Politiker gehören nicht zu den beliebtesten Menschen unter der Sonne. Insbesondere Donald Trump macht sich mit seinen knallharten Parolen während dem Vorwahlkampf in den USA keine Freunde.

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Da verwundert es nicht, dass ein mexikanischer Drogenboss namens „El Chapo“ ein Kopfgeld von 100 Millionen Dollar auf Trump ausgesetzt haben soll, weil er Mexikaner als kriminelle drogenabhängige Schmarotzer beschimpfte. Doch ist da was dran?

Es steht überall – also muss es wahr sein?

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Die BILD war eines der ersten Seiten, die die Meldung in Deutschland brachten, weitere folgten sehr schnell, so z.B. der „Stern“:

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Und n-tv:

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Und auch im europäischen Flachland:

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Es wird also auf allen mehr oder weniger seriösen Seiten davon berichtet.

Da kann man ja kaum am Wahrheitsgehalt zweifeln, schließlich sitzen ja überall fähige Redakteure, die Hintergrundrecherchen betreiben, bevor sie etwas veröffentlichen. Sollte man meinen.

Werfen wir mal einen Blick in den BILD-Artikel:

„Laut Insidern hat Guzmán eine Belohnung von 100 Millionen US-Dollar (umgerechnet 88,4 Mio. Euro) für denjenigen ausgelobt, der den republikanischen Präsidentschaftsanwärter und Immobilien-Tycoon Donald Trump (59) ermordet.“

Insider. Aha. Das wollen wir genauer wissen.

„Ein Mitgefangener (will) beobachtet haben, wie der Kartell-Chef in seiner Zelle ausgeflippt sei, als er Trumps Anti-Mexikaner-Rede hörte: „Er war wie verrückt. Er will Trump tot sehen und ist bereit dafür jede Summe zu zahlen.“

Jetzt ist schon keine Rede mehr von 100 Millionen Dollar, aber vom Insider.

„Jetzt wurde durch Kartell-Kreise verbreitet, dass diese Summe 100 Millionen Dollar sein soll.“

Ah, da sind sie wieder. Aus Kartell-Kreisen bekannt.

Böse Zungen könnten sich jetzt fragen, wie die BILD an Informationen aus verbrecherischen Kartell-Kreisen kommt. Aber wir wollen mal nicht so sein, schließlich berichteten auch andere Nachrichtenseiten und –sender mit nahezu gleichen Formulierungen davon. Ursprung der Meldung war nämlich die Seite „Telesur TV“, welche am 6. Oktober 2015 davon berichtete, bevor sie dann unter anderem von Yahoo News aufgegriffen wurde.

„Hey, ihr könnt doch auch nicht wissen, was da dran ist!“

Tja, unsere Verbindungen zum mexikanischen Verbrecher-Kartell sind tatsächlich ein wenig eingerostet, das geben wir zu. Direkt nachfragen können wir also derzeit leider nicht. Wir können uns aber fragen, warum diese Meldung erst jetzt kommt, wo wir sie doch bereits im Juli, kurz nach dem Ausbruch „El Chapos“ aus einem Hochsicherheitsgefängnis gelesen haben:

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Jener Screenshot stammt von der Seite „TMZ Today“, nicht zu verwechseln mit der Boulevardseite „TMZ“. In dem kleinen Artikel steht übrigens wortwörtlich alles so drin, wie wir oben auszugsweise aus der BILD zitiert haben.

Hammer-News

Die Nachrichten auf jener Seite sind schon toll: „Teenager bekommt HIV beim Friseur“, „Kim Kardashian und Kanye West nennen ihr zweites Kind Gott“, „Teenager färbte sich aus Versehen dauerhaft das Gesicht schwarz“ etc.

Also eher unglaubhaft?

Nicht nur unglaubhaft, sondern, und das sieht man, wenn man den kleinen Disclaimer ganz unten auf der Seite liest, pure Satire.

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„Tmztoday ist eine Kombination aus schockierenden und satirischen News. Bitte beachten Sie, dass die Artikel auf dieser Seite nur zur Unterhaltung und zur Satire gelten.“

Mit anderen Worten: An der Nachricht ist überhaupt nichts dran. Tmztoday erfand jene Meldung, weil zu dem Zeitpunkt „El Chapo“ aus dem Gefängnis ausbrach, andere Seiten berichten nun davon, weil man mal wieder etwas über Donald Trump schreiben musste.

Fazit:

Auch wenn es gewaltig im Nachrichtenwald rauscht und eine Meldung durch sämtliche Newsseiten und –sender geht, so muss sie doch nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen. Manchmal muss man sich, besonders bei kurios anmutenden Meldungen, ein wenig tiefer auf Spurensuche begeben, bevor man etwas vorbehaltlos glaubt. Das gilt auch für die eigentlich seriösen großen Medien.

Autor: Ralf, mimikama.at

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