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Freitag, 28 Mai 2021
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Der Wendler hat die Chemtrails entdeckt!

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Es ist schon irgendwie putzig, wie der gefallene Schlagersänger nun eine Verschwörungstheorie nach der anderen für sich entdeckt und sie für Neu hält.

Ein wenig ist es wie die Eltern oder Großeltern, die erst seit kurzem ein Smartphone haben und einem nun Memes zuschicken, die schon vor Jahren veraltet waren. Ähnlich ist es mit dem Ex-DSDS Juror Michael Wendler, der von „Sie liebt den DJ“ zu „Er liebt den Schwurbel“ umgestiegen ist und nun von Chemtrails erzählt.

Michael Wendler verbreitet nun auch eine Verschwörungstheorie, die es erst seit 1996 gibt und sich erst nur in dubiosen Internet-Foren verbreitete, bevor sie dank sozialen Medien wie Facebook und YouTube ihren unrühmlichen „Siegeszug“ antritt: Chemtrails und die Tanks dafür in Flugzeugen!

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Wendler und die Chemtrails
Wendler und die Chemtrails

So behauptet Wendler, es gäbe wissenschaftliche Belege (!), die eindeutig beweisen sollen, dass lange, weiße Streifen, welche sich nicht schnell auflösen, ein eindeutiges Indiz dafür sind, dass diese Gift versprühen.

Zudem verstopfe das Aluminium und Barium die Drüsen, weshalb man nicht mehr selber denken könne (außer man lebt, wie Wendler, in den USA, wo es natürlich keine Chemtrails gibt). Die Zwirbeldrüse (sic!) im Zugangsbereich zum Gehirn werde auch blockiert.

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Chemtrails? Was soll das sein?

Das Wort „Chemtrails“ setzt sich aus aus den Wörtern Chemikalien und Contrails zusammen, grob übersetzt also chemische Kondensstreifen.

Nun kennen wir alle diese weißen Streifen am blauen Himmel, die man sieht, wenn ein Flugzeug gerade da geflogen ist. Den Verfechtern der Chemtrails-Theorie ist aber aufgefallen, dass manche dieser Streifen länger am Himmel zu sehen sind als andere und sich langsam ausbreiten… für sie ein untrüglicher Beweis, dass in den Kondensstreifen noch etwas anderes ist, und zwar: Chemikalien, die die Menschen vergiften sollen!

Warum sieht man manche Streifen länger?

Nun, tatsächlich halten sich manche Kondensstreifen länger am Himmel als andere. Aber das liegt eben nicht an chemisch zugesetzten Stoffen, denn wie lange sich ein Kondensstreifen hält, liegt immer am Luftdruck, der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit an diesem Tag.

Kleiner Exkurs: Das kann man selbst dokumentieren und überprüfen! Man fotografiere einfach den Himmel jeden Tag, an dem man einen solchen Kondensstreifen sieht, und notiert sich dazu auch noch Datum und Uhrzeit. Gleichzeitig vergleiche man aber auch die genauen Wetterdaten auf den verschiedenen Wetterseiten.

Irgendwann wird man feststellen, dass sich die eigenen Beobachtungen perfekt mit denen in der „Appleman-Chart“ decken, in der wunderschön ansehnlich aufgezeigt wird, bei welchen Wetterkonditionen welche Streifen entstehen.

 

Appleman chart
Appleman chart

Am Ende dürfte diese Art Chemtrails aus dieser Flughöhe auch völlig ineffektiv sein. Flugzeuge fliegen auf einer Höhe von 30.000 ft (ca. 10 Kilometer), aus dem einfachen Grund, weil in dieser Höhe der Luftwiderstand niedrig ist und so weniger Kerosin verbraucht wird. In 24.000 ft (ca. 7.5 Kilometer) Höhe beginnt die sogenannte Tropopause, sprich: Wettergeschehnisse spielen sich unter dem Flugzeug ab, der Flug selber bleibt also von etwaigen Unwettern meist unberührt.

Außerdem wehen dort oben die sogenannten Jetstreams und die würden jedes durch „Chemtrails” rausgeblasene Schwermetall-Teilchen unkontrolliert über den Globus blasen, aber keinesfalls dort landen lassen, wo das Flugzeug gerade drüber fliegt.

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Was ist mit Barium und anderen Schwermetallen?

Einen Nachweis dafür gibt es nicht, behauptet wird es aber trotzdem immer wieder.

2007 wollte ein Mann in Arkansas den Nachweis und sammelte daraufhin Regenwasser, welches er dann in einem Labor untersuchen ließ. Die Ergebnisse gab er an einen örtlichen Radiosender weiter, welche mit Entsetzen verkündeten, dass der Bariumgehalt im Regenwasser 3x so hoch sei, wie normal. DER Beweis also!

Leider auch nicht… denn jener Sender verwechselte ug/l (Mikrogramm pro Liter, also ein Millionstel Gramm) und ppm (parts per million). Klingt beides gleich, ist aber ein Unterschied, denn ug umgerechnet auf ppm wäre dann ppb (parts per billion, also ein Milliardstel-Teil).

Es wurde sich also um 3 Nullen verrechnet, trotzdem hatte das Wasser immer noch einen erhöhten Bariumwert (normales Wasser: 43 ug, sein Wasser 68.8 ug). Nun liest man auf Chemtrails-Seiten oft, dass Barium unnatürlichen Ursprungs und hochgiftig sei, in Wirklichkeit findet sich Barium allerdings ganz normal in der Erde und diversen Gesteinssorten, kommt also ganz normal in der Natur vor, und je nach Wohnort kann der Bariumgehalt höher oder niedriger sein.

Und die Beweisfotos?

Für eine großangelegte „Vergiftungsaktion“, die eigentlich geheim sein sollte, gibt es erstaunlich viele angebliche Beweise. Gehen also die „Chemtrail-Piloten“ und deren Vorgesetzte so lasch mit dem Geheimnis um, dass man sogar Angela Merkel in einem solchen Flugzeug fotografiert? Oder sieht man da doch etwas anderes?

Wir berichteten bereits in einem ausführlicheren Artikel über eine Vielzahl jener Fotos, welche man auch auf öffentlichen Seiten findet.

Die simple Lösung lautet: Ballasttanks!

Solche Tanks finden sich in Flugzeugen, deren Flugverhalten unter bestimmtem Belastungen getestet werden soll. Diese Tanks sind mit Wasser gefüllt, und die Ingenieure können während des Fluges Wasser zwischen den Tanks transportieren, um das Gewicht simulierter Fracht oder Passagiere zu verlagern.

Der Schwerpunkt, oder CG, wie Piloten es nennen, ist für die Flugeigenschaften eines Flugzeugs wichtig. Während des Flugtests muss die Fluggesellschaft sicherstellen, dass das Flugzeug auch bei außergewöhnlichen Flugmanövern sicher und effizient ist.

Fazit

Schade, dass Wendler & Co sich anscheinend nur noch auf sehr dubiosen Seiten „informieren“ und unsere Seite beispielsweise meiden wie der Teufel das Weihwasser oder manche Schwurbler einen Duden. Dann wäre dieser Artikel gar nicht nötig.

Weitere Quellen: Vice, Wikipedia, Scepticproject, Chemtrail-Fragen, Spiegel

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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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