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Zwarte Piet verboten? Nein, aber „blackface“!

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Viele Medien berichten, Facebook verbiete den sogenannten „Zwarte Piet“.

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Stereotype Darstellungen des in den Niederlanden und Belgien bekannten Nikolaushelfers „Zwarte Piet“ sind ab sofort auf Facebook und Instagram verboten.

Viele Medien berichten darüber, nutzen dafür allerdings den Zwarten Piet nur als Aufhänger, denn explizit ist diese Kunstfigur nicht verboten, wohl aber die bisherige, häufige Darstellung.

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Wer ist der Zwarte Piet?

Seit mindestens 1850 hat der niederländische und belgische Sinterklaas (quasi der dortige Nikolaus) auch einen Gehilfen, den Zwarte Piet. Besonders in alten Darstellungen ist jener Gehilfe ein dunkelhäutiger Mann mit dicken, roten Lippen und einer Diener-Uniform.

Bildquelle: npo, Sinterklaas und Zwarte Piet in einem Bilderbuch von Jan Schenkman, 1850
Bildquelle: npo, Sinterklaas und Zwarte Piet in einem Bilderbuch von Jan Schenkman, 1850

Die genauen Hintergründe, wie Sinterklaas zu diesem Gehilfen kam, sind unklar. Eine der Erzählungen lautet beispielsweise, dass Sinterklaas ihn auf einem ägyptischen Sklavenmarkt gekauft habe.

Bei Piet soll es sich um einen Mauren handeln, einem Berberstamm aus Nordafrika, von denen zu der Zeit sowohl in Spanien (wo Sinterklaas wohnt) als auch in den Niederlanden viele Menschen lebten.

Und was genau ist nun verboten?

Der Zwarte Piet wird in den aktualisierten Gemeinschaftsstandards von Facebook nicht genannt, wohl aber ist seine häufige Darstellungsweise betroffen:

„Wir aktualisieren auch unsere Richtlinien, um bestimmte Arten von implizierenden Hassreden, wie z.B. Inhalte mit schwarzen Gesichtern oder Stereotypen über jüdische Menschen, die die Welt kontrollieren, genauer zu berücksichtigen.“

so steht es im Facebook Newsroom. Verboten ist also nicht jene Kunstfigur, sondern das sogenannte „blackface“ – was auch, aber nicht ausschließlich den Zwarte Piet betrifft.

Was ist das ab jetzt verbotene “blackface“?

Was lange Zeit als lustig angesehen wurde, ist eigentlich eine seit rund 200 Jahre durchgeführte Praxis: jemand mit (üblicherweise) weißer Haut schminkt sein Gesicht dunkel.

Dies ist jedoch nicht alles: Blackface war eine Praxis, in der Schwarze zur Unterhaltung von Weißen verpottet wurden, negative Stereotypen wurden in den USA und Europa dadurch gefördert.

Die Sache mit dem Zwarte Piet

Streng genommen ist der Zwarte Piet nicht davon betroffen, da seine Darstellung nicht mit Hassreden verbunden ist, wohl aber mit mancher Diskriminuerung in den Niederlanden.

Bei einer Befragung von 780 Niederländern mit antillanischer und surinamischer Herkunft, die nach ihren Erfahrungen mit dem Zwarte Piet gefragt wurden, empfanden diese die Figur mit einer Mehrheit von 73 Prozent als rassistisch. 62 Prozent wurden durch die Darstellung der Figur diskriminiert.

Diese Diskriminierungen erlebten viele der Befragten schon als Kinder, wenn sie beispielsweise vom Lehrer nur „Zwarte Piet“ genannt werden, da dieser als „dummer Diener“ gilt. Zwar finden Kinder den Zwarte Piet toll, Erwachsene jedoch gehen weniger glimpflich damit um, wenn man dunkle Haut habe, und nutzen den Namen als Schimpfwort.

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Fazit

Im Prinzip gibt es für die Niederlande und Belgien ein Schlupfloch: Den Zwarte Piet einfach durch einen echten Schwarzen darstellen zu lassen – dann sollte es kein Problem mit Fotos und Videos auf Facebook und Instagram geben.

Dies ändert jedoch nichts an der Geschichte hinter der Figur, weswegen in vielen Städten, unter anderem in Rotterdam, nun der Roetveegpiet als Gehilfe auftritt, ein Schornsteinfeger.

Artikelbild: Shutterstock / Von Sandra van der Steen

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