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Warnungen vor dem „Grusel-Goofy“ sind überzogen!

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Könnt Ihr Euch noch an „MOMO“ erinnern?

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Bereits damals waren wir der Ansicht, dass es sich dabei nur um einen viralen Hoax handelt. Einziger Beweis ist ein Ausschnitt eines Videos, ein vermehrtes Auftauchen von Videos mit Momo-Inhalten konnte aber damals nicht nachgewiesen werden.  Bemängeln muss man an dieser Stelle die Berichterstattung vieler Medien, die unreflektiert die Thematik aufgegriffen haben und teilweise absurde Behauptungen von „gehackten“ Videos verbreiten und verteilen. Es gibt im Endeffekt nur einen Angstmacher: Die übersteigerte Mediendarstellung selbst, welche Eltern in Panik versetzt und Kindern noch mehr Angst macht!

Kurz zu den Anfänge von „Momo“

Keisuke Aiso ist ein 43-jähriger Künstler aus Japan. Im Jahre 2016 schuf er für eine Kunstgalerie in Tokyo eine Statue, die er „Mother Bird“ nannte. Einige Besucher ließen sich mit der Statue, die den Spitznamen „Momo“ bekam, fotografieren, so gelangten die ersten Bilder des bizarren Vogelwesens ins Internet. Zwei Jahre später wurden Fotos von „Momo“ für makabere Scherze auf WhatsApp genutzt, angeblich sei sie ein Kind, welches vor Jahren starb und nun per WhatsApp Nutzer aufforderte, ihre Nachricht zu teilen, da sie sonst als Geist erscheinen und sie töten würde.

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Und nun gibt es aktuell den „Grusel-Goofy“

Wir haben über dieses Phänomen bereits hier und hier berichtet. Zwei Phänomene, die schon seit Jahren die Runde machen, mischen sich jetzt neu: Die Blue Whale Challenge, die seit 2016 in unterschiedlicher Form immer wieder auftaucht, und ein grauslicher Goofy-Cosplay aus dem Jahr 2017 werden nun neu zusammengestellt.

Das Foto des Goofy-Cosplay (unter Abwandlungen des Namens Jonathan Galindo) wird dazu genutzt, um in verschiedenen Sozialen Netzwerken Unbekannte anzuschreiben und mit ihnen Kontakt aufzunehmen. „Willst du mit mir spielen?“ und ähnliche Fragen greifen die mögliche Langweile von Kindern und Jugendlichen zu Beginn der Sommerferien auf.

Der NDR sieht dies genau so wie wir! 

„ZAPP“: Warnungen vor „Jonathan Galindo Challenge“ „überzogen“

Seit Anfang Juli häufen sich in sozialen Netzwerken und in Medien Meldungen über eine neue Grusel-Challenge mit dem Namen „Jonathan Galindo“. Profile mit diesem Namen sind zu Tausenden bei Facebook, Instagram und TikTok aufgetaucht. Das Profilbild zeigt eine grinsende Fratze, die entfernt an die Disney-Figur Goofy erinnert, daher auch der Name „Grusel-Goofy“.

Zahlreiche Medien, darunter stern.de, Focus online und auch der NDR, haben in den vergangenen Wochen darüber berichtet und gewarnt, Kinder und Jugendliche würden über diese Profile angesprochen und unter Druck gesetzt, eine Reihe von Aufgaben zu absolvieren.

Die Aufgaben könnten „im schlimmsten Fall mit dem Tod der Kinder enden“, so zitiert stern.de den bekannten „Cyberkriminologen“ Dr. Thomas-Gabriel Rüdiger. Recherchen des NDR Medienmagazins „ZAPP“ zeigen, dass es keinen Anlass für diese furchterregenden Warnungen gibt: Bislang fehlen Erkenntnisse darüber, ob tatsächlich Listen mit Aufgaben verschickt wurden und Kinder diese auch absolvierten. Bundesweit sind keine bestätigten Fälle von Verletzungen oder Unfällen aufgrund einer solchen Challenge („Herausforderung“) bekannt. Meldungen über Selbstmorde bezeichnet Enrico Ball von der Polizei Unterfranken als „Hoax“, also Falschmeldungen.

Auch Martin Bregenzer von der EU Medienkompetenz-Initiative „klicksafe“ hält die Warnungen für „überzogen“: „Bislang haben weder wir noch die anderen Netzberatungsstellen auch nur einen einzigen Anruf von Kindern oder Jugendlichen erhalten, die sich wegen einer Challenge gemeldet hätten“. Solche Challenges würden in den Medien immer wieder auftauchen – bevorzugt im Sommerloch. Die Welle der Berichterstattung löse bei Kindern jedoch sehr reale Ängste aus, so Bregenzers Einschätzung. Echte Aufklärung sei wichtiger als Panikmache.

Nach Recherchen der Datenjournalistinnen und -journalisten von NDR Data kursieren Fotos und Videos des „Grusel-Goofys“, die die Grundlage der Jonathan Galindo Challenge bilden, schon seit 2012 im Internet. Sie stammen von einem US-amerikanischen Maskenbildner, der die Bilder auf der Porno-Plattform xtube veröffentlicht hatte. Erst Ende Mai 2020 wurden die Bilder von Usern auf TikTok geteilt, seitdem geht das Thema weltweit viral. Auf YouTube erzielen Videos zu „Jonathan Galindo“ teils mehrere Millionen Aufrufe in nur wenigen Tagen.

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Dass viele Medien hierzulande die Geschichte aufgriffen, geht nach „ZAPP“-Recherchen auf den „Cyberkriminologen“ Dr. Thomas-Gabriel Rüdiger zurück, der an der Hochschule der Polizei des Landes Brandenburg lehrt. Er hatte über seine Social-Media-Kanäle vor der Grusel-Challenge gewarnt, wurde daraufhin in zahlreichen Presseberichten zitiert. Im Interview mit „ZAPP“ räumt er jedoch ein, er habe keine eigenen Recherchen zur „Jonathan Galindo Challenge“ angestellt, sondern „im privaten Gespräch mit einem Kollegen“ davon erfahren. Er habe daraufhin lediglich „ein schnelles Posting“ für seine Follower abgesetzt. Viele Medien hätten das dann offenbar ohne weitere Prüfung übernommen. Sie haben damit gewissermaßen die Panik erst erzeugt, vor der sie warnen.

Jonathan Galindo Challenge: Gefahr oder Hoax? | ZAPP | NDR

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