5G und der neue Coronavirus - Wenn sich Schwurblerseiten selbst nicht mehr ernst nehmen

5G und der neue Coronavirus – Eine kombinierte Verschwörungstheorie

Von | 4. Februar 2020, 15:39

Für mehr Klicks ziehen manche Seiten auch mal die haarsträubensten Theorien aus dem Hut.

Denn was macht man, wenn eines der Lieblingsthemen jener Seiten, nämlich die angeblichen Gefahren durch den neuen Mobilfunkstandard 5G, durch ein anderes, aktuelles Thema total verdrängt wird, so daß sich derzeit keiner wirklich für die Schwurbeleien interessiert?

Richtig: Man bastelt einfach eine wilde Theorie rund um das aktuelle Thema, um an das alte Thema anknüpfen zu können! Dabei darf es ruhig fantasievoll zugehen, wie ein Artikel von „connectiv.events“ zeigt.

Tja, was hat das Eine mit dem Anderen zu tun?

Tja, was hat das Eine mit dem Anderen zu tun?

Fairerweise muss man erwähnen, dass sich die Seite gleich Anfangs mit einem Update selbst korrigiert: Es seien nur 10 Prozent Wuhans bisher mit 5G versorgt. Die Behauptung aber bleibt stehen: Der wahre Grund der Erkrankungen sei nicht etwa ein Virus, sondern 5G-Strahlung!

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Die Behauptungen im Einzelnen:

„Man sieht auf Bildern Menschen mit Schutzkleidung, dazwischen ungeschützte Menschen“

Das ist richtig. Gerade Menschen, die direkt mit potentiell Infizierten hantieren müssen trugen bzw. tragen oftmals komplette Schutzanzüge, um eine mögliche Infektion über die Haut durch kleinste Verletzungen oder durch Anhusten/Anniesen zu vermeiden.

Daraus aber den Schluss zu ziehen, dass damit nur eine fiktive Extrem-Pandemie wie in dem Film „Outbreak“ quasi vorgespielt wird, ist schon weit hergeholt.

„In der Nähe der Stadt Wuhan steht ein Biowaffen-Forschungslabor“

Das ist halbwahr. Tatsächlich gibt es in Wuhan ein Hochsicherheitslabor der Biosicherheitsstufe 4, in dem tödliche Coronaviren wie SARS und MERS erforscht werden. Solche Labore bekamen nach dem Ausbruch von SARS im Jahre 2003 einen ziemlichen Schub.

Der Rest ist aber reine Vermutung: Ob in dem Labor auch Biowaffen erforscht werden, ist unklar, vordergründig geht es um die Erforschung der Viren. Natürlich ist es auch denkbar, dass an dem neuen Coronavirus „geschraubt“ wurde und er aus dem Labor entwich. Dagegen spricht, dass es bisher keine Quelle gibt, die einen Mitarbeiter des Labors als ersten Infizierten nennen kann.

Stattdessen gerät der Tiermarkt in Wuhan (der übrigens nicht illegal ist, wie behauptet wird) ins Blickfeld, und da wird es schon wahrscheinlicher, da eine Übertragung von Coronaviren von Tier auf Mensch nicht zum ersten Mal vorgekommen ist. Die ersten Infizierten waren auch Angestellte des Tiermarktes.

Es ist also zwar denkbar, dass das Hochsicherheitslabor die Quelle des Virus ist, allerdings müsste man sich dann weiter in Vermutungen reindenken, beispielsweise dass das Labor absichtlich Tiere auf dem Markt heimlich infizierten, was dann schon eher nach einem Virus-Hollywood-Krimi klingt.

„Es tauchen vermehrt Berichte auf, dass erst kürzlich Patente auf den Corona-Virus anerkannt wurden“

Die Seite mutmaßt, dass zuerst die Lösung patentiert wurde, um jetzt das Problem zu schaffen, damit man zum geeigneten Zeitpunkt „abkassieren“ könne.

Das ist falsch. Kürzlich also? Meint die Seite damit 2015 und früher, als abgeschwächte Coronaviren wie SARS und MERS patentiert wurden, da sie dazu geeignet sind, Impfstoffe gegen exakt jene Krankheiten zu entwickeln?

Jene Patente haben absolut nichts mit 2019-nCoV zu tun! Man kann nur schlecht ein Patent auf eine ganze Virenfamilie erheben, die nur den Namen „Coronavirus“ haben, weil sie unter dem Mikroskop ein speizifisches Aussehen haben, sich aber voneinander in einigen sgnifikanten Punkten unterscheiden.

Einen ausführlichen Artikel zu dieser Behauptung haben wir hier: Das Patent auf den Coronavirus – Was steckt dahinter?

„Wuhan ist voll mit 5G bestückt, und in Den Haag fielen bei einem 5G-Test tausende Vögel tot vom Himmel“

Jener erste Punkt wird im Artikel ja bereits selbst dementiert: Bisher sind nur 10 Prozent von Wuhan mit 5G versorgt. Docharbeiten drei chinesische Mobilfunkanbieter daran, das Netz dort weiter auszubauen.

Bildquelle: Speedtest.net

Bildquelle: Speedtest.net

Hingegen fielen in Den Haag nicht „tausende Vögel während eines 5G-Tests tot vom Himmel“, diese Behauptung ist schlichtweg falsch, wie wir in mehreren Artikeln ausführlich erläutern.

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Weitere Behauptungen

Im Anschluss ergießt sich der Autor des obigen Artikels noch in diverse Vermutungen, dass es sich bei den Erkrankten und Toten in Wuhan also in Wirklichkeit um Opfer eines militärischen Tests mit 5G handele und dies alles mit Politik zu tun hat… was zwar überhaupt nicht erklärt, warum 5G-Strahlung zwar auf einmal ansteckend zu sein scheint, aber mit Logik hat der obige Artikel ohnehin nicht viel am Hut.

Ganz am Schluss kommt noch der Ratschlag, sich MMS/Chlordioxid-Produkte zu kaufen und das E-Book des Autors über „Heilen mit MMS“ herunter zu laden. Nebenbei erwähnt: MMS ist nichts anderes als hochgiftige Chlorbleiche, die tatsächlich Coronaviren abtötet… da der Wirtskörper gleich mit stirbt oder zumindest ernsthaft erkrankt.

In einem weiteren Artikel von „connectiv.events“ wird dann auch noch näher darauf eingegangen, dass 5G der wahre Auslöser der Krankheit in Wuhan ist, die Kollegen von „Correctiv“ waren aber so mutig, sich den pseudo-wissenschaftlichen Text anzutun.
Überraschung: 5G hat absolut nichts mit dem Wuhanvirus zu tun!

Fazit

Im Endeffekt besteht jener Artikel nur aus einigen richtigen Aussagen, die dann aber sogleich in wilde Vermutungen und Behauptungen bis hin zu blanken Verschwörungstheorien verquirlt werden, bis schließlich komplett falsche Aussagen getroffen und als Tatsache hingestellt werden.

Um die wilde Schwurbelei dann noch zu einem guten Abschluss zu bringen, wird dann noch schnell zu Chlorbleiche als Allheilmittel geraten und für das eigene Buch geworben. So funktioniert die Panikmacher-Industrie.

Artikelbild: Pcess609 / Shutterstock.com

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