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Was ist denn nun mit der ewigen Glühbirne?

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Seit 2012 gibt es sie bereits: Die Glühbirne, welche fast „unendlich“ leuchten soll.

Doch scheint sich kein Unternehmen wirklich für die Glühbirne zu interessieren, weswegen sich auch immer wieder die Frage gestellt wird, woran das denn nun liegt. Eine Verschwörung der Konzerne oder doch etwas anderes?

Die Geschichte hinter der Glühbirne

Am 1. September 2012 trat Stufe 4 des EU-Verbotes für herkömmliche Glühbirnen in Kraft, seitdem dürfen nur noch Energiesparlampen oder Glühlampen unter 60 Lumen (etwa 10 Watt) verkauft werden. Just im gleichen Jahr trat ein Mann namens Benito Muros hervor und präsentierte eine von ihm entwickelte Lampe, welche nahezu unendlich lang leuchten soll.

Seine geniale Erfindung könnte ihn teuer zu stehen kommen…

Dieser Mann hat etwas so hilfreiches erfunden, dass er jetzt im sein eigenes Leben fürchtet. Seine wertvolle Erfindung könnte unser Konsumverhalten und unsere Energieverschwendung drastisch verändern und eindämmen. Aber anscheinend gibt es eine Gruppe von Leuten im Verborgenen, die alles dafür tun, dass es gar nicht erst dazu kommt.Leider wird so eine Lösung für die Klimakrise immer unwahrscheinlicher…Abonniere unseren YouTube-Kanal: http://bit.ly/yt-positivde

Gepostet von Positiv + am Dienstag, 3. Dezember 2019

Das Prinzip

Ein großes, technisches Geheimnis liegt nicht hinter der Glühbirne, stattdessen ist das Prinzip sehr einfach:
Sämtliche Komponenten der Glühbirne wurden überproportioniert, damit beispielsweise die Widerstände, das Glas und der Glühdraht viel länger halten. Zudem sind die Komponenten der Birne nicht fest miteinander verschweißt, sondern zusammengesteckt: Sollte mal eine der Komponenten kaputt gehen, ist diese austauschbar, ohne gleich eine komplett neue Birne kaufen zu müssen.

Die Vermarktung

2014 war die Glühbirne dann anscheinend marktreif: Sie wurde auf den Namen „iwop“ getauft und auf einer eigenen Webseite (unter dem Link noch einsehbar) vertrieben. Amazon zeigte ebenfalls großes Interesse an der Vermarktung der „ewigen Lampe“, dort wurde sie für 33,80 Euro pro Stück angeboten.

Knapp 34 Euro sind zwar ein stolzer Preis, doch sollte man auch bedenken, dass laut den Angaben Benito Muros‘ die Glühbirne 50 Prozent Energie gegenüber LED-Lampen und 96.5 Prozent gegenüber herkömmlichen Glühlampen spart. Durch den geringeren Stromverbrauch werde zudem noch 70 Prozent weniger CO2 ausgestoßen, umweltfreundlich sei sie damit auch noch.

So sorgte die Glühbirne also für einiges Aufsehen, und es war nicht so, dass niemand Interesse daran hatte, sie zu vermarkten, unter anderem wollte das weltweit agierende Energieunternehmen „Elecnor“ in das vielversprechende Produkt investieren.

Kritische Stimmen

Doch im gleichen Jahr wurden auch die ersten Kritiken laut, da Benito Muros‘ Glühbirne anscheinend mehr verspricht, als sie halten kann.
So äußerte sich Nacho Villén, Director des Unternehmens „LED y Spa“ sowohl damals als auch erneut 2019 zu dem Produkt, welches von dem Unternehmen sehr ausführlich in einem Blogbeitrag untersucht wurde.

Reich bebildert und mit vielen Messungen wird dort beschrieben, wie die Glühbirne aufgebaut ist und welche Werte sie erzielt. So wurden folgende Werte gemessen:

  • Die Lampe verbraucht 6W, nicht 3.5W, wie angegeben.
  • Sie hat eine Leuchtkraft von 538 Lumen, was 89.6 Lm/Watt enspricht. Angegeben sind 214 Lm/W.
  • Jene 214 Lm/W könnten auch gar nicht erreicht werden, da das Maximum der in der Birne verwendeten LEDs bei 150 Lm/W liegt.

Zusammenfassend sagt der Blog, dass es sich zwar um eine gute Birne handelt, zu der jedoch überhöhte Angaben bezüglich der Leistungsfähigkeit gemacht werden. Auch steht die Frage offen, wo man seine Garantie von 25 Jahren einlösen kann, da die ursprüngliche Webseite gar nicht mehr existiert.

Auch die Firma „OEP Electrics“ und die SOP Bewegung distanzierten sich nach anfänglicher Zusammenarbeit bereits am 1. Juli 2013 in einer offiziellen Presseerklärung von Benito Muros. Genaue Angaben wurden in der Presseerklärung nicht genannt, nur dass sich Muros unehrlich gegenüber der „OEP Electrics“ verhalten habe und eine weitere Zusammenarbeit nicht möglich sei.

Am Interessantesten aber sind die Aussagen des ehemaligen Mitarbeiters und Mitentwicklers José Luis Marcos, der als technischer Direktor für Muros arbeitete. So sagte er, dass das Projekt zwar spannend begann, aber immer mehr zu einer Belastung wurde, da Marcos prinzipiell ein Jahr lang ohne Vertrag, ohne Lohn und ohne Sozialversicherung für Muros arbeitete, mit dem wenigen Geld, welches er erhielt, konnte er nur die Tagesausgaben decken.

Das an sich ist noch keine Kritik an dem Produkt selbst, jedoch erzählt Marcos auch, dass er die Glühbirne nur bis zu einem gewissen Punkt entwickeln konnte, so dass es zu einem Prototypen reichte. Für die weitere, marktfähige Entwicklung hätte es ein Team gebraucht, welches er aber nicht bezahlen konnte.

So sei die vertriebene Glühbirne eigentlich nichts weiter als ein Prototyp mit einer geschätzten Lebensdauer von 50.000 Stunden, was dem Höchstwert einer LED-Lampe entspricht.

Kritik auch an der Sicherheit

Damit die Birnen trotzdem irgendwann mal repariert werden müssen, wurden billigere Materialien verwendet, so Marcos. Allerdings stellt das Auseinandernehmen auch ein Sicherheitsrisiko dar: Ihm selber sei es widerfahren, dass er bei einer Vorführung, in der er zeigen wollte, wie einfach die Birne für jeden auseinandernehmbar ist, einen elektrischen Schlag erlitt, da in der Birne noch Reststrom vorhanden war.

So versuchte er, Muros davon zu überzeugen, die Birne so zu konstruieren, dass sie nur von Technikern auseinandergenommen werden konnte, was dieser jedoch ablehnte.

Ein Prozess

Muros widerspricht den Aussagen seines ehemaligen Mitarbeiters und verklagt diesen auf Veruntreuung von geistigem Eigentum, Beleidigung und unlauterem Wettbewerb. Er behauptet, Marcos handele im Auftrag von multinationalen Unternehmen, die an dem Produkt interessiert seien.
Der Prozess soll im Januar 2020 stattfinden.

Fazit

Auf Amazon ist die Glühbirne nicht mehr zu finden, auch die Webseite existiert nicht mehr.
Nach anfänglicher Begeisterung über die „ewige“ Glühbirne machte sich bald sowohl bei Händlern als auch Investoren Nüchternheit breit: Die technischen Werte der Glühbirne waren eher unbefriedigend für den Preis, zudem nachweislich falsch, die angegebene Lebensdauer beruht logischerweise rein auf Hochrechnungen.

Einzig aufgrund des anstehenden Prozesses im Januar 2020 macht Muros nun wieder mit einem alten Präsentationsvideo, welches auch auf WhatsApp geteilt wird, wieder von sich reden, gewürzt mit Todesdrohungen, die er aufgrund der Entwicklung der Lampe bekommen haben soll.

Zum jetzigen Zeitpunkt kann man allerdings nur zu dem Schluss kommen, dass es entweder eine große Verschwörung der Unternehmen gegen die Lampe gibt (obwohl Energieunternehmen selbst darin investierten) oder es doch zu schön war, um wahr zu sein.

Artikelbild. Shutterstock / Twitter / Benito Muros

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