30.000 Euro für Großfamilie aus Syrien?

Von | 19. Juli 2019, 13:05

Seit Jahren bereits schwirrt dieser abfotografierte Zeitungsartikel durchs Internet, über den sich regelmäßig aufgeregt wird: Eine syrische Großfamilie aus 28 Personen soll 30.000 Euro monatlich erhalten!

Und da dieser Zeitungsartikel regelmäßig verbreitet wird, bekommen wir auch regelmäßig Anfragen dazu:

Screenshot: mimikama.at

„Syrischer Muslim mit 4 Frauen und 23 Kindern erhält monatlich 30.000 € Sozialhilfe! Vom Steuerzahler.“

lautet der Text auf dem Bild.

Ungenau und abgekupfert

Der im Bild verwendete Artikel erschien im „Wetzlar-Kurier“ vom November 2016. Eine Quelle der Zahlen steht nicht in dem Artikel, sondern nur, dass auch die „Rhein-Zeitung“ und die „Bild-Zeitung“ darüber berichten. Als Ursprungsquelle der Zahlen konnte aber der “Deutsche Arbeitgeber Verband e.V.” (nicht zu verwechseln mit der „Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände“, die sich von dem Verband distanzieren) ausgemacht werden, dessen am 03.10. 2016 erschienener Artikel “4 Frauen, 23 Kinder” zwar mittlerweile gelöscht wurde, in der Wayback Machine aber noch einsehbar ist.

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In einem ausführlichen Artikel nahmen wir bereits einmal die Zahlen und versuchten diese mit den höchsten Werten so umzurechnen, dass man auf 30.000 Euro kommt. Unser Ergebnis: Selbst mit den höchsten Werten, die auf den öffentlichen Zahlen der Arbeitsagentur basieren, kommen wir nur auf einen Gesamtbetrag von monatlich 17386,37 € für 28 Personen in 4 Wohnungen.

Auch das Presseportal der dpa rechnete nach:
Bei 30.000 Euro im Monat bekäme jedes Familienmitglied im Durchschnitt rund 1.071 Euro.

  • Nimmt man nun mal an, dass alle 23 Kinder volljährig sind und den höchsten Regelsatz von 339 Euro bekommen + anteiliger Bedarf für Unterkunft und Heizung, kommt man nicht mal annähernd auf 1.071 Euro.
  • Wären nun alle Kinder minderjährig, käme zwar noch das Kindergeld dazu, der Regelsatz wäre aber dafür geringer (0 bis 5 Jahre: 245 Euro, 6 bis 13 Jahre: 302 Euro, 14 bis 17 Jahre: 322 Euro). Auch damit kommt nicht annähernd auf die über 1.000 Euro pro Person.
  • Da die Frauen ja als alleinerziehende Personen gelten, bekommen sie ab fünf Kindern einen Mehrbedarf von 60 Prozent. Dies wären dann pro Erwachsenen 678,40 Euro plus Bedarfe für Unterkunft und Heizung. Damit kommt man zwar zumindest bei den Erwachsenen eventuell über die 1.071 Euro, das genügt aber nicht, um den Durchschnitt auf diese Summe zu heben.

Fazit

Sowohl wir als auch „Correctiv“ als auch „dpa Faktencheck“ rechneten nach, doch kam niemand von uns auf eine Gesamtsumme für 30.000 Euro für diese Großfamilie!

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