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Das klingt nach einer Invasion, aber ist das auch wirklich so? Stehen 50 Millionen Menschen vor Sizilien? Grund für die Anfrage war diese Collage:

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was

Da sind jetzt einige Dinge, die wir abarbeiten können.

  • Die nackten Zahlen 50 Millionen, 2.000 Afrikaner mit Großschiffen,
  • Die Bilder,
  • Die schweigenden EU – Medien, mithin die Quelle „sämtliche internationale Zeitungen außerhalb der EU).

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Die Quelle(n)

Es gibt durchaus Quellen außerhalb der EU, aber wozu in die Ferne schweifen, denn es gibt auch eine Meldungen innerhalb der EU, die auf diese Zahlen und auf Sizilien eingehen. Erste Ergebnisse finden sich schnell, da steht auf lifo.gr :

Η Daily Mail κατέγραψε συγκλονιστικές εικόνες από την άφιξη χιλιάδων προσφύγων στο νησί της Ιταλίας

(SinngemäßDie Daily Mail aufgezeichnet schockierende Bilder von den Tausenden von Flüchtlingen in der italienischen Insel ankommen )

Aber auch auf der griechischen Webseite iefimerida.gr liest man:

Daily Mail: «Νέα Λέσβος» η Σικελία μετά το κλείσιμο της Βαλκανικής Οδού [εικόνες & βίντεο]

(Sinngemäß: Daily Mail: «Neue Lesvos» Sizilien nach dem Balkan-Route Schließen [Bilder & Video] )

Beide sind inhaltlich übereinstimmend und berufen sich beide auf dieselbe Quelle:

Die Daily Mail

Moment, sagt der aufmerksame Leser, Daily Mail? Etwa die Daily Mail aus Großbritannien? Äh, ja und, die überlegen doch, ob sie aus der EU austreten wollen, also kann man sie durchaus als Quelle außerhalb der EU gelten lassen, oder etwa nicht?

Aber selbst wenn dem so wäre, da finden wir auch die 2.000 wieder, deshalb schauen wir jetzt fix in die Daily Mail:

EXCLUSIVE – ‚Welcome to the NEW Lesbos‘: Now Sicily is flooded with 2,000 migrants EVERY DAY since the Balkans route shut

  • Sicily is being called ‚the new Lesbos‘ as thousands of migrants begin to arrive on ancient Mediterranean island
  • In the past three days alone more than 6,000 people have landed, as arrivals increase by 90 per cent on last year
  • MailOnline gained exclusive access to the Norwegian rescue ship helping to bring migrants from Libya to Palermo
  • Fleet of ships has been tasked with monitoring sea routes popular with migrants and picking up struggling dinghies

 

(Sinngemäß: Exklusiv – Willkommen auf dem neuen Lesbos. Nachdem die Balkanroute geschlossen wurde, landen jetzt täglich 2.000 Flüchtlinge auf Sizilien.
Sizilien wird bereits das neue Lesbos genannt, weil tausende Flüchtlinge auf der Mittelmeerinsel landen
In den vergangenen drei Tagen waren es allein 6.000 Menschen, das sind im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres 90% mehr
Mailonline bekam einen exklusiven Einblick auf einem norwegischen Rettungsschiff, das geholfen hat Flüchtlinge von Libyen nach Palermo zu bringen
Ein Schiffflotte wurde beauftragt die bekannten Seerouten zu überwachen um in Seenot geratene Flüchtlinge zu bergen)

Etwas weiter im Text wird die etwas undeutlich formulierte Stelle „from Lybia“ konkretisiert, die Flüchtlinge wurden nicht etwa, wie die Textstelle vermuten lassen würde, direkt in Libyen an Bord genommen, sondern vielmehr knapp 30 Seemeilen von der libyschen Küste aus der See geborgen.

Damit wissen wir aber, die Aussage mit 2.000 täglich stimmt, zumindest für den Zeitraum aus dem Bericht.

Die Zahlen

Da wir die Zahl 2.000 schon gefunden haben, machen wir gleich weiter mit der nächsten Zahl 50 Millionen, genauer 50 Millionen Afrikaner. Da lohnt ein Blick auf die nackte Statistik, die UNO Flüchtlingshilfe schrieb in dem UNHCR-Halbjahresbericht 2015 [1]:

UNHCR warnt daher in seinem statistischen Halbjahresbericht für das erste Halbjahr 2015, dass erstmals mehr als 60 Millionen Menschen auf der Flucht sein könnten.

Aus dem Halbjahresbericht der UN= können wir also ersehen, dass davor gewarnt wurde, dass erstmals mehr als 60 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht sein könnten.

Damit könnten natürlich die 50 Millionen Afrikaner von der Collage stimmen, aber wir sollten uns vielleicht zunächst die Zusammensetzung etwas genauer ansehen. Dazu ziehen wir die Deutsche Welle (DW) [2] zu Rate:

Als „Dauerbrenner“ stehen heutzutage Afghanistan, die Demokratische Republik Kongo und Somalia im Mittelpunkt. Neu hinzugekommen sind die Konfliktherde in Syrien, der Zentralafrikanischen Republik, dem Südsudan, dem Irak und der Ukraine.

Afghanistan, Syrien, Irak und Ukraine, sind definitiv nicht in Afrika, aber nach einer weiteren Statistik stammen aus dreien dieser Länder die meisten Flüchtlinge. Bevor wir uns jetzt in Erbsenzählerei verlieren, gehen wir wieder in den Bericht der UNO und finden dort eine Gruppe, die uns so noch nicht wirklich untergekommen ist und die von allen Seiten, bis auf wenige Ausnahmen, nicht beachtet werden, vielleicht, weil sich mit ihnen keine Politik machen lässt.

Die Binnenvertriebenen, sie stellen mit 34 Millionen die größte Gruppe der Flüchtlinge. Binnenvertriebene sind Flüchtlinge, die bei ihrer Flucht die Landesgrenzen des Herkunftslandes nicht überschreiten. Ihre Situation ist nicht besser als die der anderen Flüchtlinge.

Damit sind wir schon weit unter den 50 Millionen. Laut UNO sind etwas mehr als 20,2 Millionen Menschen auf der Flucht und sie kommen auch nicht alle aus Afrika, wie wir gelernt haben.

Die Bilder

Das lässt sich schnell abhandeln, die stammen alle aus dem Exklusivbericht der Daily Mail. Sogar die kleine Landkarte, aber wenn man sich die mal genauer anschaut, wird klar, das sind die einleuchtenden Routen von den drei Hafenstädten, der „kürzeste“ Weg nach Sizilien. Mit den verwendeten Zahlen hapert es jedoch ein wenig: wie man auf die 50 Millionen kommt, ist schwer. Die Dailymail, spricht von 2000 Menschen täglich. Das ist viel, sehr viel sogar, aber auch mit dieser hohen Zahl kommt man rein rechnerisch nicht auf 50 Millionnen. Bei gleichbleibender Zahl wären das im Jahr gut 730.000 Menschen, die Steigerung müsste also nochmal um den Faktor 70 wachsen, also bei  rund 140.000 Menschen pro Tag liegen, damit innerhalb eines Jahres 50 Millionen Menschen auf Sizilien ankämen. 140.000 Menschen pro Tag.

Oder man wartet 68,5 Jahre: dann wären bei gleichbleibender Anzahl täglich die 50.000.000 Menschen herübergebracht. Und Sizilien wie Atlantis versunken.

Quellen: