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Dienstag, 30 November 2021

Sollte Weißrussland Geld für einen Lockdown bekommen? (Faktencheck)

An diversen Stellen wird behauptet, Weißrussland sollte bestochen werden.

Konkrekt erzählt in einem Video mit dem Namen „Wenn das wahr ist … ‼️“ eine Frau, dass sie brisante Informationen erhalten habe: Weißrussland solle über 900 Millionen Dollar bekommen, wenn dort ein Lockdown nach italienischem Vorbild durchgeführt wird.

Den von der Frau gesprochenen Text findet man auch auf einer Webseite. Dort heißt es, dass die Informationen von der italienischen Seite „Database Italia“ stammen. Lukaschenko soll dies in einer Pressekonferenz erzählt haben.

DIe Pressekonferenz

Den entsprechenden Ausschnitt kann man auf YouTube anschauen.

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Er erzählt, dass den Weißrussen 940 Millionen Dollar per Schnellkredit angeboten wurden, er das Angebot aber ablehnte.

Mit keinem Wort erwähnt er dabei die WHO oder redet von Bestechung.

Der Artikel auf Database Italia

Begibt man sich in der Seite „Database Italia“ auf die Suche, findet man keinen einzigen Artikel über die WHO im Zusammenhang mit Weißrussland, Bielorussia, Lukashenko ( beides italienische Schreibweise) oder Belarus.

Was aber zu finden ist: Ein Artikel mit der Überschrift „Lukaschenko: Die Hilfe der Weltbank und des IWF für das Coronavirus wird nur unter der Bedingung gewährt, dass das „italienische Modell“ des Lockdown befolgt wird“, was den Behauptungen ja recht nahe kommt.

Und was steht darin genau?

Nur die Hälfte von dem, was die Frau und der Blog behaupten, zudem anders, als es dort dargestellt wird.

Demnach besteht die einzige „Enthüllung“ darin, dass Lukaschenko tatsächlich auf einer Pressekonferenz öffentlich die Bedingungen für einen Kredit der IWF verkündete, was normalerweise von der Politik eher sparsam an ihre Bürger kommuniziert wird.

Der IWF

Bei dem IWF (Internationaler Währungsfonds) handelt es sich um eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, welche u.a. die Aufgabe hat, die Stabilität des internationalen Finanzsystems zu stärken.

In diesem Rahmen kann der IWF auch Kredite an Länder vergeben, wenn diese eine finanzielle Spritze zur Aufrechterhaltung der Wirtschaft benötigen. Diese Kredit sind aber immer an Bedingungen gebunden, die die Wirtschaft eines Landes auf Dauer wieder stärken sollen.

Die Forderung

Weißrussland erbat also einen Kredit von der IWF, daraufhin bekamen sie die Bedingungen dafür genannt. Neu ist, dass darunter auch unter anderem harte Lockdown-Maßnahmen nach italienischem Vorbild gefordert wurden.

Die Ablehnung

Lukaschenko hatte klare Worte dafür: Er möchte nicht, dass sich „die italienische Situation“ in Belarus wiederholt. Es sei „unser Land und unsere Situation“, er werde nicht „zum Rythmus der anderen tanzen“.

Weißrussland und das neue Coronavirus

Belarus ist eines der wenigen europäischen Länder, das keine strengen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus ergriffen hat. Die Situation ohne Einschränkungen ist so, dass auch nicht wesentliche Dienste offen bleiben.

Die belarussische Fussballliga spielt ebenfalls noch. Die einzige Art der Einschränkung, die Belarus bisher gemacht hat, ist die Verlängerung der Schulferien. Lukaschenko ist der Meinung, dass eine vollständige Blockade nicht unbedingt notwendig ist.

In Belarus gab es bisher 69.589 Corona-Fälle, davon sind 613 gestorben (Stand: 17. August, 14:45 Uhr).

Nach Ansicht Lukaschenkos handele es sich bei dem neuen Coronavirus nur um eine Psychose. Er selbst und 97 Prozent seiner Bevölkerung bestünden die Erkrankung ohne Symptome, dafür gibt es allerdings keine wissenschaftlichen Nachweise.

Als beste Waffe gegen eine COVID-19 Erkrankung schlägt Lukaschenko den Besuch von Badehäusern und das Trinken von Wodka vor.

Zusammenfassung

Nein, Weißrussland wurde nicht bestochen.

Sie baten um einen Kredit beim IWF über 940 Millionen Dollar. Jener Kredit war unter anderem an die Bedingung geknüpft, es müsse in Belarus harte Lockdown-Maßnahmen durchgeführt werden, was Lukaschenko, der die Gefährlichkeit von COVID-19 anzweifelt, ablehnte.

Artikelbild: Shutterstock / Von Asatur Yesayants

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