Guthaben steht zur Auszahlung bereit! Das hört sich doch immer gut an, oder nicht? Das Guthaben ist auf dem Auktionskonto zu finden.

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Mimikama: Warnung vor...

Äääähhhh – welches Auktionskonto? Was für ein Guthaben? Was ist das für eine Mail? Wieso überhaupt Guthaben? Bei so vielen Fragen wird es Zeit, genauer auf die Mail und das angekündigte Guthaben zu schauen.

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Der Inhalt der Mail lautet:

Betreff: 73,16€ Guthaben zur Auszahlung an [****]babette@web.de

Sehr geehrte/r User/in,
Auf Ihrem Auktionskonto unter [****]babette@web.de sind 73,16€ Guthaben angelaufen (hier klicken!)
Zur Abbuchung bitte>>> diese Sicherheitsabfrage hier nutzen.

Herzliche Grüße,
Ihr Kundensupport vom vielleicht verrücktesten Auktionsmarktplatz der Welt

Fehler, Gruppe existiert nicht! Überprüfen Sie Ihre Syntax! (ID: 1)

Die Antworten auf unsere Fragen kann man nur bekommen, wenn man dem Link in der Mail folgt. Zunächst sei gesagt: diese Mail beinhaltet keine  Schadsoftware und führt auch nicht auf Phishingseiten. Diese Mail verfolgt einen ganz anderen Zweck:

Neukundenwerbung!

Der Link, welcher in dieser Mail eingebaut ist, führt auf ein Auktionsportal namens “MadBid” (näheres über das Portal im Verlaufe dieses Artikels dazu). Diese Mail stammt jedoch nicht von dem Portal selbst, sondern von jemandem, welcher an einem Partnerprogramm bei MadBid teilnimmt und eine Provision für jeden bekommt, der sich bei dem Aiktionsportal anmeldet.

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(Screenshot: MadBid)

Und wie bekommt man nun Menschen dazu, sich an einem Portal anzumelden, welches sie eigentlich gar nicht kennen? Richtig – man erzählt ihnen etwas von einem bereitstehenden Guthaben, welches sogar zur Auszahlung bereitstehe.

Und für jede Anmeldung, welche nun in Neugier getätigt wurde, verdient der Versender der Mail. Ob die versprochenen 73,16€ dann auch wirklich zur Verfügung stehen, ist höchst zweifelhaft. Ebenso kann man das Portal auch nicht für diese Art von Neppperei verantwortlich machen, da diese Mail nicht von MadBid stammt. Fraglich ist nur, wie MadBid mit dem Affiliatepartner umgeht, den sie eigentlich anhand des Links erkennen müssten ….

Das “Pay-to-Bid Auktionen” Auktionsportal

MadBid ist ein sogenanntes Pay-to-Bid Auktionsportal. In Europa ist die Verfahrensweise auf dieser Plattform eher unbekannt und auch ungewöhnlich, da man hier vom Prinzip her für die meisten eingesetzten Geldmittel am Ende gar keine Leistung bekommt – denn wer bietet, muss am Ende auch Zahlen. Egal ob man die Auktion gewinnt oder nicht. Auf Giga.de findet man eine ausführliche Beschreibung über das Portal “MadBid”:

  • Auf der Startseite wählt der Nutzer eine Auktion aus, z.B. ein iPhone.
  • Jede Auktion startet bei 0,- Euro und verfügt über einen Timer von meist 60 Sekunden – innerhalb dieser Zeit können Gebote abgegeben werden.
  • Jedes abgegebene Gebot kostet eine bestimmte Anzahl Bids, z.B. 8 Bids im Falle des iPhones, und erhöht den Endverkaufspreis des Produkts um 1 Cent. Nach jedem Gebot wird der Timer zurückgesetzt und es kann erneut geboten werden.
  • Die Gebote sind bindend. Während Bieter bei eBay Gebote zurückziehen können, ist ein Gebot bei MadBid endgültig.
  • Die Auktion läuft so lange, bis keine Gebote mehr eingehen. Der letzte Bieter erhält das Produkt und zahlt den finalen Preis, alle anderen Bieter haben Pech und gehen leer aus.

Sprich: immer wenn jemand den Mindesteinsatz von 8 Bids (entspricht 96 Cent) in den Topf wirft, startet die Auktionsuhr von vorn und der Auktionspreis steigt jeweils um einen Cent. Wenn irgendwann mal die Auktion 60 Sekunden lang KEIN Gebot bekommen hat, ist Ende und der letzte Bieter bekommt den Zuschlag.

Dabei kann man natürlich den “Lucky Shot” tätigen und am Ende mit einem Einsatz von 0,96 Cent etwas ersteigern, weil man einfach Glück gehabt hat. Dazu kommt dann noch die Auktionssumme. Eher unwahrscheinlich, aber so die Theorie. Und diese Theorie nutzt das Auktionshaus natürlich in seiner Werbung und preist hochpreisige Produkte an, welche für wenig Geld ersteigert wurden (z.B. Autos für 200 €). Was das Portal hierbei natürlich unterschlägt: das ist die Nennung der kostenpflichtigen Einsätze, die im Laufe einer “Bietschlacht” in den Topf geworfen wurden. Denn was am Ende wie ein günstiger Auktionspreis aussieht, ist lediglich ein künstlicher Preis, welcher durch kostenpflichtige Gebote erzeugt wurde. Unterschlagen wird also wie hoch diese Einsätze von jenen sind, die am Ende gar nicht gewonnen haben.

Sprich: der Auktionspreis spiegelt nicht die wahre Gesamtsumme wieder!

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(Foto: iordani / Shutterstock.com)

Giga rät ab

Bei Giga ist daher ein ganz deutliches Fazit über MadBid zu lesen:

Die Masche von MadBid ist klar: der Anbieter betrügt nicht direkt, verschleiert aber relativ geschickt die Kosten zu seinen Gunsten. Der einzelne Bieter hat nur sein Gebot im Kopf und macht sich im Eifer des Gefechts keine Gedanken darüber, wie viele Bids von allen Bietern eingesetzt wurden. Genau davon profitiert MadBid. Das ist aber nicht der einzige dubiose Aspekt der Plattform: In Internet-Foren finden sich zudem zahlreiche Klagen von enttäuschten Bietern:

  • Auktionen hören scheinbar willkürlich auf, obwohl mehrere Personen noch mitten beim Bieten sind.
  • Der Kundenservice sei unzuverlässig. Manche Nutzer hätten bis zu 3 Monate auf eine Antwort gewartet.
  • Im Gegensatz zur Behauptung, dass nur brandneue und versiegelte Produkte verkauft werden, sind die Waren Nutzerberichten zufolge teilweise in schlechtem Zustand.
  • Auf der Internet-Seite Web of Trust, die die Vertrauenswürdigkeit von Internet-Auftritten misst, rangiert MadBid mit der Bewertung “Very poor”auf der untersten Stufe (zum Vergleich: eBay hat auf der Seite die Höchstwertung “Excellent”).

Alles in allem raten wir deshalb: Finger weg. Die Einzigen, die bei MadBid ganz sicher gewinnen, sind die Betreiber der Seite. Der Gewinner einer Auktion mag Glück haben und von Zeit zu Zeit ein Schnäppchen machen – alle anderen schauen in die Röhre und tragen höchsten dazu bei, das Bankkonto von MadBid zu füllen.

Der ganze Artikel auf Giga

Artikel Vorschaubild: Badger81 / Shutterstock.com

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