Mittlerweile kennen viele Internetnutzer bereits die Funktionen der Bildersuche in Suchmaschinen. Das ist gut so, und das begrüßen wir auch, denn mit Hilfe dieser Suche lassen sich so manch erstaunliche Ergebnisse finden.

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Wer sich bei der Bildersuche noch nicht so ganz sicher fühlt, bzw. diese noch gar nicht kennt, bekommt hier nochmals einen Einblick in die einzelnen Schritte, sowie auch in die Bewertung der Ergebnisse.

Daher zunächst nochmals methodisch zur Erinnerung: Bildercheck

Verrückte Situationen mit harten Bildern: gehört das Bild zu einer Geschichte oder gar die Geschichte zu einem Bild? Sehr verbreitet ist der “Hybrid-Fake”, bei dem entweder das Bild eine reale Situation zeigt, der dazu gehörige Text  jedoch falsch ist, oder aber ein Textinhalt korrekt ist, jedoch bildlich falsch in Szene gesetzt wird. Hier hilft eine Rückwärtssuche für Bilder:

Tipp für Fortgeschrittene: Rückwärtssuchen über Google oder TinEye Reverse Image Search werfen zuweilen kein Ergebnis aus, weil sie ein Bild nicht kennen oder gar nicht im Index aufgenommen haben. Hier kann die Bildersuche über Yandex erstaunliche Ergebnisse zuweilen liefern.

Bildersuche anhand eines konkreten Beispiels

Zu dem folgenden Bild gibt es aktuell die Beschreibung, dass dieses Kind von algerischen Migranten in Malmö vergewaltigt und geschlagen worden sei.

Raped and spanked by algerian migrants in malmo
Share because facebook will block

Kurz noch die Anmerkung, dass es sich bei Malmö um eine schwedische Gemeinde handelt. Wir behalten hier im Hinterkopf, dass es sich im Falle einer Falschmeldung zudem um Schwedenbashing handeln könne.

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Es gibt nun verschiedene Wege, dieses Bild in die Suchmaschine zu setzen. Hier sind drei Möglichkeiten:

Drag & Drop

Dafür sind im Vorfeld 2 Browserfenster, bzw. besser 2 Browsertabs notwendig. In dem einen befindet sich das Bild, in dem anderen die Suchmaschine (beispielsweise Google Bildersuche). Man klickt das gewünschte Bild mit der linken maustaste an und hält die Maustaste gedrückt. Nun fährt man mit dem Mauszeiger und weiterhin gedrückter Maustaste auf den Reiter für das Suchmaschinenfenster. Dieses wird durch das reine Führen des Mauszeigers mit gedrückter Maustaste aktiviert. Nun fährt man mit dem Mauszeiger auf das Suchfeld und lässt dort die linke Maustaste erst los. Man hat quasi das Bild mit der Maus in das Suchfeld geworfen.

Upload

Eine zweite Variante stellt ein temporärer Download dar. Man speichert kurz das gewünschte Bild auf der Festplatte ab,wechselt in die Suchmaschine (beispielsweise Google Bildersuche), tippt dort auf das Fotosymbol und wählt die Funktion “Bild hochladen”. Nun muss man nur noch das gewünschte Bild von der Festplatte auswählen.

Rechte Maustaste

Sehr bequem: der Browser Google Chrome, sowie dessen Verwandte, besitzen mittlerweile einen eingebauten Auswahlpunkt zur Bildersuche. Man klickt einfach mit der rechten Maustaste auf das gesuchte Bild und wählt in dem geöffneten Dialogfenster den Punkt  “In Google nach diesem Bild suchen” aus. Dass ist tatsächlich der einfachste Weg, wird jedoch nicht von jedem Browser unterstützt.

Die Ergebnisse

In unserem Fall mit dem Kind dem Kind bekommen wir tatsächlich erstaunliche Ergebnisse: auf dem Bild haben wir es mit einem kleinen jungen zu tun, der weder in Malmö wohnt, noch von Migranten angegriffen wurde. Das bekommt man tatsächlich anhand der Suchergebnisse heraus.

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Natürlich muss man die Suchergebnisse auch bewerten. Das geschieht zum einen in der chronologischen Bewertung, also welches sind die ältesten Einträge, aber auch in der qualitativen Bewertung, in der man schaut, welches Bild unbearbeitet ist. Darin spielen dann Kriterien wie der größtmögliche Bildinhalt, die höchste (nicht interpolierte) Auflösung und mögliche Unversehrtheit des Bildes eine Rolle.

In zweiter Linie kommt dann die inhaltliche Wertung zum Zuge: WER schreibt hier etwas über das Bild? Hier kommt es positiv zu tragen, wenn man sich zumindest in Ansätzen in der Medienlandschaft auskennt und einordnen kann. In unserem Falle liegen hier diverse Boulevardmedien vor, in denen das Bild beschrieben wird.

In einem letzten Schritt schauen wir noch, ob diese Artikel sich inhaltlich auf andere Quellen beziehen, die vielleicht vorher da waren. Wir sehen zum Beispiel bei der Dailiymail, dass diese sich auf die Sun beziehen [1], insofern dürfte der Artikel aus der Sun älter sein und dem Autor der Dailymail bereits vorgelegen haben.

Neighbors called the police and authorities seized the dog, which belongs to her friend’s brother,The Sun [2] reported.

Beide stellen jedoch mit die ältesten auffindbaren Quellen für das Foto dar.

Synoptische Betrachtung

Zum Abschluss ziehen wir nun aus den Fundstellen heraus, welche Gemeinsamkeiten diese haben und worin sie sich unterscheiden (Sondergut). Im Falle gravierender Unterschiede oder Inhalte, welche eine Stelle nicht besitzt, jedoch eine andere schon, muss man betrachten, aus welcher Quelle dieses Sondergut stammt und dieses nochmals extra bewerten.

Auf der Suche nach der Herkunft und der Geschichte unseres Fotos ist das recht einfach, da hier die Herkunft und Geschichte eindeutig ist. Alle Suchergebnisse liefern ein recht deutliches Ergebnis, dem auch keine widersprüchlichen Inhalte vorliegen:

Es handelt sich bei dem Jungen um Bryson Moore, der nach dem Angriff eines Pitbulls mit 12 Stiche im Gesicht genäht werden musste. Bryson stammt nicht aus Schweden, sondern aus Kentucky (USA). Bekannt wurde die Geschichte, weil die Mutter die hohen Arztkosten von 10.000 $ via Crowdfunding decken musste.

Ergebnis verifizieren

Zum Abschluss müssen wir noch prüfen, ob diese Angaben überhaupt korrekt und ob es, losgelöst von dem Foto, noch weitere oder ursprünglichere Quellen gibt. Dazu nimmt man signifikante Schlagwörter aus den bisher gefundenen Ergebnisse und führt eine klassische Textsuche durch. In unserem Falle suchen wir nach “”Bryson Moore” Pittbull” (kleiner Tipp: Namen in Suchmaschinen immer zwischen Anführungszeichen setzen).

Gleichzeitig wenden wir bei dieser Suche einen Zeitfilter an und sagen der Suchmaschine, dass wir nur Ergebnisse aus dem Zeitraum 01.01.2010 (nach vorne grob angesetzt) und 01.07.2016 sehen wollen, da wir ja bereits in der Bildersuche herausgefunden haben, dass der 1. Juli 2016 die früheste Fundstelle des Bildes darstellt.

Dabei finden wir 5 Ergebnisse, von denen exakt eines älter als alle anderen ist und auf den 23. Juni 2016 datiert ist.

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Hierbei handelt es sich um einen Text, denn die Mutter von Bryson selbst verfasst hat und in dem sie für das Crowdfunding wirbt. Ebenso ist dort die gesamte Geschichte aus ihrer Sicht geschildert.

„Me (Brooklyn Moore) and my Son (Bryson Moore-19 months) were attacked on third circle by a PIT BULL. We were invited over by a friend of mine to stop by. After we were invited inside, one of the children she was babysitting (who is 8) opened up the door to the cage right after she said „this dog is super super mean“.

Sprich: die älteste Fundstelle in diesem Bereich ist augenscheinlich sogar ein Augenzeugenbericht, welcher sich mit der Medienberichterstattung deckt.

Klingt nach einen großen Aufwand?

Ist es aber gar nicht, denn letztendlich nimmt jeder dieser Schritte nur einige Sekunden Zeit in Anspruch, und mit einiger Übung bekommt man einen solchen Check durchaus auch schnell mal eben hin.

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