Emotionale Erpressung

All diese Fotos auf Facebook zeigen echte Menschen mit echten Schicksalen!

Von | 12. September 2019, 11:50

„Ich like mal was, damit es mir wieder gut geht“: Wahre Geschichten auf Facebook!

Hinter jedem verdammten Clickbait auf Facebook steht eine Geschichte, über die viele nicht nachdenken. Nachfolgende Fotos zeigen echte Menschen mit echten Schicksalen. Durch das Clickbaiting werden sie noch Jahre später durch das ganze Netz „getrieben“.

Wir haben in der Vergangenheit schon häufiger über diese Art Clickbait berichtet. Die Fotos werden von fremden Konten gestohlen und mit einer anderen Geschichte neu auf dem Konto der Clickbaiter hochgeladen. Die Forderung nach einem „Amen“ oder den Glückwünschen zum Geburtstag soll der Seite mehr Interaktion und somit mehr Reichweite und Popularität verschaffen.

Solltest Du wieder eines solcher Bilder sehen, dann lass kein „Gefällt mir“ dort. Scroll einfach weiter, ignorier diese und unterstütze keinen Statusbeitrag auf Facebook, die solche Bilder mit erfundenen Geschichten nur dazu nutzen, um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen. Keinem Menschen ist mit einem „Like“ jemals geholfen worden!

Den “Like-Bait” kann man mit einer Art emotionaler Erpressung vergleichen.

Der Leser wird mit Hilfe eines emotionalisierenden Bildes oder Videos dazu getrieben, eine Interaktion (like/teilen/kommentieren) zu hinterlassen. Dazu wird er in die Zwickmühle moralischer oder ethischer Fragen gedrängt:

  • Tippst du etwas, bist du ein herzensguter Mensch und musst dir kein schlechtes Gewissen machen, ignorierst du jedoch den Statusbeitrag, bist du böse und ein Monster und diskriminierst vielleicht sogar Menschen mit einer Behinderung.
  • Interagierst du dann, weil du ja ein lieber, guter, wohlerzogener Mensch bist, bekommt der Statusbeitrag, die Seite oder das Profil mehr Reichweite und wird bekannter.

Warum man eine “gehypte” Seite haben möchte, kann viele Gründe haben, über die man spekulieren kann.

Fall 1: Die Frau ohne Arme und Beine, die in einem Rollstuhl sitzt.

Fake: Auf Facebook meinte man, dass ihre Freunde es nicht glauben werden, dass man Ihr Foto teilen würde, da sie im Rollstuhl sitzt und dies, obwohl sie Geburtstag hat.

Fakt: Zu sehen ist hier Thaise de Souza Guedes. Sie wurde am 24. September 1987 in Maceió, Brasilien geboren und ist seit ihrem 20. Lebensjahr Politikerin. Thaise Guedes erkrankte mit 13 Jahren an einer Meningokokken-Meningitis. Ihr mussten sowohl obere als auch untere Gliedmaßen amputiert werden.

Zur wahren Geschichte

Fall 2: Der kleine Junge ohne Hände und verbundenen Armen

Fake: Angeblich hat der Junge Geburtstag, aber niemand möchte Ihm dazu gratulieren!

Fakt: Zu sehen ist hier Lucas Costa aus Brasilien, der im 2016 9 Jahre alt wurde!  Lucas leidet an einer sehr seltenen Hautkrankheit namens “Epidermolysis bullosa”. Die Behandlung dieser Krankheit ist sehr kostenintensiv.

Zur wahren Geschichte 

Fall 3: Das kleine Mädchen, welches in einem Krankenbett liegt und in die Kamera lächelt.

Fake: Das Mädchen benötigt eine teure Transplantation. Teilt man jedoch das Bild, dann würde sie dafür 1 Dollar bekommen.

Fakt: Auf dem Bild sieht man die 4-jährige Aninha aus Brasilien. Sie braucht zwar eine Transplantation, jedoch eine Stammzellentransplantation, da sie Leukämie hat.

Zur wahren Geschichte 

Fall 4: Das kleine Mädchen mit einem türkisen Nachthemd, welches am Gang eines Krankenhauses steht.

Fake: Laut dem Ersteller betet niemand für dieses arme kleine Mädchen. Liket und teilt man das Bild, dann bedeutet dies so viel wie, als würde man für das Mädchen beten.

Fakt: Dieses Mädchen hat einen Namen. Sie heißt Serafina! Wir sehen hier ein ganz liebes und tapferes Mädchen, welches Serafina heißt. Hinter Ihr steht eine wunderbare Familie. Die damals 22 Monate alte Serafina musste sich im Oktober 2012 im Ann & Robert H. Lurie Children’s Hospital of Chicago einer Herz-Operation unterziehen, da sie ein Loch im Herzen hatte!

Zur wahren Geschichte

Fall 5: Eine Frau mit zwei Krücken und nur einem Bein

Fake: Laut dem Übersetzer steht hier: „Meine Mutter sagt, wenn ich so alt bin, würden sie mir auch gefallen?“ Warum das Tausende Nutzer geteilt haben, ist uns auch ein Rätsel.

Fakt: Es handelt sich hier um Neelam Dhungana. Die einbeinige Tänzerin stammt aus Nepal und wohnt in Kathmandu. Neelam führt als Entertainerin ihre eigene Facebook-Seite, wurde bereits mehrfach interviewt und trat in diversen Fernsehshows auf, wie zum Beispiel beim fünften Bindabasini Music Award.

Zur wahren Geschichte 

Fall 6: Das Mädchen, welches in einem Krankenhaus auf dem Bett sitzt, nur ein Bein hat und in die Kamera lächelt.

Fake: Angeblich habe Ihre Mutter gesagt, dass niemand Ihr Bild teilen würde, da sie Krebs hätte und niemand würde mit „Amen“ kommentieren.

Fakt: Es handelt sich um Tia Leighs aus England. Sie hat eine seltene Erbkrankheit, die sich Neurofibromatose Typ 1 (kurz: NF1) nennt! Diese Krankheit führte dazu, dass ihr rechtes Bein durch eine große Anzahl von Tumoren geschwollen ist. Seit ihrem 7. Lebensjahr wollte Tia das Bein amputieren lassen. Sie fand ihr Bein hässlich und wurde deswegen sogar von anderen Kindern gemobbt.

Zur wahren Geschichte 

Fall 7: Das Mädchen mit dem „blauen“ Auge und den zerrauften Haaren.

Fake: Dieses Bild stellt ein Symbolbild dar und soll dann geteilt werden, wenn man gegen Gewalt an Kindern ist.

Fakt: Bei dem Mädchen handelt es sich um Katie Ann Guttridge. Katie wurde 2011 im Kindergarten von einem anderen Mädchen mit dem Spitznamen “Chucky”, damals 2 Jahre alt, geschlagen und verletzt. Chucky dürfte ein sehr gewaltbereites Kind gewesen sein, denn solche Vorfälle gab es damals immer wieder. Katie Ann schaffte es damit in die Medien in England.

Zur wahren Geschichte 

Fall 8: Das Mädchen, ebenfalls mit zerrauften Haaren und zwei zu geschwollenen Augen

Fake: Auch dieses Bild soll ein Symbolbild darstellen. Man solle das Bild „liken“ und „teilen“, wenn man gegen „Kinderschläger“ ist.

Fakt: Das Mädchen heißt Marina Sabatier. Seit 2012 verbreitet sich das Bild rasant, und das nicht ohne Grund, denn in diesem Jahr wurde ein Prozess gegen die Eltern der kleinen Marina entschieden, der in Frankreich sowohl für Jubel als auch für Kritik sorgte und als „Marina-Affäre“ bekannt wurde.

Zur wahren Geschichte 

Fall 9:  Eine Frau, die auf einem Krankenbett liegend seitlich zu erkennen ist. Aus einem Bein ragen zwei Schläuche hervor.

Fake: Angeblich habe die Patientin eine Krebs Operation vor sich und sie weiß jetzt schon, dass niemand Ihr Bild teilen wird, geschweige dass es Menschen geben wird, die mit „Amen“ kommentieren werden, wo wir wieder bei der oben angeführten emotionalen Erpressung wären.

Fakt: Das Foto stammt aus dem Jahr 2015 und zeigt die Brasilianerin Andressa Urach, die sich einstmals Implantate einsetzen ließ, welche ihr im Jahr 2012 zum zweiten Platz bei der Miss BumBum Wahl in Brasilien verhalfen. Mitte 2014 sollten die Implantate entfernt werden, da die Füllstoffe begannen, Andressas Oberschenkelmuskel zu zersetzen

Zur wahren Geschichte 

Fall 10: Ein kleiner Junge. Sein Körper ist voll mit roten Punkten

Fake: Angeblich habe dieser Junge Krebs und Facebook hat sich entschieden zu helfen. Klickt man auf „Gefällt mir“, dann bezahlt Facebook 2 Dollar. „Kommentiert“ man, dann bezahlt Facebook 4 Dollar  und „Teilt“ man das Bild, dann sogar 8 Dollar.

Fakt: Der kleine Junge heißt Jasper Allen, ist zwei Jahre alt, und musste im Juli 2016 für fünf Tage wegen extrem starker Windpocken ins Krankenhaus.

Zur wahren Geschichte 

Fall 11: Der Junge mit dem Krebsgeschwür

Fake: Nun kommen wir zu dem Bild, das bei uns seit Jahren am meisten angefragt wird. Es ist DAS BILD, welches sich auf Facebook am hartnäckigsten hält. Es handelt sich um das Bild mit dem Jungen und dem Krebsgeschwür, der mittlerweile schon sehr reich sein müsste, denn schenkt man dem Statusbeitrag Glauben, dann müsste Facebook ja schon Millionen für eine Behandlung überwiesen haben.

Fakt: Dieses Baby heißt Samuel und hat weder Krebs, noch spendet Facebook Geld für seine Behandlung. Er wurde in Vietnam geboren, war dort in einem Waisenhaus und wurde von einer amerikanischen Familie aus Kalifornien adoptiert. Samuel litt auch nie an Krebs, sondern diese Geschwulst war ein Blutschwamm, der mit mehreren gesichtschirurgischen Operationen entfernt wurde.  2014 erhielten wir von Mimikama die Möglichkeit, mit der betroffenen Familie ein Exklusiv-Interview zu führen.

Zur wahren Geschichte

Diesen Artikel dürfen wir mit den Worten von Samuels Vater, Mrs. Ettore, beenden, der in seinem Interview sinngemäß sagte:

Hinter jedem Bild steckt eine Geschichte. Vor allem, wenn es um Fotos von kranken Kindern geht, sollte man diese nicht teilen, wenn man diese im Netz vorfindet und diese in einem falschen Kontext wiedergegeben wurden.

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