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Freitag, 28 Mai 2021
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Faktencheck zu „Dringender Weckruf: Tausende sterben nach Corona-Impfung“

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Ein Video des Internet-Auftritts einer Schweizer Sekte wird stark verbreitet: Angeblich gab es bereits tausende Tote nach den Corona-Impfungen. Doch die genannten Zahlen sind irreführend.

In dem 27 Minuten langen Video werden mehrere Schlagzeilen und Daten aus diversen Medienberichten und der EMA (Europäische Arzneimittelbehörde) gezeigt. Die Schlagzeilen über die Corona-Impfung sind zumindest sinngemäß richtig, werden jedoch irreführend präsentiert und mit Spekulationen gewürzt, um ein bedrohliches Szenario aufzubauen.

Hier eine der Anfragen über das Video an uns:

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Eine der Anfragen an uns über Tote nach Corona-Impfungen
Eine der Anfragen an uns über Tote nach Corona-Impfungen

Auch in dem dazugehörigen Artikel gibt es einige Falschbehauptungen. Beispielsweise wird behauptet, dass zwar seit 20 Jahren an mRNA-Impfungen geforscht wird, diese jedoch kläglich gescheitert seien. Das Gegenteil ist allerdings der Fall: Solcherlei Impfstoffe werden schon seit Jahren bei Tieren angewendet, beispielsweise seit 2008 für Katzen gegen Tollwut, seit 2006 für Hunde, ebenfalls gegen Tollwut (siehe HIER und unser Artikel HIER).

Der Faktencheck

Die Schlagzeilen

Am Anfang des Videos werden mehrere Schlagzeilen diverser Medien eingeblendet, die jedoch bereits irreführend sind. Unsere Leserinnen und Leser wissen, dass Überschriften alleine keine komplette Information sind.

Nur ein Beispiel: Eingeblendet wird beispielsweise die Schlagzeile „16 von 70 Bewohnern nach Impfung verstorben“, als Quelle wird die Volkszeitung Leipzig eingeblendet.
Eine „Volkszeitung Leipzig“ gibt es nicht, jedoch eine Leipziger Volkszeitung, die darüber berichtete (siehe HIER), auch die Berliner Zeitung (siehe HIER).

Aus den Artikeln ist jedoch ersichtlich, dass es in dem Altenheim einen Corona-Ausbruch kurz nach der ersten Impfung gab. Unklar ist, ob sich die Personen bereits vor oder erst nach der ersten Impfung infizierten, klar ist jedoch, dass sie an COVID-19, nicht als Folge der ersten Impfung starben – die Schlagzeile in dem Video ist somit irreführend.

Auch die anderen eingeblendeten Schlagzeilen lassen sich mit einer einfachen Google-Suche bereits entkräften, wobei wir an dieser Stelle nicht auf jede einzelne Schlagzeile eingehen, um den Rahmen des Artikels nicht zu sprengen: Zusammenfassend kann jedoch gesagt werden, dass die Schlagzeilen irreführend sind.

Die dokumentierten Todes- und Krankheitsfälle

In dem Video werden auch immer wieder Daten der EMA (Europäische Arzneimittelbehörde) und des PEI (Paul-Ehrlich-Institut) eingeblendet, also zwei seriösen Quellen, die jedoch beweisen sollen, dass viele Todes- und Krankheitsfälle durch die Impfungen sogar dokumentiert sind.

Bereits in mehreren Artikeln (siehe HIER, HIER, HIER und HIER) gingen wir ausführlich auf die augenscheinlichen Todesfälle durch Impfungen in den Daten der EMA und des PEI ein.
Kurzgefasst handelt es sich um gemeldete Daten von Ärzten, aber auch Privatpersonen (je nach Datenbank) über Verdachtsfälle, welche im zeitlichen Zusammenhang mit der Corona-Impfung stehen.

Deswegen werden sie auch in jenen Datenbanken erfasst, doch aus den Daten geht nicht hervor, ob die Todes- oder Krankheitsursache tatsächlich die Corona-Impfung war, da auf vielen der Datenblätter auch einige andere Medikamente und (Vor-)Erkrankungen gelistet sind, die zu der Todesursache geführt haben können.

Interessant auch, dass es sich um „lebendige“ Datenbanken handelt: Fälle, die man vor einigen Wochen noch fand, finden sich dort jetzt nicht mehr – und das aus einem einfachen Grund: Die Fälle werden natürlich genauer untersucht, und sobald sich herausstellt, dass die Corona-Impfung nicht die Todes- oder Krankheitsursache ist, verschwinden diese Fälle auch wieder aus den Datenbanken.

Die Systeme zur Meldung möglicher Nebenwirkungen sollen in erster Linie dazu dienen, Auffälligkeiten in der Gruppe der Geimpften zu ermitteln. Diese werden dann mit den vermuteten Krankheits- und Todesfallzahlen ohne Impfung abgeglichen, wodurch eine Datenbank von Auffälligkeiten und Mustern bezüglich Symptome und Ausbreitung entsteht.

„Die Impfungen lösen Corona erst aus“

Es scheint sehr schwierig zu sein, sich auf einen Verschwörungsmythos zu einigen:
Einerseits gibt es COVID-19 gar nicht, dann wiederum wird es durch 5G ausgelöst und nun auch durch die Impfungen – wird zumindest auch in diesem Video behauptet.

Es gibt allerdings mehrere Gründe, warum Menschen nach einer Corona-Impfung trotzdem erkranken, wie das RKI unter der Frage „Kann es trotz COVID-19-Impfung zu einer COVID-19-Erkrankung kommen?“ (siehe HIER) erklärt:

Es kann jedoch auch trotz COVID-19-Impfung zu einer COVID-19-Erkrankung kommen, da die Impfung keinen 100%igen Schutz bietet.

Zu einer Erkrankung kann es auch dann kommen,

  • wenn die Infektion kurz vor der Impfung stattgefunden hat (wenn also in der Inkubationszeit geimpft wurde, die mittlere Inkubationszeit bei COVID-19 beträgt 5-6 Tage) oder
  • wenn eine Infektion in den ersten Tagen nach der Impfung erfolgt ist, bevor der Impfschutz vollständig ausgebildet werden konnte. Eine Wirkung der Impfung tritt in der Regel 10-14 Tage nach Applikation der 1. Impfstoffdosis ein.

Oft werden aber auch Atemwegsinfekte, die durch andere Erreger verursacht werden, fälschlicherweise für ein Impfversagen gehalten. Das Auftreten einer fieberhaften Erkältung aufgrund anderer Erreger stellt aber kein Versagen der COVID-19-Impfung dar. Zudem kann die Impfung selbst leichte fieberhafte Reaktionen hervorrufen, die eine Reaktion des Immunsystems darstellen und nicht mit einer Atemwegs- oder COVID-Infektion verwechselt werden sollten.

„Die Impfungen sind nicht sicher, es ist nur eine Notfallzulassung“

Auch eine Behauptung, die in dem Video auftaucht: Normalerweise werden Impfstoffe Jahre bis Jahrzehnte getestet, die Corona-Impfstoffe jedoch sind bereits jetzt schon auf dem Markt, was nur bedeuten könne, dass sie noch viel zu unsicher sind und wir alle „Versuchskaninchen“ seien.

Tatsächlich verfügt die EU über eine Regulierung, die es ermöglicht, Medikamente und Impfstoffe in Notfallsituationen (wie eben der Corona-Pandemie) durch eine bedingte Marktzulassung bereits freizugeben. Ganz wichtig: das Wort „bedingt“, denn es sind strenge Bedingungen damit verknüpft.

Solche Bedingungen sind, dass der Zulassungsinhaber beispielsweise bestimmte Studien einleiten oder abschließen muss, um nachzuweisen, dass das Nutzen-Risiko-Verhältnis positiv ist, und um offene Fragen zu Qualität, Unbedenklichkeit und Wirksamkeit des Arzneimittels zu beantworten (siehe HIER).

Entscheidend für eine Beschleunigung des Verfahrens sind fortlaufende Überprüfungen, die es der EMA in Notfällen ermöglichen, für vielversprechende Arzneimittel oder Impfstoffe Daten zu bewerten, sobald sie verfügbar werden, anstatt abzuwarten, bis alle Versuche abgeschlossen sind (siehe HIER).

Es handelt sich bei den Zulassungen der Corona-Impfstoffe in der EU um eine bedingte Zulassung (nicht um eine Notfallzulassung), was noch einmal deutlich gemacht werden muss. Die sehr ausführlichen Details und Unterschied finden sich hier: „Fragen und Antworten: Bedingte Marktzulassung für COVID-19-Impfstoffe in der EU“.

Fazit

Das Video, welches wie ein Nachrichtenmagazin aufgemacht ist, um seriös zu wirken, enthält unterm Strich sehr viele Falschaussagen und irreführende Interpretationen und Spekulationen.

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Weitere Quelle: Correctiv
Auch interessant:
Bereits im März 2020 beschäftigten wir uns mit einem Video jener Seite, dessen Inhaber auch der Leiter der Schweizer Sekte „Organische Christus-Generation“ (OCG) ist. Damals wurde behauptet, dass SARS-CoV-2 wahrscheinlich eine Biowaffe sei.
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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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