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Montag, 29 November 2021

Zu doof fürs Internet oder geschickt verkauftes Paket?

Millionen Facebook-Nutzer wissen nicht, dass sie im Internet sind. Wie kann das sein? Sind die einfach nur zu doof fürs Internet oder ist es nicht doch eher Unwissenheit?

Eine Umfrage  des US-News-Dienstes Quartz  in Indonesien und Nigeria, in der die Menschen nach ihrem Internetverhalten befragt wurden, bringt ein skurriles Phänomen ans Licht: „Eine Menge Menschen kennen den Unterschied zwischen Facebook und dem Rest des Internets überhaupt nicht, für diese Menschen ist Facebook DAS Internet“

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(Screenshot: CHIP)

Unter anderem wurden bei der Quartz Umfrage die beiden Fragen an die Teilnehmer gestellt, ob sie zuletzt das Internet, und ob sie Facebook genutzt hätten. Von jeweils  500 Teilnehmer aus Indonesien und Nigeria gaben Elf Prozent der Befragten an, dass sie zwar Facebook, aber NICHT das Internet nutzen würden.

„D.h. außerhalb der westlichen Industrieländer und den hochentwickelten asiatischen Ländern ist noch einiges an Aufklärung zu leisten.“

Die Wahrnehmung des Internets in den Schwellenländern, als auch in anderen Entwicklungsländern ist deutlich anders als in der westlichen Welt.

Während Europäer und Amerikaner seit Jahren das Internet nutzen und eben vor einiger Zeit soziale Netzwerke als ein Dienst unter vielen hinzu kamen,  ist Facebook für viele Bewohner von  Schwellen- und Entwicklungsländern leben DAS INTERNET.

Facebook lässt sie natürlich nur zu gerne in diesem Glauben und das hat seinen Grund!

Ein Internetzugang ist  gerade für viele  Menschen in ärmeren Ländern unerschwinglich. Anderswo in den Ländern gibt es vielleicht nur eine sehr schlechter Internet-Anbindung oder  überhaupt keine. Dass Facebook in solchen Ländern dann populärer ist, als das freie Web, ist nachvollziehbar.
Für die  Menschen ist Facebook daher nicht nur die einzige Anlaufstelle für Informationen, sondern auch oft der erste Kontakt zum Internet überhaupt.

Laut Facebook-Managerin Sheryl Sandberg besorgen sich daher viele Menschen  nur allein für Facebook ein Smartphone,  also ein Telefon mit Internetanschluss. Der Grund dafür ist schnell gefunden:

Der Facebook -Zugang ist in entsprechenden Ländern über die Internet.org-Initiative des Sozialen Netzes für Nutzer leichter zugänglicher als das Internet per se. Hinzu kommt das dieser Zugang zudem auch noch kostenlos oder aber sehr günstig zu haben ist, im Gegensatz zum Rest des Webs. In vielen dieser Länder gibt es auch Facebook-Flats oder sehr günstige Facebook-Tarife, die einen Bruchteil  dessen kosten, was dieselben Anbieter für das freie Web verlangen.

Klingt wie damals AOL

Durch den Zusammenschlusses einiger Technologie-Firmen wie Ericson, Samsung, Nokia, Facebook und einigen mehr ist es möglich, dass Facebook  daher in vielen Entwicklungsländern der am günstigste zu erhaltende Internetdienst ist und Menschen die bislang noch keinen Zugang zum Internet hatten, genau diesen daher möglichst günstig zu verschaffen. Dazu setzen die Partner auf eine klare Mobil-Strategie und eine spezielle App.

Die erst kürzlich veröffentlichte Facebook-Lite-App läuft auch auf weniger gut ausgestatteten Smartphones stabil, so können Inhalte über Facebook auch bei einer langsamen Mobilfunkverbindung genutzt werden. Zudem filtert sie vorab Datenintensive Inhalte.
Für die Nutzung der Inhalte innerhalb der App fallen keine Telefon- oder Datentarif-Kosten an. Heißt: Die Facebook-Nutzung ist frei. Mit im Angebots-Set der App ist auch die Google-Suche.

Dieses “rundum sorglos” Paket fühlt sich an wie die AOL-Installationen der 90er: da war alles drin. Chat, Dienste, E-Mail. So manch einer wußte damals gar nicht, was ein “Browser” ist.

Versteckte Tücken

So ist die Nutzung der Suche gratis. Sobald ein Nutzer jedoch auf eines der Suchergebnisse drückt, verlässt er den geschlossenen App-Raum und es fallen Datenkosten an. Den Studien zufolge macht das auch Sinn, denn nur knapp die Hälfte klickt auf Links, die auf Inhalte außerhalb Facebooks verweisen.

Dieses Phänomen konnten auch wir beobachten! Der Facebooknutzer fühlt sich in seiner Facebook-Umgebung wohl und verlässt diese ungerne. Das ist auch ein Grund, warum Betrüger häufig Facebookseiten nachahmen: der Nutzer soll sich wohlfühlen.

Facebooks Weg der Manipulation: Menschen künstlich dumm zu halten?

Für Facebook und auch andere Unternehmen wie Google sind diese Schwellen- und Entwicklungsländer ein interessanter Markt. Während in den großen Märkten bereits eine Sättigung eintritt, kann man in diesen Ländern noch verdienen. Auch wenn Internet.org tatsächlich helfen wird, Millionen Menschen einen bezahlbaren Zugang zu mobilen Diensten zu verschaffen, sorgt das Projekt auch dafür, dass sie vor allem zu Facebook und später erst möglicherweise zu Web-Nutzern werden.

Doch so selbstlos der kostenlose Internetzugang durch diese Initiativen klingt, so bedenklich ist er auch. Facebook lockt mit einem vermeintlichen Gratis-Angebot. Die Inhalte, die diese Nutzer zu sehen bekommen, bestimmt Facebook. Das „freie Internet“ bekommt diese Nutzergemeinde nie zu sehen. Zumindest scheint dies der Plan zu sein.

Autor: Marlene, mimikama.at


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