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WHO: Corona nicht gefährlicher als Grippe? (Faktencheck)

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Angeblich soll die WHO versehentlich bestätigt haben, dass Corona nicht gefährlicher als eine Grippe sei.

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Diverse alternative Nachrichtenseiten berichten, die WHO habe während einer Sondersitzung des Exekutivrats am 5. Oktober quasi versehentlich gesagt, dass Corona nicht gefährlicher als Grippe sei, es habe bloß niemand wirklich verstanden.

Eine Bestätigung der WHO?
Eine Bestätigung der WHO?

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Was soll die WHO genau gesagt haben?

Als Beweis wird eine Videoaufzeichnung der Sitzung angeführt, welche man sich hier ansehen kann (auf der rechten Seite auf „Session 1“ gehen, Position 1:01:33).

„Unseren derzeit besten Schätzungen zufolge könnten etwa zehn Prozent der Weltbevölkerung mit diesem Virus infiziert sein. Dies variiert je nach Land, es variiert von Stadt zu Land, es variiert zwischen verschiedenen Gruppen.“

Weiter wird ausgeführt, dass bei einer Weltbevölkerung von 7,8 Milliarden Menschen somit 780 Millionen infiziert sein müssten. Die weltweite Todesrate lag zum Zeitpunkt des Erscheines jenes Artikels (12. Oktober) bei 1.061.539, was nur eine Sterberate von 0,14% sei und somit weit über den geschätzten 3,4% im März.

Somit sei COVID-19 nicht gefährlicher als die saisonale Grippe.
Wie bei jener deutschsprachigen Seite üblich, wurde der Artikel nicht selbst verfasst, sondern ist eine 1:1 Übersetzung eines englischsprachigen Artikels der Seite corona stocks.

Die Entstehung der Zahlen

Erstens sei deutlich gemacht, dass es sich bei den 10 Prozent um eine Schätzung handelt, die sogar positiv zu bewerten ist, denn wenn dem so sein sollte, ist die Sterberate tatsächlich ziemlich niedrig, etwa im Grippebereich, wo die Sterberate bei 0,1% – 0,2% liegt.

Als Zweites sei deutlich gemacht, dass die WHO von einer besten Schätzung spricht, also dem bestmöglichen Zustand, der sein könnte, das absolute Optimum.

Nun gibt es aber ein Problem, was das Vergleichen von Corona und Grippe angeht:
Die Anzahl von Corona-Toten sind bestätigt, die Anzahl der Grippe-Toten kann jedoch nur geschätzt werden, indem man die Übersterblichkeit betrachtet und eine Dunkelziffer hinzuzieht.

Die falsche Berechnung der Corona-Kritiker

Der Fehler schleicht sich an der Stelle ein, wenn die Kritiker die bestätigte Anzahl der Todesfälle auf die geschätzte Anzahl der Infektionen anwenden, weil dadurch eine statistische Unschärfe entsteht – gesicherte Zahlen werden mit geschätzten Werten verglichen.

Hinzu kommt noch, dass im Gegensatz die Zahl der Grippe-Toten ebenfalls nur geschätzt werden kann, während die Zahl der Corona-Toten bestätigt ist.

Die Annäherung an den echten Wert

Je mehr Menschen getestet werden, umso genauer kann die Sterberate bei Corona bestimmt werden. Die bisherigen Ergebnisse variieren allerdings je nach Ort ziemlich stark, so dass man kaum auf eine allgemeine Sterberate bei COVID-19 kommen kann.

Beispielsweise liegt die weltweite Sterberate derzeit bei 2,82%.
Utah County in den USA hat eine Sterberate von nur 0,28%.
Die komplette USA hingegen hat eine Sterberate von 2,71%.
Deutschland hat eine Sterberate von 2,77%.
Italien hat sogar eine Sterberate von 9,53%.
(Berechnungen basiend auf den Zahlen vom 16.10.2020)

Die starken Schwankungen beruhen unter anderem auch auf das Durchschnittsalter der Erkrankten und die Behandlungsmöglichkeiten. Italien sticht da beispielsweise sehr stark hervor, da auch das Durchschnittsalter dort höher ist.

Und wenn die WHO-Schätzung richtig ist?

Nochmal: Die WHO geht von einer bestmöglichen Schätzung aus. Wenn diese sich bewahrheiten sollte, was aufgrund der bisherigen Werte mehr als optimistisch ist, gibt es aber noch ganz andere Probleme, da ein Vergleich von Corona und Influenza hinkt.

  • Es gibt keinen Impfstoff gegen COVID-19, während gegen die Grippe nicht nur Impfungen, sondern auch eine gewisse Grundimmunität besteht
  • COVID-19 bricht zumeist sehr viel später als eine Grippe aus, Infizierte können tagelang andere infizieren, ohne von der Erkrankung zu wissen
  • Der Krankheitsverlauf bei COVID-19 ist oftmals schwerer als bei Grippe
  • Immer öfter werden Folgeschäden durch COVID-19 festgestellt, die es bei einer Grippe eher selten gibt

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Fazit

Nicht nur, dass der Vergleich von geschätzten Werten mit realen Werten eine statistische Unschärfe erzeugt (es fehlt beispielse dann eine Dunkelziffer von Menschen, die an Corona starben, von denen man aber nichts weiß), ist auch der Vergleich mit der Grippe nicht sehr sinnvoll.

Weitere Quellen: schwäbische, nu

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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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