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Samstag, 24 Juli 2021
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Baerbock Aussage über Witwenrente ist ein Fake!

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Derzeit gibt es fast regelmäßig Falschmeldungen über die Kanzlerkandidaten der Grünen Annalena Baerbock. So auch nun wieder.

Es geht um eine Aussage, die Baerbock getätigt haben soll. Eine Aussage über die Witwenrente. Angeblich wolle die Kanzlerkandidaten der Grünen diese Witwenrente abschaffen.

Das wird zumindest auf einem Sharepic verbreitet, welches Menschen über WhatsApp oder Facebook versenden. Auf dem Sharepic ist auf der linken Seite ein Bild der Politikerin zu sehen. Auf der rechten Seite befindet sich ein längerer Text. Dort lesen wir Folgendes:

Frau Baerbock: „Witwenrente abschaffen“
Die Witwenrente ist ein Relikt aus der militanten Vergangenheit Deutschlands. Damit sollten die Frauen von, im Krieg getöteten, Soldaten vor sozialer Verelendung geschützt werden. Heute sind unsere Frauen selbstbestimmt und finanziell nicht mehr von Ihren Männern abhängig. Diesem Umstand sollten wir Rechnung tragen. Dieses Relikt aus einer anderen Zeit gehört abgeschafft. Mit den 1,5 Mrd. eingesparter Mittel könnten wir viel für die Integration von Flüchtlingen tun.

Was ist an diesen Sharepic dran? Will die Politikerin der Grünen im Falle ihrer Wahl zur Kanzlerin die Witwenrente abschaffen und diese Gelder für die Integration von Flüchtlingen nutzen?

Was ist die Witwenrente?

Es handelt sich hierbei um eine Rente für Hinterbliebene. Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) beschreibt diese Rente als Absicherung, wenn durch den Tod eines Familienmitglieds ein großes Renteneinkommen ausbleibt:

  • Stirbt Ihr Ehepartner/Lebenspartner oder Ihre Ehepartnerin/Lebenspartnerin, können Sie Anspruch auf eine Witwen- oder Witwerrente haben.
  • Sind Sie Minderjährig oder noch in Schul- oder Berufsausbildung und verlieren einen Elternteil oder sogar beide, können Sie eine Halb- oder Vollwaisenrente bekommen.
  • Sie sind geschieden und erziehen ein minderjähriges Kind? Dann können Sie beim Tod des Ex-Partners eine Erziehungsrente erhalten.
  • Wenn Sie als Witwe oder Witwer wieder heiraten, fällt Ihre Witwen- oder Witwerrente weg. Sie haben dann Anspruch auf eine Rentenabfindung als „Startkapital“.

Faktencheck Witwenrente

In diesem Fall gehen wir ganz klassisch vor. Zuerst suchen wir mithilfe einer Suchmaschine nach der Aussage selbst. In Form einer Zitatsuche finden wir keine Ergebnisse. Die Suche über Schlagwörter aus dem Text ergibt ebenfalls keine Ergebnisse. Das bedeutet, im Netz ist dieser Satz so nicht auffindbar.

Es gibt auch keine Medien, welche darüber berichten. Das Parteiprogramm der Grünen enthält zudem keine Passagen über die Abschaffung der Witwenrente. Im nächsten Schritt suchen wir also nach offiziellen Aussagen seitens der Grünen. Hier gibt es tatsächlich auf Twitter bereits eine Anmerkung der Pressesprecherin und Leiterin Presse und Kommunikation von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:

Dieses Zitat ist schlicht und einfach gefälscht.

Als letzten Schritt suchen wir dann noch nach Sekundärliteratur. Hier werden wir fündig, denn es gibt bereits Faktencheck vom Correctiv und von AFP zu diesem Thema. Beide kommen zu dem gleichen Ergebnis wie wir.

Der Faktencheck von AFP beinhaltet auch noch eine Aussage des Sprechers der Deutschen Rentenversicherung (DRV). Hier hat AFP angefragt, ob die Deutsche Rentenversicherung irgendetwas dazu weiß. Darin wird der Sprecher der Deutschen Rentenversicherung mit der Aussage wiedergegeben, dass es sich um ein „gefälschtes Zitat“ handle.

Was soll das?

Bei dieser Fälschung haben wir es mit einer Falschmeldung zu tun, die gleich auf verschiedenen Ebenen wirkt. Einmal wird ein klassisches Narrativ bedient, dass die Grünen dem deutschen Volk schaden wollen. Und zwar nur dem deutschen Volk. Daher geht es hier um die Witwenrente. Diese steht auf der Metaebene für die deutsche Bevölkerung.

Gleichzeitig wird ein zweites Narrativ bedient, nämlich dass die Grünen eine Art Bevölkerungsaustausch herbeiführen wollen bzw. dass Migranten bevorzugt werden. Daher sollen laut Fake die eingesparten Gelder für Migranten und deren Integration ausgegeben werden, so der Fake.

Interessanterweise spielt es häufig für viele Menschen gar keine Rolle, dass es sich um eine Falschmeldung handelt. Wir lesen regelmäßig abwehrende Sätze wie „hätte aber sein können“ oder „zuzutrauen ist es ihnen“. Diese Aussagen bestätigen, dass die Narrative so sehr wirken, dass selbst absurde Falschmeldungen (wie die über Abschaffung der Witwenrente zugunsten der Integration) für absolut plausibel gehalten werden.

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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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