrung Deines Accounts. Speziell bei Banken ist rund um die Uhr eine Sperr-Hotline erreichbar, die genau für solche und ähnliche Fälle existiert. Schildere Deinen Fall und umgehend wird Dein Account bzw. Benutzerbereich mit den alten Login-Daten nicht mehr erreichbar sein.

2. Melde Dich beim Benutzerkonto an und prüfe, ob Du Dich noch einloggen kannst. Ist dies noch möglich, gehe umgehend zu dem Bereich, in dem Du Deine aktuellen Login-Daten ändern kannst. Lege ein neues Passwort fest und ändere, wenn möglich, auch den Benutzernamen und die hinterlegte Kontaktadresse.

3. Kontrolliere umgehend, ob bereits Kontoänderungen oder Transaktionen vorgenommen wurden, denn meist sind Kriminelle sehr schnell. Überprüfe, ob beispielsweise Waren gekauft oder Abbuchungen vorgenommen wurden, für die Du selbst nicht verantwortlich bist. Sollte dies der Fall sein, informiere sofort den Kundenservice des jeweiligen Anbieters.

4. Dokumentiere alle Auffälligkeiten. Fertige Screenshots an, drucke Kontoauszüge und die Phishing-Mail aus bzw. leite die E-Mail an das Unternehmen weiter, in dessen Namen die Internetkriminellen die Phishing-Mail versendet haben.

5. Kontaktiere einen auf Internetbetrug spezialisierten Rechtsanwalt, schildere ihm Deinen Fall und reiche alle Dokumente ein, die mit dem Betrug in Zusammenhang stehen. Du solltest den Anwalt auch dann kontaktieren, wenn du bis dato noch keinen Schaden verzeichnen konntest.

Übrigens gibt es auch beim Phishing Hoffnung, dass gestohlene Gelder, beispielsweise beim Onlinebanking, durch Banken ersetzt werden. Grundlage dafür bildet das Bürgerliche Gesetzbuch. Nach § 675u BGB sind Zahlungsdienstleister verpflichtet, bei nicht autorisierten Zahlungsvorgängen die entwendeten Zahlungsbeträge zu ersetzen. Allerdings gilt dies nur, wenn der Betroffene seiner Sorgfaltspflicht nachgekommen ist. Weitere Informationen zur Rechtsgrundlage im Schadensfall findest Du hier.

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