Verkaufsverbot für Alkohol im Ramadan? Satire!

Von | 29. Mai 2018, 10:32

Ja, man muss schon ein wenig aufpassen, welchen Hintergrund ein Webinhalt hat, den man so liest.

Ein derzeit weit verbreiteter Inhalt ist ein Artikel der Webseite „Berliner-Express”.  Darin heißt es, die Grünen-Politikerin Claudia Roth würde während des Ramadan ein Verkaufsverbot für Alkohol fordern. Dies sei ein „wichtiges Zeichen für die Toleranz“, heißt es weiter. Darauf wird in dem Artikel auch noch eingegangen.

Beim „Berliner-Express” handelt sich um eine recht junge Webseite, die laut Who-Is-Angabe erst am 23. Mai 2018 registriert wurde. Eine frühe, recht bekannte Verbreiterin des Artikels war die rechte Influencerin Erika Steinbach, deren Kommentar im ersten Moment offen lässt, ob sie den Artikel überhaupt verstanden hat.

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Faktencheck bei unbekannten Inhalten



Was man bei unbekannten Inhalten bzw. Webseiten immer machen sollte: Prüfen, wer da schreibt, warum ein Inhalt dort steht und warum er wie geschrieben wurde. Im Fall vom „Berliner-Express” ist das recht einfach. Das Wichtigste ist, dass man überhaupt auf die Idee kommt, einen Faktencheck durchzuführen.

Die überspitzte Darstellung eines Inhaltes unter Auslassung von weiterführenden Erklärungen sollte ein erstes Alarmsignal sein. Viel Meinung, wenig Inhalt, eine kaum belastbare Quelle (wenn überhaupt vorhanden), sowie stark verkürzte und nahezu auf Schlagzeilen komprimierte Darstellungen sollten dazu führen, dass man wenigstens mal überlegt, was es mit einem Text auf sich hat.

Hier ist Satire Programm!

Schaue in das Impressum einer Webseite oder eines Blogs. Hast Du es mit transparenten und seriösen Angaben zu tun – oder eher mit einer wahllosen und nicht nachvollziehbaren Postfachadresse in Mittelamerika? Oder ist vielleicht sogar gar kein Impressum vorhanden? Auch nicht vorhandene Ansprechpartner sind eher kritisch einzuordnen. Gibt es ein „About me/Über uns”? Solche Angaben sind oft sehr hilfreich. Bei der Webseite „Berliner-Express” gibt es einen Teil, der sie selbst beschreibt.

Hier erfährt man, dass es sich bei der Webseite um ein Satireangebot handelt, das sich nach eigenen Angaben neben dem Postillon und der Tagespresse etablieren will. Ferner haben die Betreiber – analog zu den Kürzeln von Presseagenturen wie (dpa) – ihr eigenes Kürzel geschaffen, mit dem die Artikel eingeleitet werden. Es handelt sich um das Kürzel (fna), das für „Fake News Agency“ steht.

Lediglich das Impressum der Webseite gestaltet sich ein wenig intransparent. Man findet eine Herausgeberadresse auf den Seychellen, und die Redaktion sitzt laut Impressum auf den Philippinen.

Und Erika?

Erika Steinbach hat das mittlerweile auch bemerkt und daher den ursprünglichen Kommentar auf Facebook bearbeitet. Mittlerweile befindet sich das Wort „Satire” in der Statusmeldung.

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Übrigens: Mit Erschrecken musste ich heute feststellen, dass mein Twitter-Account von Erika Steinbach blockiert wurde. Dabei war ich sogar einer ihrer Follower, um die neuesten Fakes immer direkt sehen zu können.

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