- Werbung -
Artikelbild: Shutterstock / Von Monika Wisniewska

5G und die toten Vögel in Den Haag – Die ganze Geschichte

Von | 4. März 2019, 11:44

Immer noch bekommen wir viele Anfragen zu einem Artikel, in dem behauptet wird, dass durch Experimente mit 5G in den Niederlanden hunderte Vögel plötzlich starben.

- Werbung -

So schreibt die Seite „connectiv events„, dass sich in Den Haag große Schwärme von Zugvögeln versammelten, die „plötzlich“ zu Hunderten tot auf dem Boden lagen. Sie sollen alle an Herzversagen gestorben seien, alle seien körperlich gesund gewesen.Auch gäbe es keine Anzeichen auf Vergiftungen oder bakterielle Infektionen.

NEWS

Gepostet von Connectiv.events am Sonntag, 4. November 2018

In dem Artikel wird weiterhin behauptet, dass „die einzig vernünftige Erklärung“ für den Tod der Vögel Mikrowellenstrahlung sei, die durch angebliche 5G-Tests zu dem Zeitpunkt verursacht wurde. Eine Strahlung mit einer Spitzenfrequenz von 7.40 GHz sei gemessen worden, allerdings ohne Nachweis, wann, von wem oder womit diese Messung durchgeführt worden ist.

Was ist 5G?

5G ist die kommende Generation drahtloser Breitbandtechnologie. Die Technologie  bietet im Vergleich zum jetzigen 4G eine höhere Geschwindigkeit und bessere Abdeckung. 5G Mobilfunk benutzt verschiedene Frequenzbereiche, aber keinesfalls 5 GHz und auch nicht die gleichen Frequenzen wie 5 GHz WLAN, weil es dann sämtliche WLAN-Geräte stören würde. Die Frequenzen sind unterschiedlich; abgesehen von Länderunterschieden benutzen verschiedene Netzanbieter verschiedene Frequenzen. z.B. wird T-Mobile USA 600 MHz und 28 GHz benutzen. Die in Europa geplanten Frequenzen sind 3400 – 3800 MHz und 24.25 – 27.5 GHz sowie 31.8 – 33.4 GHz. (edit)

Die toten Vögel

Tatsächlich starben in Den Haag Hunderte Vögel, worüber die Presse in den Niederlanden auch ausführlich berichtete. Zudem gab es auch Berichte über erkrankte Hunde nach dem Besuch des Parks.
Doch starben die Vögel alle plötzlich?
Die regionale Vogelauffangstelle „Vogelopfang de Wulp“ führte eine Chronologie der Ereignisse auf:

19. Okober 2018: 30 tote Stare
24. Oktober 2018: 30 tote Stare
25. Oktober 2018: 88 tote Stare
1. November 2018: 138 tote, ein lebender Star, der kurz darauf starb
2. November 2018: 7 tote Stare
3. November 2018: 44 tote Stare

Alle Vögel wurden morgens im Huygenspark in Den Haag unter den Bäumen gefunden, in denen sie schliefen.

Es gab also nicht, wie behauptet, einen „plötzlichen Tod der Vögel“. Die Vögel, ausnahmslos Stare, wurden an mehreren Tagen immer morgens gefunden. Somit ist auzuschließen, dass sie plötzlich alle gleichzeitig vom Himmel fielen, auch gibt es in keinem Artikel über die toten Vögel irgendwelche Aussagen, dass die Enten sich seltsam verhielten, genausowenig, dass die Vögel zum gleichen Zeitpunkt an verschiedenen Tagen starben.

Somit sind die Behauptungen von „connectiv events“ falsch.

Die Ortsbeschreibung

Laut „connectiv events“ fanden 5G-Tests zwischen einer Antenne auf dem Dach des „HS-Telezentrums“ und dem Bahnhof statt. Die Antenne sei von unten nicht sichtbar, die Vögel starben alle im Huygenspark.

Die Örtlichkeit kann man sich auf Google Maps anschauen:

Screenshot Google Maps
Screenshot Google Maps

Von oben nach unten sieht man in dem Bild den Huygenspark (auch Huijgenspark geschrieben), das entsprechende Gebäude und den Bahnhof Den Haag.

[vc_message message_box_color=“green“ icon_fontawesome=“fa fa-check“]Somit fanden sich die toten Vögel tatsächlich in der Nähe des Gebäudes und des Bahnhofs.
Insofern sind die Aussagen von „connectiv events“ richtig.[/mk_info]

5G-Tests in den Niederlanden

In den Niederlanden werden natürlich ebenfalls, wie auch hierzulande, 5G-Masten aufgestellt und getestet. Wir fanden auch eine Antenne in der Nähe des „HS-Telecenters“, allerdings handelt es sich um eine 4G-Antenne.

Screenshot mimikama.at
Screenshot mimikama.at

Nun steht immer noch die Frage offen, wo sich denn die 5G-Antennen befinden.
Dies ist aber kein großes Geheimnis, sondern wird offiziell unter dem Projektnamen „5Groningen“ kommuniziert. Unter dem Namen vereinigen sich 10 Unternehmen, unter anderem Vodafone, Huawei und Ericsson, die die Möglichkeiten von 5G beispielsweise für smarte Haushaltsgeräte testen.

Auch die Standorte der 5G-Antennen sind bekannt und werden auf verschiedenen Seiten genannt:

– Amsterdam Zuidoost
– auf einer Farm in Drenthe
– Im Hafen von Rotterdam
– an der Autobahn nahe Helmond

Die oben bereits erwähnte Vogelauffangstelle „Vogelopvang de Wulp“ stellte eine Anfrage an das „Antennenbureau“ der Niederlande, um den derzeitigen Stand der 5G-Tests zu erfragen.
Deren Antwort: Es finden keine Tests für 5G-Antennen in Den Haag statt.

Wir stellten ebenfalls eine Anfrage an die Stadt Den Haag und bekamen folgende Antwort:

Mittlerweile bekamen wir eine Antwort auf unsere Anfrage an die Stadt Den Haag.

„Thank you for your question regarding the dead birds in the Huygenspark in The Hague.

The Dutch Radiocommunications Agency have confirmed to us that there have been no 5G-tests around the Huygenspark. At this point, we do not yet have more information regarding the possible cause of death.

As you can see on our site, several research institutions are currently still investigating on the cause of death.“

auf Deutsch:

„Die niederländische Funkagentur hat uns bestätigt, dass es im Huygenspark keine 5G-Tests gegeben hat. Zum jetzigen Zeitpunkt liegen uns noch keine weiteren Informationen über die mögliche Todesursache vor.“

An dieser Stelle einen Dank an unsere niederländische Mitarbeiterin Janine von mimikama.nl, die mit der Stadt Den Haag kommunizierte.

Somit ist die Behauptung, dass die Vögel durch Strahlungen einer 5G-Antenne gestorben sind, ebenfalls falsch.

Die Todesursache

Laut „connectiv events“ seien alle Vögel gesund gewesen, es gäbe keinerlei Anzeichen über Vergiftungen oder Virenerkrankungen.

Die Todesursache der Vögel wurde von Wageningen Bioveterinary Research (Lelystad), dem niederländischen Wildlife Health Center (Utrecht), der Erasmus University (Rotterdam) und der Universität Gent untersucht, die Ergebnisse liegen nun vor.

Von den 350 toten Vögeln wurden 20 einer genaueren Untersuchung unterzogen. Von Anfang an wurde eine Vergiftung vermutet, da alle Vögel leere Mägen hatten, was darauf hindeutet, dass sie sich erbrochen hatten und keine weitere Nahrung zu sich nehmen konnten.

Nun wurde bei diesen 20 Vögeln festgestellt, dass in deren Mägen sich nicht nur Reste von den ungiftigen Eibenbeeren fanden, sondern auch Teile des Nadelbaumes, die hochgiftig sind. Wahrscheinlich wurde die Bäume zurechtgestutzt, wodurch die Vögel nicht nur die Beeren, sondern auch giftige Teile des Baumes zu sich nahmen.

Somit ist die vorschnelle Behauptung von „connectiv events“ falsch!

Fazit

Die einzige Wahrheit in dem Artikel von „connectiv events“ sind die toten Vögel und die Örtlichkeit. Die Vögel starben nicht plötzlich, sondern wurden an mehreren Tagen tot unter den Bäumen gefunden. Auch waren nicht alle Vögel betroffen, sondern ausnahmslos Stare. Zudem sind keine Aussagen bekannt, dass sie immer zum gleichen Zeitpunkt starben, auch wurden keine Enten mit selstsamen Verhalten beobachtet.

Weiterhin gibt es keinen Nachweis, dass es tatsächlich 5G-Tests in Den Haag gibt oder gab. Es gibt seit April 2018 5G-Tests an vier verschiedenen Orten in den Niederlanden, jedoch wurden an keinem dieser Orte plötzliche Vogeltode beobachtet.

Somit ist der Artikel von „connectiv events“ über Vögel, die durch 5G-Strahlung starben, als faktisch falsch einzuordnen. Die Zeugenaussagen sind nicht verifizierbar, die Beschreibung der Ereignisse ist dramatisierend übertrieben, die Todesursache erfunden, die Nachweise nicht vorhanden.

- Werbung -
- Werbung -