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Seit einigen Tagen macht ein Artikel über einen Fund eines vermeintlichen „antiken Transformators“ auf diversen Blogs die Runde. Ein Fund, der angeblich „mindestens 20.000 Jahre alt“ sei, und daher, so berichten diverse Artikel, unser Verständnis der Menschheitsgeschichte komplett neu definieren würde.

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Hier ein Beispiel eines solchen Artikels:

Screenshot: earth-chronicles.com

Handelt es sich hier wirklich um eine antike Version eines Transformators?

Zunächst einmal: Teilweise abstruse Verschwörungstheorien über Außerirdische, die die Menschheit angeblich seit Urzeiten besuchen und begleiten, sind nichts neues. Auch ein ganzer Teilbereich der Parawissenschaften, die Prä-Astronautik, befasst sich mit angeblichen technischen Errungenschaften wie Flugzeugen, Raumschiffen, Elektrizität, die – den Verfechtern dieser Theorien zufolge – bereits in der Antike bekannt gewesen sein sollen.

Angebliche Beweise oder Belege zu diesen Behauptungen sind meistens recht dünn formuliert und in den meisten Fällen sind diese „Phänomene“ wie Inschriften, Wandbilder, etc. entweder anders erklärbar, oder die teilweise haarsträubenden Theorien auch recht einfach komplett widerlegbar.

Nun haben wir hier konkrete Fotos, auf denen in der Tat ein steinartiges Gebilde zu sehen ist, welches durchaus an einen Transformator erinnert. Was ist denn nun in diesem Fall da dran?

Die Quellen

Die Berichte über diesen Fund sind fast aussschließlich auf Blogs wie „disclose.tv“, „alienstar.org“ oder „earth-chronicles.com“, die sich unter anderem mit Fragen befassen, ob Noah die Arche mit Stahlplatten erbaut hat und einen Atomantrieb genutzt hat, oder ob der Mond gar kein Mond sei, oder ob er von Außerirdischen besiedelt ist. Alles in allem sehr spannend, aber alles in allem auch ziemlicher Unsinn. Es sind Quellen, die auch steif und fest behaupteten, die Annunaki, eine angebliche außerirdische „göttliche“ Rasse, die auf weitergesponnenen summerischen und akkadischen Mythologien beruht, habe bereits Handys verwendet. Das „Beweisstück“ entpuppte sich jedoch als Werk eines deutschen Art-Replik-Studios, das sich auf derartige Kunstwerke spezialisiert hat.

Das Objekt

Schauen wir uns das Objekt, welches von dem Fotografen Ismet Smiley im Šar-Planina-Gebirgszug im Kosovo gefunden wurde, trotzdem einmal genauer an: Wir erkennen einen klobigen Körper, der an einer Stelle in der Tat eine Art Spule hat, die allerdings schon relativ stark korrodiert ist. An anderer Stelle sind Bohrlöcher zu erkennen:

Der angebliche Transformator
Bohrlöcher an der Unterseite

Zugegeben, dieses Ding sieht schon seltsam aus. Aber stimmt denn der Rest der Behauptung, der den Fund erst so interessant macht, nämlich das Alter, welches mindestens 20.000 Jahre betragen soll? Dies wird jedenfalls zunächst einfach mal so behauptet. Wer diese Analyse durchgeführt haben soll, welche Wissenschaftler dies festgestellt hätten, wird jedoch nicht genannt. Lediglich, dass man nicht erwarten solle, dass die Wissenschaftler einem die Wahrheit erzählen, wenn man sie danach fragt. Es wird sogar spekuliert, dass der Finder, Ismet Smiley, nun gar um sein Leben fürchten müsse, weil „man die Wahrheit unterdrücken wolle“. Klingt logisch und vollkommen überzeugend, nicht?

Zudem: Wenn der Fund tatsächlich 20.000 Jahre alt wäre, wäre das Kupfer um einiges mehr korrodiert als auf den Bildern zu erkennen.

Nun gut, soviel zu den Behauptungen, was dieses Ding betrifft. Aber was ist es denn nun wirklich?

Der Versuch einer Erklärung

Es ist für uns, die wir hier solche Recherchen betreiben, natürlich nicht immer leicht, eine definitive Aussage zu treffen, ohne dass wir das Objekt selbst untersuchen können.

Auf dem Blog „anonymous-feed.com“, einer Seite, die sich auch die Bekanntheit des Anonymous-Kollektivs zunutze macht, um damit teilweise sehr abstruse Verschwörungstheorien und Behauptungen zu legitimieren, findet sich diesmal jedoch eine recht plausible Erklärung zu diesem seltsamen Teil.

Die Autoren des Artikels dort haben unter einem russischssprachigen Video Kommentare gefunden, die durchaus logisch erscheinen. Im folgenden nun die Kernaussage dieser Kommentare:

Es handle sich um einen Hochspannungstransformator, ähnlich dem Typ TOL-10. Was wie Stein aussehe, sei ein Epoxidharz. Die vermeintliche Spule sei tatsächlich die Hauptwicklung dieses Trafos. Bis in die 1990er Jahre wären diese Geräte mit einem Kompositmaterial gefüllt gewesen, manche von denen hätten tatsächlich optische Ähnlichkeit mit Gestein. Zudem wären Transformatoren dieser Art unter anderem in Mischmaschinen im Rahmen von Bergbautätigkeiten verwendet worden, in denen Beton und Zement verarbeitet wurden. Mit der Zeit, teilweise bereits nach einem halben Jahr, hätte sich oft eine Schicht davon auf dem Gerät abgesetzt. Die Mischtrommeln wäre dann meist verschrottet worden, die Transformatoren jedoch vorher ausgebaut worden.

Dies ist in der Tat bis jetzt die plausibelste Erklärung für dieses sonderbar anmutende Gerät. Auch nach „Ockhams Rasiermesser„, einem Forschungs- und Schlussfolgerungsprinzips, das gebietet, im Zweifel immer die einfachste Erklärung zu bevorzugen, ist dieser Ansatz durchaus brauchbar. Der einzige Punkt der Ausgangsbehauptung, der dagegen spräche, ist das angebliche Alter von 20.000 Jahren, wofür es aber nirgends Belege gibt, und was auch anhand des Zustandes der Spule mehr als abwegig erscheint.

Es erscheint nun einmal viel logischer, dass wir hier ein verschrottetes, mit Sediment, Zement und Beton zugesetztes Exemplar eines Transformators vor uns haben, als dass wir zur Erklärung Theorien von Außerirdischen oder antiken Göttern mit fortschrittlicher Technologie hernehmen müssen.

Schlussendliche Gewissheit könnte man natürlich nur bei einer näheren Untersuchung des Geräts erlangen, aber man kann sicherlich ausschließen, dass es sich hier um Alien-Technologie handelt, wie nachweislich bei allen Artefakten, bei denen dies behauptet wird.

Autor: Rüdiger, mimikama.at

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