Nein! Alkalisches Wasser tötet keinen Krebs.

Kathrin Helmreich, 8. September 2020
Nein! Alkalisches Wasser tötet keinen Krebs.
Nein! Alkalisches Wasser tötet keinen Krebs.

Alkalisches Wasser tötet Krebs? Nun – wissenschaftlich belegt, ist das nicht.

Abermals erhalten wir Anfragen zu einem Artikel, der auf Facebook geteilt wird und davon spricht, dass alkalisches Wasser Krebs töten würde.

Es geht dabei um folgenden Artikel:

Screenshot des angefragten Artikels
Screenshot des angefragten Artikels

Pensionierter Apotheken-Chef sagt: „Die Welt muss wissen, dass alkalisches Wasser Krebs tötet“

Der Faktencheck

Diese Behauptung wird immer wieder auf Facebook geteilt. (wir berichteten)

Es gibt jedoch keinen einzigen wissenschaftlichen Nachweis dafür, dass es tatsächlich Krebs heilt oder den Körper gesünder macht. Man mag sich zwar vielleicht durch das Trinken eines Glases davon am Morgen subjektiv fitter und gesünder fühlen, aber ein echter gesundheitlicher Nutzen ist jedoch nicht nachgewiesen.

Wer ist dieser Apotheken-Chef in Rente?
Dieser wird namentlich auch im Artikel genannt: Es handelt sich um Dr. Otto Warburg, der 1931 den Nobelpreis für „die Entdeckung der Natur und der Funktion des Atmungsferments“ in der Kategorie „Physiologie oder Medizin“ bekam.
Bereits in den 1920er-Jahren forschte Warburg an Krebszellen und stellte 1924 eine These auf, die 1930 als sogenannte „Warburg-Hypothese“ bekannt wurde und sich mit den Ursachen der Krebsentstehung beschäftigt. Um es nicht unnötig zu verkomplizieren: 1924 schilderte Warburg in seinem Werk „Über den Stoffwechsel der Carzinomzelle“, dass der Unterschied zwischen gesunden Zellen und Tumorzellen in der Verwertung von Traubenzucker liegt. Krebszellen sollen den Traubenzucker oft durch anaerobe Glykolyse, also Vergärung ohne Sauerstoff, verarbeiten.

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Bei seinen Untersuchungen stellte er dazu fest, dass bei Krebszellen ungewöhnlich hohe Laktatwerte vorhanden sind, welche durch Milchsäure entstehen. Da Milchsäure ein typisches Gärprodukt ist, weist also eine Übersäuerung des Körpers auf einen Krebstumor hin, so die Hypothese.
Jene Hypothese ist derzeit weder widerlegt, noch bestätigt. Die anaerobe Glykose wird auch bei gesunden Körperzellen beobachtet, so dass die Hypothese nicht für Krebs allgemein gültig ist. Die Forschungen des Dr. Warburg werden jedoch weiterhin bei der Grundlagenforschung berücksichtigt.

So existiert also zwar jene Hypothese, doch findet sich nirgendwo ein Verweis, dass Dr. Warburg jemals den zitierten Satz in der Überschrift des obigen Artikels gesagt hat!

Was bestimmte Seiten aus der Hypothese machen:
Wenn der Körper also zu viel Säure enthält, begünstigt das die Entwicklung von Tumorzellen. Deswegen müsse der Körper entsäuert, genauer gesagt „alkalisiert“ werden, um die Entwicklung von Tumorzellen zu verhindern, bzw. zu bremsen.

Praktischerweise bieten Seiten wie die oben genannte einfache Rezepte dafür an: Man nehme Wasser, Zitrone, Gurke, Ingwerwurzel und Minzblätter, mache sich daraus ein Getränk und trinke es am besten morgens, um „optimale Ergebnisse zu erzielen“. Besonders die Zitrone in dem Getränk soll sich pH-neutralisierend auswirken.

Was man dann eigentlich trinkt:
Im Idealfall hat man dann Wasser, das nach Zitrone, Gurke, Ingwerwurzel und Minze schmeckt. Mischt man jetzt noch Zucker hinzu, hat man eine Limonade.

Der pH-Wert des menschlichen Körpers:
Der Säuregehalt einer Flüssigkeit wird im sogenannten pH-Wert gemessen. Ein Wert von 0 – 7 gilt dabei als Säure, ein Wert zwischen 7 Und 14 gilt als alkalisch oder auch basisch genannt. Der Großteil unseres Körpers (mit Ausnahme des Magens mit seiner Magensäure) hat einen pH-Wert von 7.2 bis 7.6, ist also leicht alkalisch.

Unsere Lungen und Nieren sorgen dafür, dass dieser pH-Wert stabil bleibt. Dies geschieht beispielsweise so:

Unser Körper produziert Kohlendioxid (CO2), welches eine Säure ist und von uns ausgeatmet wird. Wenn wir trainieren, produzieren wir mehr CO2 als gewöhnlich, der Körper droht zu übersäuern. Als erste Station arbeitet die Lunge: Durch das schnellere Atmen während und nach einem Training wird das CO2 schneller aus dem Körper wieder ausgestoßen. Die zweite Station sind die Nieren: Das Blut transportiert das überschüssige Kohlendioxid dort hin, wo es dann quasi verarbeitet und durch den Urin wieder ausgeschieden wird.

Für den Körper ist es also wichtig, diesen pH-Wert stabil zu halten, damit alles funktioniert, denn wird er zu stark übersäuert oder alkalisiert, können die Zellen nicht überleben, weder gesunde Zellen, noch Krebszellen.

Was bewirkt nun alkalisches Wasser?
Egal was wir essen oder trinken: Es landet erst einmal alles im Magen. Dort befindet sich, wir erwähnten es bereits, die Magensäure, welche je nach Tageszeit, Körpergewicht und gesundheitlichem Zustand einen stark schwankenden pH-Wert zwischen 1 und 7 hat, im Durchschnitt kann man von einem pH-Wert von 2 – 4 ausgehen.

Die Magensäure hat nun einiges zu tun:
Erstmal werden im Essen oder Trinken möglicherweise vorhandenen Bakterien so gut wie möglich vernichtet, damit man sich nicht infiziert. Zusätzlich werden die Bestandteile der Nahrung quasi aufgebrochen, um die enthaltenen Vitamine und Mineralien vom Körper verarbeiten zu lassen. Dann geht es weiter in den Darm.

Der Darm hat dann auch noch was zu erledigen:
In der Bauchspeicheldrüse befinden sich nämlich etliche Enzyme und Sekrete, die den Nahrungsbrei auseinandernehmen und neutralisieren, ihn also auf einen mittleren pH-Wert regeln, egal was man gegessen oder getrunken hat, damit der Körper nicht übersäuert oder überalkalisiert.

Um die Frage der Überschrift somit in Kürze zu beantworten:
Wenn man alkalisches Wasser trinkt, bekommt man vor allem eines: alkalischen Urin.

Im Gegenteil kann das Trinken von zuviel alkalischen (basischem) Wasser eher zu Beschwerden führen, da dadurch die Säureproduktion im Magen gestört werden kann, was dann zu Verdauungsstörungen und Magenbeschwerden führt. Da dann die Magensäure durch ein Übermaß an alkaliner Flüssigkeit zu schwach ist, können Bakterien besser überleben und eine Infektion des Dünndarms verursachen.

Autor: Ralf Nowotny

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Artikelbild: Shutterstock / Von Todorov Art

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